Lokales

Feiern und Verweilen im Vogthausviertel

Zeit ist Geld, deswegen pressiert's im Vogthausviertel. Bis zum 31. Dezember 2007 müssen die Sanierungsarbeiten abgeschlossen sein, sonst gibt's Ärger mit den Zuschüssen. Eine ganze Reihe von Planungen hat der Technische Ausschuss nun in seiner jüngsten Sitzung abgesegnet. Ungeklärt blieb die Frage nach einer geeigneten Fläche für einen Spielplatz.

IRENE STRIFLER

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KIRCHHEIM Insgesamt 890 000 Euro werden für Baumaßnahmen auf öffentlichen Straßen, rund ums Vogthaus und am Rollschuhplatz verplant. Mittel, die schon mal im Haushalt eingestellt sind, der kommende Woche dem Gemeinderat vorgelegt wird. Wie Planungsamtsleiter Dr. Oediger berichtete, geht die Stadt von Zuschüssen in Höhe von 60 Prozent aus.

Martin Zimmert, Geschäftskreisleiter für Hoch- und Tiefbau, beschrieb zunächst die Ausdehnung des Vogthausviertels im Herzen der Stadt. Es erstreckt sich von der Tiefgarage Schweinemarkt über die Bastion und den Rollschuhplatz bis zur Markstraße, wobei auch das Vogthausareal, die Stiftsscheuer samt Platz und die Widerholtstraße dazugehören. Bei den Straßenflächen nimmt die Planung das Prinzip der Kirchheimer Nebengassen auf: Ein bituminöser Belag in der Mitte wird begrenzt von Natursteinpflastern, abgeteilt durch die sogenannte "Kirchheimer Rinne", die beispielsweise auch in der Marstallgasse anzutreffen ist.

Der Platz vor der Stiftsscheuer, dem nicht zuletzt durch die dortige Gastronomie große Bedeutung zukommt, soll wie der Widerholtplatz in gebrauchtem Naturstein gestaltet werden. Diese Auswahl sei im Einvernehmen mit Behindertenverbänden erfolgt, betonte Zimmert. Ziel ist ferner, den Parksuchverkehr aus dem schmucken Viertel zu verbannen. Kurzzeitparkplätze sollen vor dem Alten Teckboten angeboten werden.

Landschaftsarchitekt Jochen Köber ging auf die Gestaltung der Plätze ein und schwärmte vom bislang weitgehend unbeachteten Vogthausgarten. Dort könnte das Kreuzwegmotiv des alten Stiftsgartens aufgenommen werden, indem das Areal nach vier Seiten geöffnet wird. Als grüne Oase in der Stadt soll der Vogthausgarten eine besondere Atmosphäre aufweisen und zum Verweilen einladen. Ungefähr am Platz der 1961 abgebrochenen Remise vor dem Vogthaus soll eine Überdachung für die Kutschen der neuzeitlichen Vogthausbesucher entstehen: Fahrräder und Kinderwägen. Außerdem lassen sich mit Hilfe der Überdachung auch Feste besser gestalten.

Für den Rollschuhplatz hat Köber den Abriss der Gefahren bergenden Naturbühne in Erwägung gezogen. Auf der Höhe über dem Areal könnte ein Spielplatz entstehen. Eine Idee, die schon vor einem Jahr nicht auf die ungeteilte Zustimmung der Stadträte stieß. So war es auch jetzt: Während die Straßenraumgestaltung und Parkkonzeption gelobt wurden, entzündete sich am Thema Spielplatz und am Vogthausgarten eine kontroverse Diskussion.

"Der Spielplatz wurde dort als ungeeignet empfunden", erinnerte Hagen Zweifel, Fraktionsführer der Freien Wähler, und ging auf die "mangelnde Sozialaufsicht" in diesem Winkel Kirchheims ein. Auch SPD-Fraktionsführer Walter Aeugle bestand auf einem anderen Ort.

"Für den Spielplatz sollten doch Alternativen gesucht werden", zeigte sich Sabine Bur am Orde-Käß von der Grünen Alternative enttäuscht und plädierte angesichts der Haushaltslage stattdessen für eine Reihe einzelner dezentraler Spielgeräte. Birgit Müller von der Frauenliste schlug vor, das Thema Spielplatz erst im Kontext mit der Sportentwicklungsplanung zu diskutieren. Diese ist Thema der heute beginnenden Kanzelwandtagung.

Die Aufwertung dieser Ecke der Innenstadt durch einen Spielplatz stellte dagegen CDU-Fraktionschef Helmut Kapp in Aussicht. Er erinnerte an die Grundidee, wonach diagonal gegenüber dem Schlossgrabenspielplatz ein zweites Spielareal erwünscht schien. Zimmert ergänzte, dass dem Spielplatz hinter der Bastion eine Auslichtung der Bepflanzung vorangehen werde, sodass dort eine Sozialkontrolle weitaus eher als heute möglich sei. "Wir wollen doch diese Ecke in der Kernstadt deutlich anziehender machen", erinnerte Bürgermeister Günter Riemer an ein wesentliches Ziel für den nordwestlichen Bereich des Vogthausviertels.

Ähnlich zwiespältig wie beim Thema Spielplatz zeigten sich die Räte beim Zaun um den Vogthausgarten. Er begrenzt heute das Areal und öffnet sich nur Richtung Vogthaus. Während der Planer die völlige Öffnung des Gartens für Passanten im Blick hat, fürchten Kritiker um die Sicherheit der Kleinkinder. "Die Umzäunung ist ein Schutz für diese Fläche und für die spielenden Kinder", gab Hagen Zweifel zu bedenken. Einen Sinn für die Nutzer entdeckte auch Sabine Bur am Orde-Käß, die zumindest die Zahl der Zugänge beschränkt wissen wollte. "Da gibt's durchaus Lösungen", zeigte sich Jochen Köber flexibel. Beispielweise könnte eine Hecke Tore aufweisen.

Die Abstimmung stellte die Weichen für ein zügiges Fortschreiten der Sanierung: Einstimmig segneten die Räte zunächst die Gestaltung der öffentlichen Straßenflächen ab und gaben die Ausschreibung frei in Abhängigkeit von der Genehmigung der im Haushaltsplan 2007 verfügbaren Mittel. Keine Mehrheit fand der von Hagen Zweifel formulierte Antrag, den Zaun um das Vogthausviertel zu erhalten beziehungsweise zu erneuern. Der Planung des Vogthausgartens und - hofes wurde mehrheitlich zugestimmt. Eine Abfuhr erhielt der Spielplatzstandort hinter der Bastion, wogegen die bescheidenen Maßnahmen am Rollschuhplatz gemäß dem Motto "Reparatur vor Neubau" auf Gegenliebe stießen.