Lokales

Fairer Handel statt "Biopiraterie"

Satellitenbilder aus dem All haben es erst vor wenigen Tagen zur traurigen Gewissheit werden lassen: Die Zerstörung der Regenwälder schreitet doppelt so schnell voran wie befürchtet. Wie man den Regenwald sinnvoll nutzen kann, ohne ihn zu zerstören, machte Rainer Putz vom Regenwald-Institut in Freiburg bei einem Vortrag in Kirchheim deutlich. Putz kam auf Einladung des Weltladens Kirchheim in die Stadt.

MICHAEL KRAFT

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KIRCHHEIM Es gibt Vorträge, bei denen sich das Publikum zurücklehnen, schöne Bilder genießen und angenehmen Themen lauschen kann. Als Reaktion auf das, was der promovierte Biologe Rainer Putz während seines Besuchs in der Familien-Bildungsstätte in Kirchheim zeigte und berichtete, war bei seinen rund 40 Zuhörern eher scharfes Durchatmen zu vernehmen.

Bilder von üppigen, grünen Regenwäldern wechselten sich auf der Leinwand mit Bildern davon ab, wie es jetzt dort aussieht: Schwere Lastwagen, beladen mit frisch geschlagenen Stämmen, rollen durch staubige Mondlandschaften. Wo früher dichter Regenwald wucherte, stehen heute die angesengten, geschwärzten Stümpfe von Baumstämmen. Die Informationen, die Putz darüber gab, waren nicht dazu angetan, das Unbehagen zu mildern.

So klärte Rainer Putz das Publikum darüber auf, dass Pharma-Firmen der westlichen Welt Späher in den Urwald zu Schamanen schicken, um ihnen die Geheimnisse ihrer Heilkunst und die dafür verwendeten Gewächse des Regenwaldes zu entlocken. "Diese Pflanzen werden von den Firmen zum Patent angemeldet", führte der promovierte Biologe Putz aus. Die Wirkstoffe ihrer Gene das "grüne Gold" bescherten den Firmen Milliarden-Umsätze, und die Patente führen dazu, dass Menschen, die die Pflanzen seit langer Zeit nutzen, jetzt dafür plötzlich Lizenz-Gebühren bezahlen sollen.

"Biopiraterie" so wird dieses Vorgehen im Fachjargon genannt. Ein Vorgehen allerdings, das auf wachsenden Widerstand trifft: So haben Rainer Putz und seine Mitstreiter für den Schutz der Regenwälder mit ihrem Protest in Sachen Cupuacu Erfolg gehabt. Diese Regenwald-Frucht, die in pflegenden Seifen Verwendung findet, aber auch als wohlschmeckender Brotaufstrich, Füllung von Pralinen oder gesunde Alternative zu Schokolade, ließ sich eine japanische Firma als Marke schützen und versuchte, ein Patent auf die Frucht anzumelden.

"Dass der Name als Marke geschützt ist, haben wir erst gemerkt, als wir versucht haben, Pralinen mit Cupuacu zu importieren und prompt die Abmahnung auf dem Tisch gehabt haben", erzählte Putz. Der Protest hatte Erfolg: Die Marke wurde zurückgenommen, das Patent nicht erteilt.

Drei Jahre hatte Dr. Rainer Putz im Auftrag des Max-Planck-Instituts im brasilianischen Regenwald gelebt und geforscht. Was er dabei erlebt hat, führte 1997 dazu, dass er gemeinsam mit Kollegen in Freiburg ein Institut zum Schutz des Regenwaldes gründete. Dabei war ihm, wie er in Kirchheim sagte, eins klar: "Man kann den Regenwald nur zusammen mit den Menschen, die dort leben, schützen."

Und so betreibt das Regenwald-Institut auch einen Regenwald-Laden: Der bundesweit erste Versuch, einen Markt für fair gehandelte und waldschonend erzeugte Produkte aus den Regenwäldern zu schaffen und mit deren Verkauf die Regenwald-Bewohner zu unterstützen. Putz: "Diese Menschen leben vom Wald aber sie zerstören ihn nicht."

Wie das vor sich gehen kann, demonstrierte Rainer Putz an Hand von Produkten aus dem Sortiment des Regenwald-Ladens: So wird reichhaltiges, hautpflegendes Öl aus den Samen von Bäumen im Regenwald gewonnen, die von den Regenwald-Bewohnern gesammelt werden. Dieses Produkt, das Rainer Putz am Ende seines Vortrag anbot, fand bei den Zuhörern einigen Absatz.