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Faszinierende Einblicke in die Welt des Mikrokosmos

Im Naturschutzzentrum Schopflocher Alb wurde am Freitag die erste Ausstellung der Saison eröffnet. Anlässlich des zehnten Geburtstags des Naturschutzzentrums kann Geschäftsführer Dr. Wolfgang Wohnhas Außergewöhnliches und Hochkarätiges zugleich offerieren. "microscapes" heißt der Titel der Fotoausstellung, die faszinierende Einblicke in die Welt des Mikrokosmos gibt.

RENATE SCHATTEL

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LENNINGEN Die beiden Wissenschaftsfotografen Nicole Ottawa und Oliver Meckes haben kleine, fast unbedeutende Erscheinungen der Natur, wie Moose und Flechten, Pilze und Insekten, in bis zu 6000-facher Vergrößerung dargestellt. Taubenblau schimmert der Fruchtkörper eines Schleimpilzes. Wie aus einer anderen Welt erscheint er, seine Struktur wellt sich wie ein Mondkrater archaisch.

Rasterartig liegen die Schuppen eines Schmetterlings da und zeigen den filigranen Aufbau der Längsrippen, die metallisch schillern. In 5900-facher Vergrößerung kann der Betrachter die feinen Verzweigungen der Haare auf dem Blütenblatt der römischen Kamille verfolgen. Der Kopf einer Schmeißfliegenlarve schaut wie ein skurriles Nilpferd und doch so fremd aus. Die mit dem Rasterelektronenmikroskop erfassten Objekte ergeben durch ungewöhnliche Perspektive ihre verborgene Schönheit preis. Die Fotografen Nicole Ottawa und Oliver Meckes haben nie zuvor Gesehenes ans Licht der Öffentlichkeit geholt und damit auch dem Betrachter der Ausstellung im Naturschutzzentrum Schopflocher Alb vor Augen geführt.

In seiner Werkeinführung zur Ausstellungseröffnung zeigte Christoph Dohse, Grafiker aus Reutlingen, welch immenser Aufwand, welche Sorgfalt und welch künstlerisches Geschick die beiden Fotografen aufwenden, um Kunstwerke dieser Art darzustellen. Zunächst präpariert Oliver Meckes die Vorlagen in aufwändigen Verfahren und überzieht sie anschließend mit Goldstaub. Dann, so Dohse, können die Elektronenstrahlen des Rasterelektronenmikroskops die hauchdünne Goldschicht abtasten und mehrere Ebenen als monochrome Vorlagen aufnehmen.

Große Sorgfalt legen Nicole Ottawa und Oliver Meckes auf das Arrangement, die Zusammenstellung und die Komposition der Bildobjekte. "Nichts bleibt dem Zufall überlassen, jedes Detail hat seine Wichtigkeit", erklärte Christoph Dohse. Die Biologin und Fotografin Nicole Ottawa bearbeitet die mikroskopischen Aufnahmen dann am Computer. Die wichtigste und heikelste Aufgabe stellt sich hier mit der Einfärbung der Objekte möglichst in der Originalfarbe. "Jedes Haar muss auf dem PC einzeln ausgeschnitten und eingefärbt werden", macht Nicole Ottawa den Aufwand klar, der hinter dem fertigen Produkt steht. Dass die Akribie und die künstlerische Sorgfalt außergewöhnlich sind, zeigen Auszeichnungen, die das Fotografenehepaar entgegennehmen durfte. Unter dem Namen "eye of Science" zählen die in Reutlingen ansässigen Spezialisten zu den weltweit besten Wissenschaftsfotografen. 2002 wurden sie in Stockholm mit dem Lennard-Nilsson-Preis ausgezeichnet, ihr Foto einer Filzlaus auf gespaltenem Haar wurde zum "world press foto".

"Sie sehen sich als Mittler zwischen Laien und Wissenschaft", sagte Grafiker Dohse, "mit ihrer Kunst betreten sie Neuland in eine andere Welt der Natur, ihre Objekte strahlen eine Fremdheit aus und doch gibt es das alles wirklich."

Geschäftsführer Dr. Wolfgang Wohnhas freute sich, dass er die Arbeiten der Wissenschaftsfotografen im Naturschutzzentrum Schopflocher Alb zum ersten Mal im Landkreis Esslingen einem breiten Publikum präsentieren kann. Zugleich wies er auf das umfangreiche Jahresprogramm zum zehnjährigen Bestehen des Naturschutzzentrums hin. Neben einer Ausstellung über den Juramarmor-Steinbruch und den Klimawandel auf der Alb lud er zum "Jubiläums"fest ein.

Die Ausstellung "microscapes faszinierende Einblicke in die Welt des Mikrokosmos" ist bis zum 24. April zu sehen. Das Veranstaltungsprogramm liegt im Naturschutzzentrum, in allen Rathäusern und Landratsämtern aus und kann auch per Post angefordert werden.