Lokales

Familien in Not den Rücken stärken

Seit fast dreißig Jahren bietet die Familienpflege Nürtingen ihre Dienste für Familien an. Jetzt stehen der Einrichtung einige Änderungen ins Haus. Mit der Zusammenlegung der Dekanate Esslingen und Nürtingen im Februar hat sich auch das Arbeitsgebiet der Familienpflege erweitert. Ihre Dienste bietet sie nun im ganzen Landkreis an, bisher war dies eher die Ausnahme.

NÜRTINGEN Die Familienpflegerinnen springen ein, wenn Eltern wegen Krankheit Kinder und Haushalt vorübergehend nicht selbst versorgen können. Die Pflegekraft begleitet dann die Kinder zum Kindergarten oder zur Schule, kauft ein, reinigt das Haus, versorgt die Wäsche und kocht das Mittagessen. Auch die Betreuung der Kinder bei den Schulaufgaben, am Nachmittag oder beim Arztbesuch gehört dazu.

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"Ich weiß nicht, wie ich die Zeit im Krankenhaus überstanden hätte, wenn ich mir nicht sicher gewesen wäre, dass meine Kinder bei der Familienpflegerin in guten Händen sind." Solche Aussagen von Eltern sind immer wieder zu hören und bestärken die Familienpflege in ihrem Motto "Hand in Hand".

Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 21 350 Stunden in den Familien geleistet. In der Regel finden die Einsätze statt, wenn eine Mutter mit Kindern unter 14 Jahren im Krankenhaus, zu Reha-Maßnahmen oder in Kur ist. Hilfe erfahren Familien auch, wenn ein Kind in der Familie erwartet wird, vor allem bei einer Risiko-Liegeschwangerschaft, nach Geburt eines Kindes oder nach Mehrlingsgeburten. Psychische Erkrankungen oder die Betreuung von Kindern mit Behinderungen können ebenfalls Gründe für Hilfe durch eine Familienpflegerin sein. Vor allem bei Alleinerziehenden kann schon einmal ein 24-Stunden-Einsatz mit Übernachtung nötig werden. Angeboten wird außerdem eine Fachberatung für Mütterkuren und Mutter-Kind-Kuren.

Dass Familien in Notsituationen Hilfe erfahren, ist gesetzlich geregelt. Die Kosten für solche familienunterstützenden Maßnahmen tragen die Krankenkasse, Rententräger oder die Beihilfe. Freilich macht sich zunehmend der Spardruck im Gesundheitswesen bemerkbar. Auch das Jugendamt springt ein, wenn eine Familie überfordert ist und Hilfe, Anleitung und Training in der Alltagsbewältigung mit Kindern braucht oder ein Schicksalsschlag die Familie getroffen hat, etwa der Tod eines Elternteils. Die Finanzierung ist in manchen Fällen allerdings nicht ganz einfach. Dann unterstützt und berät die Einsatzleiterin die Familien, damit sie zu ihrem Recht kommen. Spenden erlauben es, dort zu helfen, wo niemand sonst die Kosten übernimmt.

Das Team der Familienpflege besteht aus 14 hauptberuflichen, festangestellten Mitarbeiterinnen. Diese haben eine dreijährige Ausbildung mit pädagogischer, hauswirtschaftlicher und sozialpflegerischer Qualifikation absolviert. Die Einrichtung bildet auch selbst aus und bot in den letzten Jahren rund 20 Anerkennungspraktikantinnen einen Ausbildungsplatz. Anleitung und Weiterbildung, Planung der Einsätze und Geschäftsführung liegen in den Händen der langjährigen Leiterin Silve Wolf. Diese wird Ende des Monats in Ruhestand gehen und die Leitung ihrer bisherigen Stellvertreterin Bettina Betzner übergeben. Dann steht auch schon der Umzug der Einrichtung von ihren bisherigen Räumen in der Schaafstraße 22 in Nürtingen einige Ecken weiter ins Haus, wo die Familienpflege mit anderen Diensten des Dekanats unter ein gemeinsames Dach zieht.

"Es ist uns ein wichtiges Anliegen, die Hilfen der Kirche für die Familien zu stärken und auch unter dem Druck sinkender Finanzmittel zu erhalten", erklärt Dekan Paul Hildebrand. Er sieht in der Familienpflege einen echten karitativen Dienst der Kirche, dem es nicht nur um Versorgung, sondern um liebevolle Zuwendung gehe.

Die Katholische Familienpflege des Dekanates Esslingen-Nürtingen ist zu erreichen unter der Telefonnummer 0 70 22/3 85 15 oder der E-Mail-Adresse Familienpflege.NT@t-online.de.

pm