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Fehlende Finanzen sind Chance

"Wir alle sind Landeskirche", meinte die Landessynodale Sibylle Lehmann im Blick auf zahlreiche Evangelische, die ihren Bericht von der Landessynode verfolgten. Angesichts der sinkenden Finanzmittel der evangelischen Kirche, wusste sie von unpopulären Entscheidungen zu berichten.

EKKEHARD GRAF

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OWEN Von der Tagung der Landessynode in der letzten Woche berichtete Sibylle Lehmann im Anschluss an den Owener Adventsgottesdienst. Nach den Berichterstattungen in Fernsehen und Presse griff die Synodale das Thema vom Verkauf traditionsreicher kirchlicher Häuser als erstes auf. Trotz der teils langen Tradition der kirchlichen Häuser, meine der Gesprächskreis "Lebendige Gemeinde", dass es wichtiger sei, vorzugsweise die Gemeinden vor Ort zu stärken. Auch wenn das Tagungshaus beim Kloster Denkendorf und die Fortbildungsstätte in Stuttgart-Birkach verkauft werden, soll die darin geschehene Arbeit fortgesetzt werden. So solle die Bildungsarbeit der Landeskirche voraussichtlich am Standort Bad Boll konzentriert werden. Das würde ihrer Ansicht nach der einseitigen Ausrichtung der dort angesiedelten Evangelischen Akademie gut tun.

Weil die Kirchensteuern dramatisch zurückgehen, müssen nach Plänen der Kirchenleitung auch die Gehälter reduziert werden. Das bisher reduzierte Weihnachtsgeld der Pfarrer soll ab 2008 ganz gestrichen werden. Dem werden die Synodalen der "Lebendigen Gemeinde" aber nur dann zustimmen, wenn zugleich auch bei den kirchlichen Angestellten die Bezüge reduziert werden. Bisher werde dem von der Arbeitsrechtlichen Kommission, die ähnlich einer Gewerkschaft die Interessen der Angestellten vertritt, Widerstand entgegengebracht. Im schlimmsten Fall bedeute der Widerstand, dass es auch im kirchlichen Bereich zu Entlassungen kommen müsse, meinte Sibylle Lehmann und gab der Hoffnung auf Einsicht bei den Angestellten Ausdruck.

Trotz dieser Sparmaßnahmen müssten auch die Finanzzuweisungen an die Gemeinden in den nächsten drei Jahren um fünf Prozent verringert werden. Ob diese Maßnahmen allerdings ausreichen, bezweifelte die Rednerin angesichts von 22 Millionen Euro, die durch Kirchensteuerausfälle fehlen. Aber sie sah diese Veränderungen nicht pessimistisch: "Es ist keine Katastrophe, dass auch wir als Kirche uns Gedanken machen müssen, was wir noch tun können und was nicht mehr." Es sei eine Chance, um sich noch mehr auf den eigentlichen Auftrag der Kirche zu besinnen.

Es gehe darum, dass Menschen zum Glauben an Jesus Christus finden und im Glauben gestärkt werden. Zudem solle die Liebe Gottes in der Welt sichtbar gemacht werden. So wünschte sich Sibylle Lehmann eine noch mehr an der Bibel profilierte Diakonie. Insgesamt aber habe sie, angesichts vieler motivierter Mitarbeiter in der Kirche, viel Hoffnung im Blick auf die Zukunft. Letztlich vertraut sie auf den Herrn der Kirche und meinte: "Was von Gott ist, das wird er auch erhalten."

In der Aussprache machten einige Zuhörer Mut, die Veränderungen mutig anzugehen und sich hierbei vom Auftrag der Bibel leiten zu lassen. Auch der Blick auf Kirchen in weit ärmeren Ländern könne die Württemberger wieder ermutigen.