Lokales

"Experten ihres eigenen Lebens"

Mit den Mitwirkungsmöglichkeiten von Menschen mit Behinderung in der Vereinsarbeit der Lebenshilfe befasste sich ein Regionaltreffen in der Kirchheimer Begegnungsstätte.

KIRCHHEIM Engagierte Menschen mit Behinderung aus den Lebenshilfen Kirchheim, Esslingen und Göppingen tauschten bei dem Regionaltreffen ihre Erfahrungen aus. Die Lebenshilfe war ursprünglich ein Selbsthilfeverein für Eltern von Kindern mit einer geistigen Behinderung. Als flexible Organisation trägt die Lebenshilfe der Emanzipationsbewegung von Menschen mit Behinderung Rechnung, indem ihnen gleichberechtigte Mitwirkungsmöglichkeiten offen stehen. "Heute unterstützen sich Erwachsene mit Behinderung untereinander", erklärt Ramona Günther, Mitglied im Rat behinderter Menschen bei der Bundesvereinigung der Lebenshilfe. Sie hebt damit hervor, dass die Lebenshilfe nicht nur für Eltern Selbsthilfe bietet. Die nun erwachsenen Kinder geben sich unter dem Dach der Lebenshilfe gegenseitig Mut und alltagspraktische Hilfestellungen.

Anzeige

"Sich selbst vertreten als Experten ihres eigenen Lebens, das fordern Menschen mit Behinderung", fasst Klaudia Lucia ihre Erfahrungen aus den 68 örtlichen Lebenshilfevereinen in Baden-Württemberg zusammen. Lucia leitet das Projekt "Beteiligung vor Ort" beim Landesverband der Lebenshilfe in Baden-Württemberg. "Selbstbestimmung und Mitbestimmung ist mir wichtig, deshalb engagiere ich mich auch für andere im Verein", sagt Markus Schmidt, Mitglied des Vorstandes der Lebenshilfe Kirchheim.

Die Teilnehmer der Regionalveranstaltung stellten sich gegenseitig ihre Arbeit in den drei Regionen vor. Dabei wurden Unterschiede deutlich. In Kirchheim gibt es seit fünf Jahren einen Beirat behinderter Menschen und zwei Vorstandsmitglieder mit Behinderung. Der Beirat und die zwei Vorstandsmitglieder in Kirchheim werden ebenso wie die Beiräte in Esslingen und Göppingen in ihrer Arbeit von Assistenten unterstützt. Ganz jung ist die Entwicklung der Mitwirkungsmöglichkeiten der Menschen mit Behinderung bei der Lebenshilfe in Esslingen. Der Beirat der Lebenshilfe Göppingen berichtete stolz über erste Erfolge in ihrem einjährigen Bestehen: Sie konnten sich mit der Forderung nach einem Parkplatz für behinderte Menschen durchsetzen.

"Die Leute bringen mich da auf Ideen", profitiert Jochen Schumann, Kirchheimer Vorstandsmitglied von dem regionalen Austausch. Abschließend waren sich alle Teilnehmer sicher, dass dieser Blick über den Tellerrand weiter fortgesetzt wird. Aus diesem Grund lud der Landesverband Baden-Württemberg die engagierten Personen zu einer landesweiten Vollversammlung behinderter Lebenshilfemitglieder im November in Herrenberg ein.

kl