Lokales

Exkursion in fantastische und virtuelle Bücherwelten

KIRCHHEIM Die Frederick-Tage sind benannt nach der wohl geliebtesten Maus der Kinderliteratur, erschaffen von Leo Lionni. Generationen von Kindern haben sie ins Herz geschlossen, gemalt, nachgespielt und neue Geschichten gedichtet das haben sie von dieser Maus gelernt, denn Frederick ist ein Dichter. Während andere Mäuse Vorräte für den Winter zusammensuchen, sammelt Frederick Nahrung für die Seele: Sonnenstrahlen, Farben und Wörter. Wie kostbar seine Schätze sind, erfahren seine Freunde, als ihre Vorräte aufgebraucht sind. Und die Kinder bekommen ein Gefühl dafür, welche Freude und Wärme Farben und Wörter vermitteln können.

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Eine Woche vor Beginn der Frede-rick-Tage, dem landesweiten Lesefest, an dem sich viele Schulen beteiligen, las die Kinder- und Jugendbuchautorin Marliese Arold in der Buchhandlung Schieferle, sowie an der Alleenschule in Kirchheim und an der Grundschule Nabern vor aufmerksamen Zuhörern, denen die Bücher der Autorin zum Teil schon vertraut waren.

Marliese Arold, die vor einigen Tagen ihr 155. Buch fertiggeschrieben hatte, gehört zu den bekannten Vertreterinnen der deutschen Kinder- und Jugendbuchliteratur und schrieb sich mit Titeln wie "Sternschnuppe", den "Cityflitzern" und vielen anderen Büchern in die Herzen der Kinder. In der Buchhandlung Schieferle, in der Kinder der Rauner- und Teckgrundschule zu Gast waren, sowie den Grundschülern der Alleenschule las sie aus ihrem neuesten "Gespensterparkband" , in dem Max und Sophie, die als Pfleger für alle magischen Geschöpfe im Heringshausener Gespensterpark arbeiten, ihr Lieblingsgespenst, den kleinen Steinerweicher suchen müssen.

Er wurde mit Hilfe von Zwurg, dem bösen, alten Zwerg entführt. Bei ihrer Suche stoßen sie auf eine Gespenstershow , einen "kleinen Gänsehautladen" sowie andere ungeheuerliche Dinge. Die Naberner Kinder wiede-rum machten Bekanntschaft mit ihrer liebenswerten Kinderbuchfigur Hexe Winnie, die bis zum nächsten Tag 40 Kürbistaler oder einen "Zauberigel" herbeischaffen muss. Leo, Papas Gehilfe würde sonst verraten, dass sie den neuen Hexenbesen kaputtgeflogen hat. Also versucht Winnie, mit ihren Zauberkünsten in der Menschenwelt Geld zu verdienen. Dass das nicht gut geht, kann man sich denken.

Der Hamburger Jugendbuchautor Andreas Schlüter setzte auf Einladung der Buchhandlung Schieferle die Lesereise fort. Den Kindern kein Unbekannter, las er am Schlossgymnasium vor hochmotivierten Sechst-klässlern. Bekannt wurde er durch die spannenden Computerkrimis der Reihe "Level 4" und durch die Kinderbücher "Kurierdienst Rattenzahn". Er präsentierte in Kirchheim sein soeben erschienenes Buch "Level 4.2 Rückkehr in die Stadt der Kinder".

Spannung pur war angesagt, denn auch in diesem Buch muss Ben mit seinen Freunden entdecken, dass alle Lehrer unauffindbar sind. Wieder sind sie in das Computerspiel "die Stadt der Kinder" und damit in eine virtuelle Welt ohne Erwachsene hineingeraten. Es kommt sogar noch schlimmer, denn in der Neufassung des Spiels kann der Spieler die Charaktere der Figuren verändern. Ob Ben und seine Freunde das Schlimmste verhindern konnten, ließ der Autor natürlich offen.

Die Viertklässler der Grund- und Hauptsschule Schlierbach konnten sich herrlich wiederfinden in Johanna, dem zehnjährigen Mädchen, bei dem immer so viel schief geht. Aber kleine Fehler sind was Tolles. Das weiß Mörfi, eine putzmuntere, kleine Fehlerteufelin, die mit ihrem "Fehlerblasen-Werfer" immer wieder "putzige" Pannen und "quirligen" Quatsch erzeugt und Johannas Welt ganz schön auf den Kopf stellt. Schwächen, Fehler "vergossener Kirschsaft" kommen eben mal vor. Auf die Frage des Autors, wer denn von den Zuhörern auch alles Fehler mache, gingen nicht nur die Zeigefinger der Kinder in die Höhe. Die Begeisterung war groß auch bei den Hauptschülern der Raunerschule und in der Grund- und Hauptschule Bissingen wurde Andreas Schlüter schon mit Jubel und großem Hallo empfangen.

Der Inhalt des vorgestellten Buches "Gesucht!", das der Autor, der früher selbst Jugendgruppen leitete, den Schülerinnen und Schülern der 7. bis 9. Klasse vorstellte , ist hochaktuell: Es geht um Mobbing, Erpressung und Gewalt an Schulen, die nicht immer nur von Jungen ausgeht, und um Zivilcourage. Ein brisantes Thema, auf das sich die Schüler aufmerksam einließen. Wahrscheinlich sehen Lehrer ihre Schüler selten so überzeugt von Büchern wie bei den Lesungen von Andreas Schlüter.

Der ehemalige Journalist und Fernsehredakteur schaffte es, die Schüler gleich welchen Alters, gleich welchen Schultyps mit seinem erfrischend unpädagogischem Vortrag in seinen Bann zu ziehen. Nach einer halben Stunde aufmerksamen Zuhörens stand der Autor den gut vorbereiteten und eifrigen Fragestellern mit viel trockenem Humor Rede und Antwort. Julia und Laura aus der 6. Klasse des Schlossgymnasiums hatten sogar ein Interview mit dem Autor vorbereitet, das die oft pfiffigen Fragen der Mitschüler, nach Privat- und "Buchschreiberleben" prima ergänzte.

Dass Kinder und Jugendliche durch eine Autorenlesung Interesse und Spaß am Lesen gewinnen, etwas über das Schreiben und die Arbeit eines Schriftstellers erfahren, wurde bei diesen Leseveranstaltungen zweifellos erreicht.

al