Lokales

"Feindliche Übernahme"der Disco-Türsteher

Drei ehemalige Türsteher einer Frickenhausener Diskothek sollen den dortigen Lokalinhaber und einen Disko-Chef in Bernhausen um Geld erpresst und schwer misshandelt haben. Das Trio im Alter zwischen 30 und 32 Jahren sitzt jetzt auf der Anklagebank.

BERND S. WINCKLER

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FRICKENHAUSEN Die drei sitzen wegen schwerer räuberischer Erpressung, gefährlicher Körperverletzung, Nötigung, Freiheitsberaubung und Rauschgift-Erwerb auf der Anklagebank der 7. Großen Strafkammer des Stuttgarter Landgerichts. Zwei fühlen sich unschuldig, einer schweigt. Alle drei Männer, zwei Bosnier und ein Kroate, wurden zum Prozessauftakt am Samstag in Handschellen in den größten Verhandlungssaal des Stuttgarter Landgerichts geführt. Einer war auch an den Füßen gefesselt. Das Gericht hatte Sicherheitsstufe Nummer eins angeordnet. Schließlich wurde bekannt, dass zumindest einer der drei Ex-Türsteher auspacken will, was offensichtlich seinen Kollegen nicht passt und die Justiz daher Angriffe gegen den Mann befürchtet.

Alle Zuhörer wurden nach Waffen und verbotenen Gegenständen durchsucht, ehe sie den Gerichtssaal betreten durften. Proteste der Verteidiger gegen diese Maßnahme brachten nichts. "Anordnung ist Anordnung" sagte ein Gerichtssprecher.

Die Vorwürfe gegen das Trio sind gewaltig: Sie sollen zur Eröffnung der Diskothek "Skylab" in Frickenhausen im Juli 2004 zunächst eine Anstellung als Türsteher bekommen haben. Dann aber soll das Trio aufmüpfig geworden sein, habe selbst konsummierte Speisen und Getränke nicht mehr bezahlt. Daraufhin habe der Disko-Inhaber die drei entlassen, heißt es in der Anklage. Dann stellte er andere Türsteher ein.

Damit jedoch sollen die Beschuldigten überhaupt nicht einverstanden gewesen sein. Man sei am Tag nach der fristlosen Kündigung zum Inhaber gefahren und habe diesen Mann zunächst bedroht und zur Rede gestellt. Bei der Bedrohung soll eine Pistole im Spiel gewesen sein, die man dem Mann an den Kopf gehalten habe, um ein Ablösegeld in Höhe von 300 Euro zu kassieren.

Doch bei der Drohung soll es nicht geblieben sein. Der Staatsanwalt geht davon aus, dass nach der Anzeige des Opfers die Angeklagten auch kräftig zugeschlagen hatten, als sie ihn in der Frickenhausener Diskothek besuchten: Fausthiebe in das Gesicht, Ohrfeigen und einen Schlag an die Brust, sodass der Mann umfiel und mit dem Kopf gegen den Boden schlug. Danach soll es Fußtritte gegen den Wehrlosen gesetzt haben. Um weiteren Misshandlungen zu entgehen, habe er schließlich die geforderten 300 Euro bezahlt und die Türsteher wieder eingestellt.

Telefonisch soll er dann noch mit weiteren Drohungen hinterher noch dazu aufgefordert worden sein, wegen der Sache nicht zur Polizei zu gehen. Anklagepunkt Nummer zwei betrifft einen Vorgang vom Sommer 2004 in einer Stuttgarter Diskothek: Zuerst habe man dort Gäste provoziert, um die dortige Türsteher-Gruppe an der Weiterbeschäftigung zu hindern und dafür die neuen Türsteher zu engagieren. Dabei, so die Anklage, sind ebenfalls Fäuste und Fußtritte eingesetzt worden. Diese "Feindliche Übernahme", wie es in Türsteher-Kreisen genannt wird, klappte jedoch nicht.

Dafür soll das Trio dann am 18. September 2004 einem Disko-Betreiber in Bernhausen eine Art "Abreibung" verpasst haben. Der Mann sei bis in die Toilette verfolgt worden. Dann habe einer der Täter sich vor die Türe gestellt, während andere dem Opfer Faustschläge und Tritte verpassten. Erst als Gäste aufmerksam wurden, sollen die Türsteher geflüchtet sein. Der Misshandelte erlitt einen Nasenbeinbruch und Nieren-Verletzungen.Fast nur noch als kleinstes Delikt rangiert der Vorwurf gegen den Hauptbeschuldigten, er habe 2003 eine kleinere Menge Rauschgift erworben. Der 32-Jährige schweigt jedoch zu allen Vorwürfen. Redseliger ist da der 30-jährige zweite Angeklagte, der die Sache mit Frickenhausen verharmlost und sich keiner Straftat bewusst ist: Man habe nur geredet, der Inhaber habe freiwillig 300 Euro bezahlt. Der dritte im Bunde fühlt sich ebenfalls unschuldig, soll aber dem Vernehmen nach im Laufe des Verfahrens noch genauere Details angeben.

Die Strafkammer hat Verhandlungstermine bis in den Oktober festgelegt. Nächster Prozesstag, an dem die ersten Zeugen geladen sind, ist der kommende Dienstag.