Lokales

Fairness zählt mehr als der Sieg

Deutsch-ghanaisches Paar aus Notzingen fiebert mit Jogis Jungs und den „Black Stars“ mit

In Soccer City in Johannesburg stehen sich heute Abend Deutschland und Ghana gegenüber. Auch Elli Mettang und Victor Mainoo drücken auf dem heimischen Sofa in Notzingen die Daumen – für beide Teams. Aber auch wenn ihre Favoriten nicht so weit kommen sollten wie erhofft, ist die Fußball-WM in Südafrika aus Sicht des Ehepaars ein großer Erfolg.

Anzeige

Bianca Lütz-Holoch

Notzingen. „Es wird spannend“, ist Dr. Victor Mainoo überzeugt. Zwar würde der promovierte Ingenieur aus Ghana heute Abend gerne die Nationalelf seines Heimatlandes gewinnen sehen – den Sieg gönnt er aber durchaus auch den Deutschen. Für ihn steht zudem fest, dass Jogis Jungs bessere Chancen haben als die „Black Stars“: „Ghana fehlen drei wichtige Spieler, und der Sturm ist die ganze Zeit schon schlecht.“ Seiner Ehefrau Elli Mettang geht es ähnlich: „Ich würde mich für die deutschen Jungs freuen, aber ich möchte auch, dass Ghana weiterkommt“, sagt sie. Sie fände es schön, wenn bei der ersten WM, die auf dem afrikanischen Kontinent ausgetragen wird, auch eine afrikanische Mannschaft über die Vorrunde hi­nauskommt: „Die Menschen in Südafrika haben sich so reingehängt“.

Letztendlich ist für Elli Mettang und Victor Mainoo aber nicht entscheidend, wer siegt. Für sie zählen beim Fußball ganz andere Dinge. „Fußball verbindet mehr als die UNO“, ist Victor Mainoo überzeugt. Der Sport helfe dabei, Grenzen und Gegensätze zu überwinden. Er trage dazu bei, verschiedene Kulturen zusammenzubringen und unterschiedliche politische und religiöse Einstellungen in den Hintergrund treten zu lassen.

Speziell für den afrikanischen Kontinent hat die Fußball-WM aus Sicht des Ehepaars eine große Bedeutung. Zwar profitieren nach Meinung von Victor Mainoo die unteren Bevölkerungsschichten immer noch viel zu wenig von dem großen Event. „Die Leute, die daran verdienen, kommen meist aus höheren Schichten“, glaubt er. Elli Mettang ist aber sicher, dass die WM sich rundum positiv auswirkt und Afrika endlich einmal in ein gutes Licht taucht. Über den Kontinent werde sonst meist in negativen Kategorien wie Krieg, Armut, Hunger und Krankheit geredet.

Heute Abend wollen die beiden Notzinger vor allem ein schönes, faires Spiel ohne Fouls sehen. Fairness ist etwas, das bei dem Ehepaar ohnehin groß geschrieben wird. So haben sich die Diplom-Pädagogin und der Ingenieur schon vor Jahren aus ihren ursprünglichen Berufen verabschiedet und führen in Notzingen die Firma adepa, einen Großhandel für afrikanisches Kunsthandwerk. Alle Produkte sind fair gehandelt, die Kleinproduzenten aus Ghana und anderen afrikanischen Staaten erhalten angemessene Preise für ihre Produkte.

Kennengelernt haben sich Elli Mettang und Victor Mainoo im Jahr 1970. Sie bekamen zwei Söhne und heirateten 1987. Bereits 1965 war Victor Mainoo aus Ghana nach Deutschland gekommen. Später kehrte er wieder für einige Jahre zurück nach Ghana. Heute lebt Victor Mainoo in beiden Ländern. Etwa die Hälfte des Jahres verbringt er in Ghana, wo er Kontakte mit den Kunsthandwerkern und Produzenten pflegt. Die übrige Zeit lebt er in Notzingen. Dieses Jahr ist Mainoo Ende März aus Ghana zurück nach Deutschland gekommen. Dennoch steht er in Verbindung zu seinem Heimatland – und die Menschen dort zu ihm. So landeten nach dem Sieg Ghanas gegen Serbien gleich ein Jubel-Anruf und eine SMS aus Ghana auf Victor Mainoos Handy. „Fußball ist eben eine sehr emotionale Sache“, sagt Mainoo lachend – auch und gerade in Afrika.