Lokales

„Euro hat friedensstiftende Wirkung“

Der ehemalige Bundesfinanzminister Dr. Theo Waigel streicht in der Limburghalle die Chancen der Globalisierung heraus

Um die deutsche Wirtschaft ist dem „Vater des Euro“ nicht bang. Doch warnte der langjährige Bundesfinanzminister Dr. Theo Waigel in der Limburghalle davor, die Reformen im Land zurückzudrehen.

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ANKE KIRSAMMER

Weilheim. Auf Einladung der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen war der prominente CSU-Politiker in die Limburgstadt gekommen. Konkreter Anlass: Der Umbau der Weilheimer Filiale, die am 11. April offiziell eröffnet wird. Mit Blick auf das Thema des Ministers a. D. „Globalisierung – Chance für Deutschland“ und die weltweite Finanzkrise betonte der Vorstandsvorsitzende der Kreissparkasse, Franz Scholz: „Die Furcht, dass die Krise regionale Folgen haben könnte, ist nicht unbegründet.“ Vor Ort verankerte Institute wie die KSK würden aber langfristig denken und nicht kurzfristig nach Rendite streben. „Bei uns muss niemand um sein Geld bangen“, so Scholz. Weilheims Bürgermeister Hermann Bauer, Mitglied im Verbandsvorstand des Sparkassenverbands Baden-Württemberg, bescheinigte dem Kreditinstitut, die Talsohle der vergangenen fünf Jahre mit einem geringen Personalabbau, dem Erhalt eines dichten Filialnetzes und einer ordentlichen Ertragslage gut überstanden zu haben.

In seinem Vortrag bewies Theo Waigel, von 1989 bis 1998 Finanzminister in der von Helmut Kohl geführten Bundesregierung, dass er auf dem internationalen Finanzparkett nach wie vor zu Hause ist und zudem über besondere rhetorische Qualitäten verfügt. Nach dem herzlichen Empfang in der Limburghalle bekannte der einst als „Herr der Löcher“ Geschmähte: „Es ist eigenartig, kaum ist man nicht mehr Finanzminister, wird man wieder gegrüßt.“ Der „Vater des Euro“ verteidigte die Einführung der gemeinsamen europäischen Währung: „Was denken Sie, was es sonst in den letzten sechs bis acht Jahren für eine Achterbahnfahrt gegeben hätte.“ Als großen Erfolg wertete Waigel zudem, dass die Europäische Zent­ralbank in Frankfurt angesiedelt ist und „deutsch spricht“ – zum Vorbild also die deutsche Zentralbank hat. Dem Polit-Promi zufolge hatten die demokratischen Parteien bereits 1945/46 das Ziel einer gemeinsamen europäischen Währung in ihren Programmen verankert. Einleuchtend für ihn der Gedanke des CSU-Gründers Josef Müller: „Länder mit einer gemeinsamen Währung führen keinen Krieg gegeneinander.“ Es gehe damit um mehr als um Mark und Cent. „Der Euro ist ein friedensstiftendes Instrument, das die europäischen Länder zur Kooperation zwingt“, so Waigel. Die 90er-Jahre sind für ihn die vielleicht ereignisreichste, positivste Dekade des vergangenen Jahrhunderts. Beispielhaft führte er das Ende des Kalten Krieges mit einer veränderten „Architektonik des Kontinents“ sowie den politischen und ökonomischen Wandel an. Waigel machte die beiden Weltkriege dafür verantwortlich, dass die Globalisierung nicht viel früher Einzug halten konnte. Globalisierung ist für den 68-Jährigen gleichbedeutend mit einer Zunahme der weltweiten Zusammenarbeit und Abhängigkeit.

Um erfolgreich sein zu können, hält der CSU-Politiker unter anderem die Deregulierung des Arbeitsmarkts für unabdingbar. „Wer sich nicht reformiert, verliert in Europa schnell an Kraft“, so die Überzeugung des ehemaligen Ministers. Seit ein paar Jahren profitiere auch Deutschland vom Euro, gewinne jedes Jahr weitere Marktvorteile hinzu. Sorge bereitet dem ehemaligen Kabinettsmitglied jedoch, dass viele Politiker in der Abkehr von Hartz IV wieder ans Verteilen gingen. Wichtiger als der Zuwachs beim Einzelnen sei jedoch, die Arbeitslosigkeit runterzufahren.

Keinen Hehl machte der Rechtsanwalt daraus, dass der weltweite Standortwettbewerb mitunter auch zu Übertreibung und Gier führt: „Mir macht keiner weis, dass er auf Dauer 25 Prozent Rendite einfährt.“ Die verbreitete Angst vor der Zerschlagung gewachsener Unternehmen und sogenannten „Heuschrecken“ kann er verstehen, gibt aber zu bedenken: „Ich möchte nicht mit der Welt der Eisernen Vorhänge tauschen.“ Was mit der Globalisierung nicht einhergehen dürfe, sei das Aufgeben von Traditionen und kulturellen Verankerungen. Neben der Offenheit und Transparenz brauche es eben auch die Identität. Sich selbst bezeichnete Waigel als „unverbesserlichen Optimisten“ und gab den Zuhörern ein Ernst-Jünger-Zitat mit auf den Weg: „Es ist besser in der Zuversicht als in der Furcht zu leben.“