Lokales

Ex-Ehemann muss hinter Gitter

Ein 33-jähriger bosnischer Stuckateur aus Wendlingen muss nach dem Willen des Stuttgarter Landgerichts wegen Vergewaltigung, Geiselnahme und Bedrohung siebeneinhalb Jahre hinter Gitter.

BERND WINCKLER

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WENDLINGEN Trotz Unschuldsbeteuerungen kam die 18. Große Strafkammer zu dem Ergebnis, dass der Mann seine geschiedene Ehefrau in deren Auto mit Messergewalt entführte und im Wald zwischen Esslingen und Plochingen vergewaltigte.

Bis zuletzt hatte der 33-Jährige vor den Richtern der 18. Großen Strafkammer des Stuttgarter Landgerichts seine Unschuld beteuert. Die 26-jährige Frau und Mutter eines gemeinsamen sechsjährigen Sohnes, hatte jedoch in dem mehrere Tage dauernden Prozess schwere Vorwürfe gegen den Ex-Mann erhoben: Der Mann sei ihr nach der Scheidung ständig nachgefahren, habe ihr nachgestellt und sie mehrfach mit dem Tode bedroht. Einmal habe er ihr auch mitgeteilt, dass er sie definitiv umbringen werde.

Doch diese Einzelvorwürfe waren jetzt in dem Urteil gegen den 33-Jährigen nicht mehr das Hauptthema. Vielmehr ging es um das Geschehen vom Abend des 22. September vergangenen Jahres. Die Richter gehen in dem gestern verkündeten Urteil davon aus, dass der Bosnier der Frau in der Plochinger Innenstadt auflauerte und dann plötzlich bei einem verkehrsbedingten Halt in ihr Fahrzeug einstieg. Dann setzte er ihr ein Messer an den Hals und dirigierte sie zunächst in eine Tiefgarage, wo die Plätze gewechselt wurden.

Als der Angeklagte am Steuer des Audi saß, fuhr er in ein Waldstück zwischen Esslingen und Plochingen. Dort wurde die Frau von ihm vergewaltigt, heißt es in dem Urteil. Danach fuhr er sie wieder zurück nach Plochingen, wo bereits die Polizei auf ihn wartete, er aber nach kurzer Befragung doch wieder freigelassen wurde. Erst Stunden später, nachdem die Frau Anzeige erstattet hatte, klickten die Handschellen.

Die Ex-Ehefrau habe alles erfunden, verteidigte sich der 33-Jährige jetzt vor Gericht. Der Sex im Fahrzeug sei einverständlich geschehen. Sie habe mit ihren beiden Freundinnen, die ebenfalls geschieden seien, gegen ihn ein Komplott geschmiedet. Er habe kein Messer bei sich gehabt und die Polizei fand auch keines bei ihm. Eine der Ehefrau-Freundinnen habe ihm sogar mitteilen lassen, sie hätte die Ehefrau dahingehend beraten, dass sie ihn, den Mann, fertigmachen solle. Alles sei genauestens gegen ihn eingefädelt worden. Die Frau habe ihm am Tattag telefonisch noch gesagt, sie wünsche eine Unterredung wegen des Umgangs mit dem gemeinsamen Kind mit ihm und er solle dazu ein Messer mitbringen.

Doch die Richter glaubten der Aussage der Ehefrau mehr als den Beteuerungen des Angeklagten und schickten ihn für siebeneinhalb Jahre hinter Gitter. Der Staatsanwalt hatte acht Jahre und neun Monate Freiheitsstrafe beantragt. Der Verteidiger und der Angeklagte selbst forderten Freispruch. Sie wollen gegen den Schuldspruch Revision einlegen, weil angeblich das Gericht wichtige Unschulds-Beweismittel nicht gewürdigt habe.