Lokales

Europa als Chance für den Mittelstand

KIRCHHEIM In einem kurzen geschichtlichen Abriss würdigte der Vorsitzende Franz Pfeffer die Entwicklung des Autohauses Groß, das sich von kleinen Anfängen zu einem gesunden Mittelständler in Kirchheim entwickelt und sich stets den Herausforderungen der europäischen Integration gestellt habe.

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Drei Jahre nach Abschluss seiner Meisterprüfung gründete Georg Groß zusammen mit seiner Frau eine Tankstelle mit Kfz-Werkstatt in Notzingen. Im Jahre 1975 wurde das Autohaus Volvo-Vertragshändler. In den 80er-Jahren wurden Fahrräder ins Sortiment aufgenommen und das Autohaus um eine Ausstellungshalle erweitert. Das Jahr 1997 brachte die Eröffnung eines Filialbetriebs in Esslingen mit sich, der von Robert Groß geführt wird.

Im Jahr 2004 wurden mit dem Umzug und dem Neubau des Autohauses im Kirchheimer Gewerbegebiet Bohnau die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft des Autohauses gestellt. Juniorchef Wolfgang Groß ergänzte, dass mit der Modernisierung des Autohauses in Esslingen im vergangenen Jahr das Unternehmen für den immer schnelllebiger werdenden Wettbewerb gut gerüstet sei.

In der anschließenden Diskussion verdeutlichte Franz Pfeffer, dass noch sehr viele Menschen gegenüber der europäischen Integration und der Globalisierung skeptisch eingestellt seien. Als besonders wichtige Anliegen der deutschen EU-Ratspräsidentschaft sieht er das Vorantreiben des Verfassungsprozesses, die langfristige Sicherung der Energieversorgung sowie die Außen- und Sicherheitspolitik. Besorgt zeigte sich Pfeffer angesichts der Zunahme der Bürokratie in Europa, die gerade dem Mittelstand das Leben schwer mache.

Von allen Teilnehmern wurde die von der EU vorangetriebene Öffnung des Post-Monopols im Briefmarkt begrüßt. Elmar Müller, der Geschäftsführer eines mittelständischen Postdienstleisters ist, trat der von SPD und der Deutschen Post geäußerten Kritik, dass Deutschland seinen Briefmarkt öffne, während andere europäische Länder damit noch abwarteten, entgegen. So liege Deutschland im Hinblick auf die Öffnung des Briefmarktes im europäischen Mittelfeld, und es gelte zudem der Grundsatz der Reziprozität, das heißt, nur Postunternehmen aus Ländern, die ihren Briefmarkt öffnen, dürfen auch in anderen EU-Mitgliedsländern ihre Dienste anbieten.

Müller erwartet bis Ende 2007 drei große Zustellnetze im Briefmarkt; im Vorgriff darauf hätten die überwiegend mittelständischen Postunter-nehmen 47 000 neue Arbeitsplätze, vorwiegend für Geringqualifizierte, geschaffen. Für die Postkunden bedeute die Öffnung des Briefmarktes niedrigere Portokosten sowie besseren Kundenservice durch mehr Wettbewerb der Postdienstleister.

Ein Mindestlohn, ob für den Briefmarkt oder gar flächendeckend, stieß auf einhellige Ablehnung der Unions-Mittelständler. So lägen die meisten Arbeitskräfte ohnehin über der geforderten Höhe von 7,50 Euro, und es würden durch den Mindestlohn die Arbeitsplätze Geringqualifizierter, also gerade der Gruppe am Arbeitsmarkt, der man besonders helfen wolle, wegrationalisiert. Zudem wirke die Forderung der Deutschen Post AG vor dem Hintergrund, dass sie selbst Subunternehmer aus dem europäischen Ausland zu teilweise deutlich geringeren Tarifen beschäftige, unglaubwürdig.

Zum Abschluss mahnte Franz Pfeffer an, dass die CDU Sozialpolitik nicht auf Kosten ihrer Wirtschaftskompetenz betreiben dürfe und auch konservative Positionen in der CDU eine politische Heimat haben müssten.

tr