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Fantasievollen Bundestagswahlkampf angekündigtZur Person

Die Grünen-Kandidaten im Kreis Esslingen, Matthias Gastel und Jürgen Menzel, stellen Programm vor

Fantasievollen Bundestagswahlkampf angekündigtZur Person
Fantasievollen Bundestagswahlkampf angekündigtZur Person

Verkehrs- und Arbeitsmarktpolitik, Haushalt und Finanzen – das sind die Themen, die der Kandidat von Bündnis 90/Die Grünen im Wahlkreis Nürtingen, Matthias Gastel, schwerpunktmäßig im Bundestag vertreten möchte. In einer Pressekonferenz in Wendlingen läutete der Kreisverband am gestrigen ­Freitag den Wahlkampf ein.

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Wendlingen. Matthias Gastel hat ein ehrgeiziges Programm bis zur Bundestagswahl am 22. September vorgestellt: In den verbleibenden 100 Tagen drängen sich in seinem Kalender bereits 130 Termine. Neben Podiumsdiskussionen, Infoständen, der Teilnahme an Festen und einer Veranstaltung mit Ministerpräsident Winfried Kretschmann am 6. September in Kirchheim, hat sich der 42-Jährige Radtouren und mehrtägige Wanderungen, beispielsweise am Albtrauf, vorgenommen. „Dort möchte ich die Landschaft kennenlernen und Sachgebiete wie Naturschutz, Energiewende, Vogelschutz und ökologischen Landbau aufgreifen“, kündigte der Filderstäd­ter an. „Wir starten mit Schwung und machen einen fantasievollen Wahlkampf“, unterstrich Uwe Janssen, Vorstand im Kreisverband Esslingen. Dabei sollen dank des Mitgliederzuwachses auch neue Köpfe helfen.

Nachdem der Wahlkreis Nürtingen seit der Wahl 2009 von keinem Grünen-Abgeordneten mehr in Berlin vertreten wird, rechnet sich Matthias Gastel mit Platz zehn auf der Landesliste Chancen aus, als Nachfolger von Uschi Eid in den Bundestag einzuziehen. Derzeit stellen die baden-württembergischen Grünen elf Abgeordnete in der Fraktion. Vor vier Jahren erreichte die Ökopartei im Land 13,9 Prozent. Jüngste Umfragen sähen die Grünen bei 19 Prozent. Eine Größenordnung, die auch den Grünen-Kandidaten des Wahlkreises Esslingen, Jürgen Menzel, mit Listenplatz 20 auf ein Bundestagsmandat hoffen lässt.

In einem Mitgliederentscheid hatten die Grünen laut Janssen festgelegt, welche Projekte im Falle einer Regierungsbeteiligung Priorität genießen. – „Themen, bei denen sich Menzel und Gastel wohlfühlen“, so der Vorstand. Dazu gehören die Energiewende, das Ende der Massentierhaltung und die Einführung eines Mindestlohns von 8,50 Euro. „Eine Kommission aus Vertretern von Arbeitnehmern und Arbeitgebern sollte für die Festlegung und die Anpassung verantwortlich sein“, so Gastel. Unterstützt werden müssten seiner Ansicht nach darüber hinaus Menschen, die den Sprung in die Selbstständigkeit wagten.

Verkehrspolitik ist abgesehen von der Arbeitsmarktpolitik ein weiterer Komplex, um den sich Gastel als Bundestagsabgeordneter intensiv kümmern will. Ein Anliegen ist ihm die Verringerung des Kohlendioxyd-Ausstoßes. Zudem sei es notwendig, die Infrastruktur instand zu setzen. Der Grüne sprach sich für eine Finanzierung vonseiten der Nutzer beispielsweise durch eine Maut aus. Um Stadt- und S-Bahnen ausbauen zu können, müsse sich der Bund an den Kosten für den Schienenverkehr beteiligen.

Die Steuerbeschlüsse der Partei seien indes kein politisches Ziel, sondern Mittel, um Aufgaben wie Bildung oder den Ausbau der Kleinkindbetreuung für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf finanzieren zu können. „Außerdem benötigen wir das Geld für den Schuldenabbau“, betonte Gastel. „Dass es selbst in Zeiten guter Konjunktur nicht gelungen ist, die Schulden zu verringern, zeigt, dass der Staat unterfinanziert ist.“

Im Wahlkreis Esslingen schicken die Grünen den 49-jährigen Jürgen Menzel ins Rennen. Der Esslinger Stadt- und Kreisrat möchte insbesondere Schwerpunkte in der Energiepolitik setzen. „Ein Umbau der Netze findet nicht statt“, warf er gestern der Bundesregierung vor. „So kann die Energiewende nicht funk­tionieren.“

Ziel beider Kandidaten ist eine rot-grüne Mehrheit im Bundestag in der kommenden Legislaturperiode. Gastel gab sich selbstbewusst: „Die SPD sollte mindestens 30 Prozent haben, dann kann es gelingen.“

 

Matthias Gastel, 42, wohnt in Filderstadt. Er hat Ausbildungen zum Groß- und Außenhandelskaufmann sowie zum Altenpflegehelfer absolviert, ist Diplom-Sozialpädagoge (FH) und Diplom-Kaufmann (FH). Zehn Jahre war er in der Jugendhilfe tätig und ist seit 2006 selbstständig. Derzeit arbeitet er als Wirtschaftsmediator. Seit 1994 ist der Fraktionsvorsitzende Stadtrat in Filderstadt und seit 1999 Mitglied im Kreistag. Bei der Landtagswahl 2011 war Matthias Gastel Zweitkandidat von Winfried Kretschmann. Um Erfahrungen aus der Praxis zu bekommen, hospitiert er derzeit in sozialen Einrichtungen wie Kindergärten, Krankenhäusern und Pflegeheimen.