Lokales

"Feminisierung" im Klassenzimmer

99 neue Lehrerinnen und Lehrer treten am Montag ihren Dienst an den Grund-, Haupt-, Real-, und Sonderschulen im Landkreis Esslingen an. Dass große Erwartungen auf ihnen ruhen, wurde bei der Vereidigung in der Immanuel-Kant-Realschule in Leinfelden deutlich. Aus den Händen von Kultusstaatssekretär Georg Wacker und Landrat Heinz Eininger erhielten die Junglehrer ihre Ernennungsurkunden.

TOBIAS DORFER

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LEINF.-ECHTERDINGEN Der erste Tag im neuen Leben des Junglehrers Dominik Kesenheimer beginnt in einem grauen 60er-Jahre-Plattenbau in Leinfelden. Tageslicht dringt in allenfalls homöopathischen Dosen durch die kleinen Seitenfenster und die vergitterten Dachfenster der Immanuel-Kant-Realschule in Leinfelden. Draußen verteilt die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Infomaterial und die Rockband der Schule spielt "Have a nice day", einen Song des Rocksängers Jon Bon Jovi. Ab Montag wird Dominik Kesenheimer an der Friedrich-Schiller-Realschule in Neuhausen Kunst und Mathematik unterrichten und zudem noch weitere Fächer lehren, über die er in seinem Studium nichts gehört hat. Willkommen in der Realität.

Zusammen mit 98 weiteren Junglehrern und Junglehrerinnen erhält Dominik Kesenheimer von Kultusstaatssekretär Georg Wacker und Landrat Heinz Eininger seine Ernennungsurkunde. Wie seine neuen Kollegen hat er sich schick gemacht. An alphabetisch unterteilten Ständchen des Landratsamts müssen sich die Neulinge ihre Unterlagen abholen. Erst dann geht es raus ins Lehrerleben. Dass dies nicht einfach sein wird, klingt schon beim Festakt an.

In Schulen werde die "Saat für die Zukunft" gelegt, sagt Georg Wacker und zählt gleich auf, welche Art von Dünger notwendig ist, damit die Saat nicht verwelkt: Fachkenntnis, ein Herz für Kinder, Gerechtigkeit und Humor seien die wichtigsten Merkmale eines Lehrers. Natürlich soll der Pädagoge auch Werte vermitteln und spannend soll der Unterricht auch noch sein. Teamfähigkeit, Kooperation und Respekt vor den Schülern forderte Landrat Heinz Eininger von den Neuen ein. Der Lehrer von heute, so scheint es, ist eine eierlegende Wollmilchsau: Dienstleister in Sachen Bildung und Erziehung: Lernanimateur für Schüler, Entlastung bei der Erziehung für gestresste Eltern. Vor allem aber ist der Lehrer von heute nimmt man einmal die Gymnasien aus weiblich. Nur 13 der 99 Neu-Pädagogen sind Männer. Von einer "Feminisierung" des Lehrerberufs spricht Schulamtsdirektor Siegfried Röder und davon, dass es an vielen Grund-,Haupt- und Realschulen heute nur noch eine männliche Bezugsperson gäbe: den Hausmeister.

Große Aufgaben warten also auf die angehenden Pädagogen. Erste Tipps bekommen die Junglehrer von Juliane Väth, die seit zwei Jahren an der Realschule Oberesslingen tätig ist. Ihr Überlebenspaket beinhaltet neben dem Müsliriegel für das schnelle Frühstück unter anderem auch eine Wasserflasche, ein mobiles Büro im Kulturbeutel und eine Packung Merci-Schokolade, falls einmal ein Dankeschön an Schüler oder Kollegen notwendig sein sollte. Dominik Kesenheimer möchte tatsächlich an seinem ersten Schultag den einen oder anderen Gegenstand davon in die Schule mitnehmen. Los geht es für ihn am Montag um 8 Uhr mit Mathe in einer siebten Klasse. Lampenfieber vor der ersten Stunde hat er nicht. "Ich bin eher gespannt und freue mich", sagt der 26-Jährige. Dass Angst angesichts der großen Herausforderungen des Berufs nicht angebracht sei, unterstreicht Landrat Heinz Eininger, indem er Karl Valentin zitiert: "Früher war die Zukunft auch nicht besser als heute."