Lokales

Fans warten begierig auf diese Tage

NÜRTINGEN Die ersten Nachfragen der Jazzfreunde kamen schon, da stand noch nicht einmal der Termin fest. Und die ersten

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ANDREAS WARAUSCH

Gutscheine waren schon verschenkt worden, da stand noch nicht einmal das Programm. Die Macher der Nürtinger Jazztage genießen eben Vertrauen und vergessen haben die Jazzfans das Festival trotz des Zwei-Jahres-Rhythmus nicht.

Ein Blick auf den Reigen der Musiker, die die Hölderlinstadt zwischen dem 2. und 6. März bei der elften Auflage der Nürtinger Jazztage beehren, zeigt: Kulturreferentin Susanne Ackermann und ihr Team rechtfertigen das Vertrauen, das man in sie setzt.

Ein "Höhepunkt im Kulturleben" der Stadt sind die Jazztage, urteilt Nürtingens Bürgermeister Rolf Siebert. "Trotz aller Schwierigkeiten im finanziellen Bereich haben wir uns dazu aufgerafft, das Festival aufrechtzuerhalten", sagt er. Gut fürs Stadtmarketing sei das, da viele Gäste auch von auswärts kommen. Und außerdem: Schnell sei etwas abgeschafft, und lange brauche es, bis man es wieder aufgebaut habe. Da kommt dann auch das Bekenntnis des Ersten Beigeordneten nicht mehr überraschend: "Die Verwaltung wird die Jazztage nicht zur Disposition stellen."

Einen besonderen Touch bekommen die Nürtinger Jazztage durch die Zusammenarbeit des städtischen Kulturamts mit freien Kulturträgern. Mit im Boot sind das Theater im Schlosskeller und der Kulturverein Provisorium. Zudem hebt der Bürgermeister hervor, dass neben international arrivierten Künstlern wie Rebekka Bakken oder Richie Beirach auch Lokalmatadoren wie die Bigband des Hölderlin-Gymnasiums im Programm Platz haben.

Für Kulturreferentin Susanne Ackermann hingegen sind die diesjährigen Jazztage etwas Besonderes, weil das Raumangebot erweitert wurde und sich im Herzen Nürtingens ein kleines Zentrum bildet. Die renovierte Stadthalle steht wieder als Veranstaltungsort zur Verfügung und bietet den Rahmen für ein großes Konzert.

Gleich zum Auftakt am Mittwoch, 2. März, wird deshalb Rebekka Bakken ihre Visitenkarte in der Stadthalle K3N abgeben. Susanne Ackermann freut sich besonders, dass die norwegische Sängerin und Songwriterin ihre Tournee in Nürtingen starten wird. Sie wird zusammen mit ihrer rein skandinavischen Band ihr neues Album vorstellen, das kurz davor erscheint. Schon ihr erstes Soloalbum "The art how to fall" war 2003 von der Kritik mit Lob überhäuft worden.

Bakken durchmaß in nur zehn Jahren den Raum der musikalischen Entwicklung von Rhythm 'n' Blues, Funk, Rock und Pop hin zum Jazz. Kritiker schwärmen nicht nur von ihrem gewaltigen Stimmumfang, sondern auch von ihrer sinnlichen Ausstrahlung.

Eine Frau steht auch am zweiten Abend der Jazztage im Mittelpunkt. Am Donnerstag, 3. März, will Lygia Campos im Theater im Schlosskeller brasilianische Lebensfreude und Leichtigkeit vermitteln. Sie absolvierte in Rio de Janeiro eine klassische Ausbildung für Gesang und Klavier. Für die Jazztage wird sie brasilianischen Jazz teils mit arabischen Rhythmen, teils mit afrikanischem Einfluss und mit Pop-Rhythmen mischen. Lygia Campos singt in ihrer Muttersprache, aber auch auf Deutsch, Französisch und Englisch.

Gleich zwei Veranstaltungen stehen am Freitag, 4. März, auf dem Programm. Zunächst gibt es um 20 Uhr gibt es in der Kreuzkirche ein Wiedersehen mit alten Bekannten: Regina Büchner und Karl Farrent präsentieren mit ihrem Sextett "The Farrent/Büchner Jazz-It!" melodische Kompositionen, die neben Jazzerfahrungen des vorigen Jahrhunderts auch ganz neue Einflüsse verraten.

Danach sind um 22.30 Uhr im Zentralsaal bei einer Veranstaltung des Kulturvereins Provisorium ganz neue Töne zu hören. Die fünf Stuttgarter Musiker von "Schnute" überzeugen mit ihrer Interpretation des Nu-Jazz-Begriffs die Kenner in der ganzen Republik. Sie gelten als Garanten richtungsweisender Clubmusik.

Der Samstag hat noch einmal einen Höhepunkt parat. In der Kreuzkirche werden Richie Beirach am Klavier, Gregor Hübner mit der Geige und George Mraz am Bass zu erleben sein. Die drei Ausnahmemusiker werden in ihrem Programm "Round about Monteverdi" mit unerschöpflicher Kreativität und Virtuosität auf faszinierende Art und Weise klassische Musik in den Jazz umsetzen.

Der New Yorker Jazzpianist Beirach arbeitete mit den Größen der internationalen Jazzszene und schrieb mit seinen Kompositionen Jazzgeschichte. In seinem neuen Programm verarbeitet das Trio Musik aus dem Frühbarock. Susanne Ackermann: "Es ist ein poetisches, wunderbares Programm, mit dem sie schon viele Lorbeeren eingefahren haben."

Den Abschluss bildet am Sonntag, 6. März, um 17 Uhr in der Nürtinger Stadthalle K3N eine Big-Band-Session. Mit dabei sind die Uni-Big-Band Tübingen, die Five o'clock Big Band der Musikschule Stuttgart und die Big Band des Hölderlin-Gymnasiums.

Gerade angesichts des immer enger werdenden finanziellen Rahmens habe ihr Team schwer über dem Programm der Jazztage gebrütet, bekennt Nürtingens Kulturreferentin Susanne Ackermann. Doch der Ehrgeiz, attraktive Veranstaltungen anzubieten, sei erneut sehr groß gewesen. Die Anstrengung scheint sich gelohnt zu haben, bestätigen muss das aber noch das Publikum.

InfoKarten für die Nürtinger Jazztage gibt es vom heutigen Samstag, 15. Januar, an im Stadtbüro der Nürtinger Zeitung, Am Obertor 15. Telefonische Bestelungen sind unter der Nummer 0 70 22/94 64-1 50 möglich.