Lokales

Ex-Manager erklärt die Wirtschaft

Menno Harms spricht auf Einladung des Elternarbeitskreises Wirtschaft am Ludwig-Uhland-Gymnasium

Unter der Überschrift „Ethik und Profit“ legte Menno Harms rund 100 Schülern, Lehrern und Eltern seine Sicht des Unternehmertums dar. Der Elternarbeitskreis Wirtschaft des Ludwig-Uhland-Gymnasiums hatte den ehemaligen Manager von Hewlett Packard Deutschland eingeladen, um Schülern Entscheidungshilfen auf dem Weg ins Berufsleben zu geben.

Gesa Von Leesen

Kirchheim. Für den 68-jährigen Menno Harms steht die Persönlichkeit des Unternehmers im Mittelpunkt des wirtschaftlichen Geschehens. Verantwortungsvoll gegenüber der Gesellschaft handle der Unternehmer schon deshalb, weil unternehmerischer Erfolg für Harms per se gesellschaftliche Verantwortung beweise. Ein Unternehmer agiert verantwortlich, wenn er im offenen Wettbewerb vernünftig mit Ressourcen umgeht, wenn er seinen Betrieb auch gegen Widerstände ständig umbaut, wenn er Produkte und Dienstleistungen herstellt, „die die Gesellschaft wirklich braucht“, wenn er die Bedeutung förderlicher Arbeits­bedingungen erkennt, wenn er Werte wie Fairness und Vertrauen im Un­ternehmen fördert und vorlebt. So die Kernthesen des Ex-Managers.

Damit ein Unternehmer derart wirken kann, muss es eher wenig als viel staatliche Regulierung geben. So sähe Harms Arbeitsgesetze und das Betriebsverfassungsgesetz gerne verändert. Was genau ihn an diesen Gesetzen stört, erklärte er allerdings nicht. Überhaupt blieb vieles im angedeuteten Bereich. Harms sprach davon, Fairness im Unternehmen zu verankern und vorzuleben, und die „Umsetzung sollte auch gemessen und öffentlich anerkannt werden“. Doch wie misst sich Fairness? Viele ehemals Beschäftigte, die – auch bei HP – entlassen wurden, dürften unter Fairness etwas anderes verstehen als mancher Manager.

Aber „Arbeitsplatzsicherung ist keine Kernaufgabe von Unternehmen“, sagte Harms, auch wenn er das in der anschließenden Diskussion wieder bestritt. Ein Schüler wollte wissen: „Wenn Arbeitsplatzsicherung keine Unternehmensaufgabe ist, wo bleibt da der Mensch?“ So habe er das nicht gesagt, meinte Harms. „Arbeitsplatzschaffung“ sei keine Kernaufgabe, Sicherung schon.

Neben seinen Thesen für eine verantwortungsvolle Unternehmensfüh­rung nutzte der Entwicklungsingenieur, der 2004 mit seiner Beratungsfirma Menno Harms GmbH selbst Unternehmer geworden ist, die Gelegenheit, wiederholt „Kommunikationsdefizite zwischen Wirtschaft und Gesellschaft“ zu beklagen. Die Bevölkerung müsse Wirtschaft besser verstehen „sonst sind die notwendigen Reformen nicht machbar“. Welche notwendigen Reformen? Wieder Rätselraten. Zudem bemängelte Harms, dass angesichts der Finanzmarktkrise pauschal auf Unternehmer geschimpft werde. Angesichts aktueller Wirtschaftsnachrichten, könnte man vermuten „dass es einen Sumpf aus Korruption und Unmoral gibt“. Doch bei allen schweren Verfehlungen, wie bei Enron, IKB, Siemens und einer „Dunkelziffer, die sicher hoch ist“, müsse bedacht werden, dass es Millionen vernünftig arbeitender Unternehmer gebe.

Auch zu Managergehältern äußerte sich das Mitglied mehrerer Aufsichtsräte: Ausreißer nach oben, wie die 50 Millionen im Jahr für Porsche-Chef Wiedeking, gefielen auch ihm nicht. Aber das seien nun mal Verträge. Und wenn erfolglose Firmenchefs hohe Abfindungen bekämen, sei auch das vertragsgemäß. Im Übrigen hätten ja die Gewerkschaften das Instrument Abfindung einst erfunden.

Die anschließende Diskussion blieb recht ruhig, allein der erwähnte Schüler äußerte massive Zweifel an der Vorstellung, dass Produktivität sich ständig steigern ließe. Und der Einschätzung eines Diskutanten, dass viele Mittelständler solider wirtschafteten, weil sie nicht nur dem kurzfristigen Profit nachjagten, schloss Harms sich an.

Zum Dank für seinen Vortrag durfte Harms von Schulleiter Andreas Jetter eine Aufnahme des Bachschen Weihnachtsoratoriums entgegen-nehmen. Jetter: „Ich denke, der Inhalt passt.“

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