Lokales

Feuer und "kleine Bomben" in der Brandstraße 112

Auf dem Freigelände an der Notzinger Gemeindehalle fand am Samstag die Jahreshauptübung der örtlichen Feuerwehr statt. Bei herrlichem Oktoberwetter hatten sich zahlreiche "Schaulustige" vor einer für die Übung errichteten und wohnlich eingerichteten Holzbaracke versammelt, die passenderweise von der Feuerwehr den Namen Brandstraße 112 erhalten hatte.

PATRICK ROTHE

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NOTZINGEN Die Notzinger Floriansjünger hatten sich zum Ziel gesetzt, den Zuschauern verschiedene Arten von Bränden sowie deren Bekämpfung zu präsentieren und Sicherheitshinweise an die Bevölkerung weiterzugeben. Besonders eingegangen wurde auf ganz alltägliche Situationen, in denen ein Feuer entstehen und außer Kontrolle geraten kann. Dementsprechend wurde als erstes gezeigt, wie ein kleines Feuer, das zum Beispiel durch ein Teelicht oder einen Adventskranz entstanden ist, mit einer Decke erstickt werden kann. Auch ein Feuerlöscher im Haus kann bei der Bekämpfung kleiner Brände sehr hilfreich sein, wobei Kommandant Alfred Bidlingmaier, der die Übung fachmännisch und zugleich sehr gut verständlich kommentierte, zu einem Schaum- statt einem Pulverlöscher riet.

Oft sind nicht das Feuer und entstehende Verbrennungen die Todesursache bei einem Wohnungsbrand, sondern oft sind es Vergiftungen, die durch das Einatmen des Rauchs entstehen. Wie sinnvoll ein in der Wohnung installierter Rauchmelder dabei sein kann und wie dieser funktioniert, konnte das Publikum beobachten. Doch im Fall eines Brandes gibt es noch mehr Gefahren: Spraydosen, wie sie sich in jedem Haushalt finden, werden bei einem Feuer richtiggehend zu "kleinen Bomben", wie Bidlingmaier betonte. Um dies zu demonstrieren, wurden zwei Spraydosen in speziell gesicherten Metallrohren erwärmt und zur Explosion gebracht. Schon allein die dabei entstehende Stichflamme zeigte den Zuschauern eindrücklich, was für Gefahren bei ihnen in Badezimmer und Bastelkeller lauern können. Im Ernstfall und ohne Absicherung kann eine solche Explosion einer Spraydose einen ganzen Raum verwüsten, inklusive herausgeflogener Zimmertüren.

Ein weiterer Gefahrenherd im Haushalt ist beispielsweise ein beim Kochen in Brand geratener Topf mit Fett. Das Feuer sollte erstickt werden. Oft reicht dabei auch schon das simple Verschließen des Kochtopfs mit dem dazugehörenden Deckel. Was geschieht, wenn man versucht, ein Feuer in der Küche mit Wasser zu löschen, wurde im Anschluss von der Notzinger Wehr gezeigt: Es kam zur berüchtigten Fettexplosion, das Feuer griff rasant um sich und binnen kürzester Zeit hatte die Feuerwalze von der ganzen Holzbaracke Besitz ergriffen. Dies war der Zeitpunkt für die Alarmierung der Notzinger Einsatzkräfte, die nach knapp zwei Minuten erst mit zwei, kurz darauf schon mit vier Fahrzeugen an Ort und Stelle waren. Wenig später trafen auch die Rettungssanitäter vom Malteser Hilfsdienst am Übungsort ein. Am Brandort stießen die Feuerwehrleute auf starke Hitze- und Rauchentwicklung. Schon von weitem war die aufsteigende dunkle Rauchsäule zu sehen, ein Ascheregen ging auf die Umgebung der Baracke nieder. Unter Atemschutz arbeiteten sich zwei Trupps der Feuerwehr ins Innere des brennenden Gebäudes vor, um die "Verletzten" zu bergen, die dann umgehend an die anwesenden Sanitäter übergeben wurden, und mit der Bekämpfung des Feuers im Innern zu beginnen. Dabei sind die Feuerwehrleute Temperaturen von über 800 Grad Celsius ausgesetzt. Nach der Rettung der Verletzten hatte die Bekämpfung des Feuers oberste Priorität, wobei es gleichzeitig ein Ziel der Feuerwehr ist, nur so viel Wasser wie nötig dazu einzusetzen, um so den Schaden durch das Löschwasser zu minimieren. Eine halbe Stunde nach Beginn der Übung konnte das erfolgreiche Ende der Brandbekämpfung verkündet werden: Kommandant Bidlingmaier verabschiedete sich von den Zuschauern mit dem Wunsch "Die Feuerwehr hofft, solche Arbeiten nie bei Ihnen ausführen zu müssen", aber nicht ohne alle Anwesenden zu einer Hocketse einzuladen, bei der alle Interessierten im Rahmen einer Fahrzeugschau einen Blick auf die technischen Gerätschaften der Notzinger Wehr werfen konnten.

Mit dem Ablauf der Übung war der Kommandant zufrieden. Man habe sich bewusst für eine solche Form der Jahreshauptübung entschieden; Hauptziel war, eine Übung zu entwerfen, die für das Laienpublikum interessant und hilfreich zugleich ist. Man habe Aufklärung in der Bevölkerung leisten und die Arbeitsweise der Feuerwehr zeigen wollen. Zugleich sei die Übung aber auch für die Freiwillige Feuerwehr Notzingen eine Herausforderung gewesen, da so ein inszeniertes Feuer nur zu einem gewissen Grad kalkulierbar sei und man es letztlich mit dem dabei möglichen Brandmaximum zu tun gehabt habe, was für die beteiligten Kameraden einen Einsatz unter harten Realbedingungen bedeutet habe.

Mit den Leistungen seiner Einsatzkräfte zeigte er sich dabei vollauf zufrieden.