Lokales

Fernsehshow-Atmosphäre im Gotteshaus

Der Gottesdienstraum der Zionskirche wirkte wie ein Kinosaal. Vor dem Abendmahlstisch steht eine überdimensionale Leinwand, Kanzel und Orgel sind hinter Vorhängen versteckt. Der Grund dafür war die gestern zu Ende gegangene Veranstaltungsreihe "ProChrist", die von München per Satellit an insgesamt 1250 Orte in ganz Europa übertragen wurde unter anderem auch nach Kirchheim.

KIRCHHEIM Das Programm unter dem Gesamtthema "Zweifeln und Staunen" kam offensichtlich gut an, denn die Zionskirche war schon am Dienstagabend mit 130 Personen bis auf den letzten Platz besetzt, europaweit waren an diesem Abend rund 160 000 Menschen bei "ProChrist" dabei. Die ersten 20 Minuten wurden jeweils von den Veranstaltern vor Ort gestaltet.

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Nach zwei eindrücklichen Liedern des Sängers Andreas Volz trippelten in der Zionskirche drei Kinder aus der VfL Handball-Jugend mit ihren Bällen auf die Bühne. Standesgemäß gekleidet in gelbe Trikots erzählten sie dem Moderator, dass ihnen die Spiele besser gefallen als das Training, weil es da "um etwas geht", und Trainerin Anja Karschin ergänzte, dass die Kinder und Jugendlichen in diesem Sport auch viel für ihr sonstiges Leben lernen, zum Beispiel, dass man als Mannschaft zusammenspielen oder auch mal eine Niederlage einstecken muss.

Am Tag davor war an dieser Stelle Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker Interviewgast. Sie sprach unter anderem davon, dass sie von Kirchen erwartet, dass sie sich in die Politik einmischen und ihre Werte bei den Politikern auch im kommunalen Bereich immer wieder einfordern.

Pünktlich startete dann die Liveschaltung zur Veranstaltung in die Münchner Olympiahalle. In der ersten halben Stunde wurde von dort ein Programm geboten, das mit einer gut gemachten Fernsehshow durchaus mithalten kann. Moderne Songs im Gospel- und Pop-Stil und Interviews mit außergewöhnlichen Personen wechselten sich ab. Dazwischen gab es Videoeinspielungen und kurze Theaterszenen.

Als ersten Gast begrüßte der Moderator die Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen, die von Berlin zugeschaltet war und deutlich machte, dass sie diese Aktion sehr unterstützt und in ihrer Familie das Gebet eine wichtige Rolle spielt.

Zum Thema des Abends "Hauptsache gesund wer stillt unsere Sehnsucht nach Heilung", trat danach der behinderte Sozialpädagoge Bernd Hock auf die Bühne. Mit Humor und Überzeugung erzählte er dem Moderator, wie er damit umgeht, keine Arme zu haben und dass seine Behinderung manchmal sogar ein Vorteil war, zum Beispiel wenn es die Beziehung zu anderen Menschen ging. Bernd Hock wörtlich: "Manche Freundschaften haben bei mir mit dem Satz angefangen: Kannst du mir vielleicht die Socken anziehen?"

Anschließend betrat Pfarrer Ulrich Parzany das Rednerpult. In seiner 40-minütigen Predigt nahm er einige Gedanken aus dem Vorprogramm auf, indem er deutlich machte, dass der Wunsch "Hauptsache gesund" oft nur die Oberfläche trifft und nicht das Wesentliche, das unser Leben ausmacht. Pfarrer Parzany traf das Publikum inhaltlich. Bilderstark wie immer sprach er von der Sehnsucht nach dem Ganzsein in einer Zeit, in der man gewohnt ist, das Unangenehme auszublenden und immer alles Schöne in bester Qualität zur Verfügung zu haben.

"Jesus Christus berührt unseren Wunsch nach Heilung", sagte er, "die Wurzel unserer Not ist die Trennung von Gott. In seiner Predigt ging Ulrich Parzany auch darauf ein, dass in Afghanistan der Christ Abdul Rahmann wegen seines Bekenntnisses zum Tode verurteilt werden soll. Pfarrer Parzany erinnerte an Artikel 5 des Grundgesetzes, in der die Religionsfreiheit als hohes Gut garantiert ist: "Auch wenn ich für das Evangelium von Jesus Christus eintrete, bin ich dafür, dass auch Andersglaubende ihr Recht auf freie Meinungsäußerung garantiert haben."

Nachdem die Veranstaltung aus München zu Ende war, trat in Kirchheim der Moderator noch einmal ans Mikrofon und lud die Besucher ein, noch das im Gemeindesaal aufgebaute Bistro zu besuchen. Dort werden jeden Abend nach der Veranstaltung Getränke und Snacks in gemütlicher Atmosphäre angeboten. "ProChrist" in Kirchheim wird gemeinsam verantwortet vom CVJM, dem Altpietistischen Gemeinschaftsverband und der Evangelisch-methodistischen Kirche. Die Veranstaltungsreihe endete am gestrigen Sonntagabend.

vs