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Extreme Trockenheit macht den Buchen zu schaffen

Im Wald gehen die Uhren anders. Inventur wird alle zehn Jahre gemacht. Die daraus resultierende Planung für das nächste Jahrzehnt nennt sich Forsteinrichtung. Gestern stellten Landrat Eininger, Forstamtsleiter Reining und Hubertus Windthorst vom Regierungspräsidium Tübingen die Zahlen aus dem Staatswald vor. Während der einstündigen Pressekonferenz zwischen Eichen und Buchen wuchsen im Staatswald im Kreis Esslingen immerhin 5,5 Kubikmeter Holz dazu.

ROLAND KURZ

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KREIS ESSLINGEN Dass der Wald rasch wächst und sehr viel Holz vorrätig ist, ist ein Ergebnis der neuen Messungen, berichtet Amtsleiter Felix Reining im Lichtenwalder Forst. Deshalb könne man die zu erntende Holzmenge um elf Prozent anheben. Angesichts der wachsenden Nachfrage nach Brennholz und steigenden Preisen, ist das eine erfreuliche Nachricht für den Waldbesitzer, beim Staatswald also für das Land Baden-Württemberg. Ihm gehören im Kreis Esslingen 6 000 Hektar.

Ob sich alles wie geplant entwickelt, liegt nicht nur in Försters Hand. An den Folgen der Orkane Wiebke und Lothar arbeiten die Forstleute immer noch. Die vor 7 und vor 17 Jahren verwüsteten Flächen brauchen immer noch Pflege. Angesichts des Klimawandels ist häufiger mit Stürmen zu rechnen.

Von Waldsterben wie in den 80er-Jahren wollen die Förster nicht mehr reden. Die Bäume leiden zwar noch unter dreckiger Luft und sauren Böden, aber sie überleben. "Das klassische Waldsterben wird zunehmend von den Folgen des Klimawandels überlagert", sagt RP-Abteilungsdirektor Windthorst.

Die extreme Trockenheit der vergangenen Jahre macht vor allem den Buchen zu schaffen, der wichtigsten Baumart im Landkreis. Umso wichtiger sei die naturnahe Waldbewirtschaftung, sagt Reining: "Unser Leitbild sind standortangepasste, stabile Mischwälder." Die seien am widerstandsfähigsten gegen wechselnde Umwelteinflüsse. Die Fichte jedoch, der Brotbaum der Forstwirtschaft, hat einen Anteil von zwölf Prozent und leidet unter Hitze und Trockenheit. Die Förster wollen deshalb stärker auf die Douglasie setzen. Ihr Anteil soll von zwei auf sieben Prozent steigen, aber das dauert mehrere Jahrzehnte, sagt Günther Hirt, der für die permanente Betriebsinventur im Landkreis verantwortlich ist.

Damit er vor lauter Bäumen den Wald noch sieht, arbeitet Hirt mit Stichproben. Da auf zwei Hektar eine Probe kommt, das sind 3300 Messpflöcke im Staatswald auf Kreisgebiet, inventarisieren auch private Unternehmen. Um jeden Messpunkt herum werden Baumarten, Höhe, Durchmesser, Verjüngung, Ästung, Totholz, Verbiss und Rückeschäden notiert. Nach einer Begehung mit dem Revierförster, fertigt Hirt schließlich die Revierkarte an, eine wichtige Arbeitsgrundlage für jeden Förster.

Auf Papier allein verlässt sich kein Forstmann. An einem auffallend schönen Eichenbestand erläutert Lichtenwalds Förster Joachim Schweizer, welche Gedanken er sich macht. Etwa 90 Jahre alte Eichen stehen hier kerzengerade. Die schönsten, mit weißem Punkt gekennzeichnet, will Schweizer als Wertbäume hegen. Mit einem scharfen Eingriff hat er ihren Kronen wieder Luft geschaffen. Nach zwei Jahren hat er schon festgestellt: Ihr Laub wird wieder grüner, ein Zeichen für zunehmende Vitalität. Gleichwohl sind sie nicht zu schnell gewachsen, haben nur unbedeutende Zweitkronen ausgebildet und wenige Wasserreißer getrieben. Man ahnt, der Wald ist ein komplexes Ökosystem. Revierförster Schweizer ist trotz erster positiver Anzeichen zurückhaltend: "In 50 Jahren wissen wir mehr."

"Ich habe heute viel gelernt über Nachhaltigkeit", fasste Landrat Heinz Eininger die Eindrücke seiner ersten Forsteinrichtung zusammen. Bei der Verwaltungsreform, die 2005 den Forst dem Landratsamt zugeschlagen hat, erkennt Eininger schon in kurzer Zeit erste Früchte. 2006 wiesen die ehemals sieben selbstständigen Reviere erstmals seit langem wieder schwarze Zahlen auf. Neben den steigenden Holzpreisen schreibt Eininger dies dem Engagement der Förster zu. "Meine Forstleute", sagte er bewusst, "arbeiten reibungslos mit uns zusammen."