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"Farbformale Juwelen"

ESSLINGEN Arbeiten von Thomas Lenk sind noch bis Freitag, 16. November, im Fritz-Ruoff-Saal der Kreissparkasse Nürtingen zu sehen.

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Thomas Lenk zählt zur europäischen Avantgarde der 60er-Jahre. Mit seinen weltberühmten "Schichtungen" eroberte sich der 1933 in Berlin geborene Bildhauer und Grafiker einen sicheren Platz in der ersten Reihe des zeitgenössischen deutschen und internationalen Kunstgeschehens. Seit 1964 hat er im Bereich der Skulptur und Grafik ein Werk geschaffen, das intellektuell und spirituell die Thematik der geometrisch definierten Form mit der Frage des Verhältnisses zu Fläche und Raum, zu Illusion und Wirklichkeit verknüpft.

Mit einer Auswahl grafischer Arbeiten der letzten 25 Jahre wurden im Beisein des Künstlers die Kunsttage des Nürtinger Werberings eröffnet. Die künstlerische Idee zu den geschichteten Arbeiten, die eine selbstbewusste Position neben amerikanischen Kollegen wie Frank Stella, Donald Judd und William Turnbull einnehmen, entstand in der Kneipe, erläuterte Kunstexperte Professor Günther Wirth in seiner Einführung.

Die ausgewählten 34 Unikate in Nürtingen machen die wiederholende Reihung auch in Thomas Lenks Grafik deutlich. Vielfach wird die Form, wie in den sechs aus Karton geklebten "Modellen zu Onyx" aus dem Jahr 1990, variiert. Allerdings zeigt dieses Beispiel laut Wirth auch, dass es im grafischen Werk des Künstlers, der auf Schloss Tierberg bei Schwäbisch Hall lebt, "keine Alleinherrschaft des Bierdeckelprinzips gibt, sondern immer neue Formideen hinzukommen".

Klare Linienführung und rhythmische Strichlagen führen zur Verdichtung der Fläche und einer nahezu räumlichen Wahrnehmung in den acht Blättern "Zu Agda", die ein Jahr später entstanden. Diese zarten und sich dennoch tief ins Papier einritzenden Bleistiftzeichnungen auf irritierender Leuchtfarbe bezeichnet Wirth als "farbformale Juwelen". Sie geben Einblick in die Zartheit und Härte des bildenden Denkens des Künstlers.

Die Mittel, die Thomas Lenk einsetzt, sind pur und minimalistisch: Quadrat, Rechteck, Welle und immer wieder der Kreis als "Metapher des Lebens". Die Papiercollage "Schießscheibe" aus dem Jahr 2006, die auch für das aktuelle Ausstellungsplakat ausgewählt wurde, ist ein Beispiel dafür, dass Lenk, der sich selbst als Autodidakt bezeichnet, im Kreis kein mystisches Gebilde sieht, sondern vielmehr eine "nichtssagende Form, die die Fülle des Lebens in sich birgt".

Die Ausstellung mit Arbeiten von Thomas Lenk ist montags, dienstags und donnerstags von 9 bis 18 Uhr sowie mittwochs und freitags von 9 bis 17 Uhr zu sehen.

pm