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Feuchte Stellen setzen Gotteshaus heftig zu

Die Jakobskirche im Stadtteil Bodelshofen ist sanierungsbedürftig. Die hölzerne Wandverkleidung ist vom Pilz befallen, der Holzwurm nagt an den Bänken und das schlimmste, Feuchtigkeit hat den Mauern zugesetzt. Rasch muss jetzt gehandelt werden, soll nicht auch die wertvolle Seccomalerei unter den feuchten Wänden leiden.

GABY KIEDAISCH

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WENDLINGEN Ein zirka vier Zentimeter großes Bruchstück aus der Wandmalerei und eine morsche Stelle im Holzboden haben bei Pfarrerin Ute Biedenbach die Alarmglocken läuten lassen. Inzwischen haben Gutachter erste vage Vermutungen bestätigt: In einem Teil der Kirche hat sich Feuchtigkeit festgesetzt. Die Ursache dafür sehen die Fachleute in der Lage der Kirche. Direkt am Hang fließt das Grundwasser in die darunter liegende Lauter. Deshalb ist nach bisherigem Erkenntnisstand lediglich ein Teil von der Nord- sowie ein Stück der Südmauer betroffen.

Bei augenscheinlicher Betrachtung der Wände schließt kaum etwas auf den feuchten Zustand im Mauerwerk, noch haben Salze der Salpetersäure die Wand nicht angegriffen oder die davor angebrachten Epitaphien "angefressen". So lange will man freilich nicht warten. Sobald der Oberkirchenrat grünes Licht für die Zuschüsse gibt, sollen Restauratoren und Handwerker in die Kirche einziehen.

Für die kleine Kirchengemeinde bedeutet das, dass während der Zeit der Sanierung der Gottesdienst ausfallen muss. Für wie lange, das vermag zum jetzigen Zeitpunkt allerdings keiner so genau sagen. Nach den Positionen auf der Maßnahmenliste zu urteilen, gehen vorsichtige Schätzungen von mindestens sechs bis acht Wochen aus. Doch was die Handwerker und Restauratoren tatsächlich erwartet, das wird sich erst zeigen, wenn die Lamperie an der Wand und der Holzboden mit den Bänken entfernt sind. "Im Moment wissen wir nicht, was bei der Sanierung noch alles herauskommt", sagt Pfarrerin Ute Biedenbach besorgt.

Bei der anstehenden Sanierung kann nach Aussagen von Experten auf eine Drainage entlang der Außenmauer verzichtet werden. Dies sei bei der letzten großen Sanierung 1964 bereits gemacht worden. Die Feuchtigkeit im Mauerwerk wird diesmal von innen angegangen. Dazu wird der Putz von der Wand abgeschlagen und spezieller Sanierputz aufgebracht. Wenn das erledigt ist, kann der Maler anrücken.

Bei den Untersuchungen des Kircheninneren wurde festgestellt, dass der Holzboden an einigen Stellen brüchig und wie die Lamperie vom Pilz befallen ist. Die Ursache dafür ist in der Holzverkleidung zu suchen, die die eindringende Feuchtigkeit abgehalten hat, in den Raum auszudünsten. "Deshalb ist die Feuchtigkeit in der Wand nach oben gekrochen und gefährdet damit die Wandmalerei", weiß die Pfarrerin.

Während man künftig auf die Wandverkleidung verzichten will, müssen Holzboden und Holzpodest ersetzt und mit einem neuen Lüftungsgitter versehen werden. Die teils wurmstichigen Bänke werden gegen den tierischen Eindringling behandelt.

Behutsames Vorgehen hat vor allem bei den Wandmalereien oberste Priorität. Der wertvolle Passionszyklus, der zwischen 1420 und 1430 entstanden ist, und der bei der letzten großen Sanierung der Kirche vor 42 Jahren entdeckt wurde, muss abgehängt und gereinigt werden. Genauso der Umgang mit den Epitaphien, die viel zu nah auf dem Mauerwerk sitzen. Sie müssen weiter weg von der Wand gerückt und gereinigt werden.

Was die Sanierung kosten wird, das wurde in einem Finanzierungsplan detailliert aufgestellt. Danach muss die zweitkleinste Kirchengemeinde Württembergs mit gerade mal 90 Gemeindegliedern 22 000 Euro aufbringen. An Rücklagen hat die Kirchengemeinde 10 000 Euro angespart. Mit Zuschüssen von 9 500 Euro kann die Gemeinde vom Kirchenbezirk und Oberkirchenrat rechnen. Vermutlich keinen Zuschuss wird es vom Denkmalamt geben, da der Mindestaufwand für eine Bezuschussung nicht erreicht worden sei, sagte Pfarrerin Ute Biedenbach. Inwieweit die Sanierung durch die Stadt Wendlingen unterstützt wird, das muss erst noch mit einer Anfrage geklärt werden. Bleibt für Pfarrerin Biedenbach zu hoffen, dass sich die restlichen, bis jetzt noch nicht gedeckten 2 500 Euro durch Spenden und Sonderaktionen ausgleichen lassen.