Lokales

Fairplay vermisst

Unter dem Motto "Der Kunde gestern König heute Bettelmann" beschäftigt sich die bundesweite Aktionswoche der Schuldnerberatung vom 18. bis 22. September mit der Verantwortung sowohl der Anbieter als auch der Konsumenten von finanziellen Dienstleistungen.

KIRCHHEIM Der Kunde wird bei Vertragsunterzeichnung als gleichrangiger Geschäftspartner behandelt der Kunde ist "König". Bei Zahlungsunfähigkeit ist es allerdings schnell vorbei mit dem Gleichrang: aus "Kunde" und "Vertragspartner" werden "Schuldner" und "Gläubiger".

Anzeige

Die Erfahrungen der Schuldnerberatungsstellen im Landkreis Esslingen zeigen, dass die Verantwortung der Anbieter bei Vertragsentstehung häufig unzureichend ist. Auf der anderen Seite ist die finanzielle Allgemeinbildung der Kunden befriedigend bis mangelhaft, selten gut. Bei Zahlungsunfähigkeit des Kunden wird die Kommunikation nur noch eingeschränkt zwischen Schuldner und Gläubiger geführt. Schuldner haben oft den Eindruck, dass ihre Gesprächsversuche unerwünscht sind; Bitten der Betroffenen um Stundung oder kleinere Raten trotz Nachweis der Zahlungsunfähigkeit werden abgelehnt.

Dass dann Schuldner "den Kopf in den Sand" stecken, trägt auch nicht zur Kommunikation bei. Die wird dann vom Gläubiger häufig kostensteigernd an Inkasso- und Rechtsanwälte delegiert. "Mit Schulden wird sogar gehandelt", beklagen die Schuldnerberater. "Wenn aus Forderungen von 222 Euro Gesamtschulden von über 2600 Euro werden, geht es längst nicht mehr um die wirtschaftliche Beitreibung der ursprünglichen Schulden. Aus Kunde König wird Bettelmann und das Fairplay steht im Abseits."

Die Schuldnerberatungsstellen im Landkreis Esslingen wirken schon immer dem Ungleichgewicht entgegen durch Stützung der Schuldner in ihren Bemühungen um Existenzsicherung, durch Abwehr von unberechtigten Forderungen und durch Regelung ihrer finanziellen Verhältnisse.

Als Beitrag zur Verbesserung der finanziellen Allgemeinbildung und zur Stärkung der Schuldner bieten die Schuldnerberater im Rahmen der Aktionswoche am kommenden Dienstag von 9 bis 16 Uhr im Jobcenter Kirchheim Vorträge und Beratungsgespräche an. Unter anderem informieren die Beratungsstellen über Vertragsgestaltung, Pfändung und Zwangsvollstreckung und Verbraucherinsolvenzverfahren. Außerdem besteht die Möglichkeit, Einzelfragen wie Umgang mit Schulden, Existenzsicherung, Forderungsüberprüfung, Möglichkeiten der Selbsthilfe, in Beratungsgesprächen zu erörtern.

pm