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Feurige Darbietung mit Dudelsack, Drehleier und Buschtrommel

WENDLINGEN Dudelsack, Drehleier und Trommel die Klänge dieser alten Instrumente berühren die Menschen auf eigentümliche Weise, scheinen geradezu Saiten zum

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IRIS HÄFNER

Schwingen zu bringen, die irgendwo verschütt zu liegen scheinen, denn sie klingen trotz ihrer Fremdheit erstaunlich vertraut. Der Ruf der Trommel ist offensichtlich nicht nur im fernen Afrika vertraut, wie sonst lässt sich die Beliebtheit der Mittelaltermärkte erklären, die Tausende von Menschen anziehen und sie beispielsweise auf den Hohenneuffen strömen lässt.

Die Gruppe Schnarrensack aus Wendlingen begeistert seit Jahren ihr Publikum mit Musik ohne jegliche elektronische Unterstützung. Der Dudelsack trägt weit, auch ohne Verstärker ist er hell und klar zu hören. Die Trommel schwingt im Rhythmus mit, und die Drehleier gibt den Takt vor. Reinhard Müller beherrscht dieses seltsame Instrument perfekt, das eine Mischung aus Geige und Miniklavier zu sein scheint. Die Saiten zum Schwingen bringt jedoch ein Drehmechanismus, der mit der rechten Hand in Gang gebracht wird. Damit kann der Musiker nicht nur eine Melodie erzeugen, sondern beispielsweise auch einen Vierviertel- oder Walzertakt bestimmen.

Der Dudelsack ist ursprünglich in ganz Europa zu Hause, auch wenn ihn heute die meisten Menschen nur noch mit Schottenrock und Highlandgames in Verbindung bringen. Noch vor 200 Jahren war die Schäferpfeife auch in Schwaben ein alltägliches Instrument, das die Menschen zu Festen zusammenrief und zum Tanzen anregte. In Frankreich wird diese Tradition noch heute in vielen Orten gepflegt.

Die Liebe zu den alten Instrumenten begann für das junge Ehepaar Müller bei einem Instrumentenbaukurs. "Wir haben nach einem gemeinsamen Hobby gesucht und sind auf die Musik gestoßen", erinnert sich Reinhard Müller, der Trompete und Flügelhorn beim Musikverein Plochingen spielte. Sigi Müller war Mitglied des Akkordeonvereins in Zell bei Esslingen. Bei einem Treffen von "Folkies" in Zentralfrankreich haben sie spontan zwei Instrumente gekauft. "Das war finanziell weit über unsere Verhältnisse gelebt, aber es hat sich gelohnt", sagt Reinhard Müller verschmitzt. Es war bei beiden Liebe auf den ersten Ton. "Ich habe den Dudelsack gehört und der Ton ging mitten durch mein Herz", erzählt Sigi Müller. Ihrem Mann ging es mit seinem Instrument ebenso. "Ich war in meinem letzten Leben ein Drehleier-Spieler", ist er überzeugt.

Auf Leihinstrumenten haben sich beide autodidaktisch das Spielen beigebracht, denn die historischen Instrumente haben teilweise eine Lieferzeit von bis zu fünf Jahren, da vieles in Handarbeit gefertigt wird. Dass der Dudelsack, von dem es etwa 200 verschiedene Arten gibt, seine Eigenheiten hat und mit viel Gefühl gespielt werden will, musste Sigi Müller schon bei ihrem ersten Wochenendworkshop erfahren. Kein Laut ließ sich dem eigenwilligen Instrument entlocken. "Zwei Tage habe ich keinen Ton herausbekommen", erinnert sich Sigi Müller. Die Kunst besteht nicht darin, mit Gefühl in den Lederbalg zu blasen, sondern mit dem richtigen Armdruck die Pfeifen zum Klingen zu bringen. Dadurch wird ein Rohrblatt in Schwingung gesetzt, das wiederum Töne in den Pfeifen erzeugt. Die Bordune bringt konstant einen Ton zustande, weshalb je nach Pfeife eine Tonart vorgegeben ist. Hat ein Dudelsack mehrere Bordunes, müssen sie aufeinander abgestimmt sein. Mit den flötenähnlichen Pfeifen lässt sich die Melodie spielen. Die Rohrblätter verstimmen sich schnell, denn sie reagieren auf Luftfeuchtigkeit sowie Wärme und Kälte. Auch die Drehleier gibt sich ähnlich divenhaft und verlangt dadurch gewisses Einfühlungsvermögen vom Spieler.

"Laura ist eine begnadete Trommlerin, die uns nicht nur wunderbar bei den Instrumenten begleitet, sondern auch unsere melodramatischen Geschichten geradezu genial untermalt", lobt Reinhard Müller seine 15-jährige Tochter, die seit einigen Jahren das Ensemble komplettiert.

Seit geraumer Zeit hat Reinhard Müller das Feuer für sich entdeckt. Viel verrät er nicht über die besonderen Technik des Feuerspuckers, nur so viel: "Man muss die brennbare Flüssigkeit rausspucken, damit sie nicht am Hals runterläuft am Anfang habe ich das mit Wasser geübt." Ein gewisser Abstand von den Zuschauern ist wichtig, denn das Feuer verbreitet eine enorme Hitze. Tochter Laura eifert ihrem Vater nach und führt feuriges Seilspringen vor. "Man muss nur die Angst überwinden, dann geht es ganz gut", meint sie gelassen. Zu diesem Zweck wird ein spezielles Feuerseil mit einer Flüssigkeit getränkt und angezündet. Vor allem in der Nacht gibt es faszinierende Effekte bei diesem besonderen Licht- und Schattenspiel.

Wer die Gruppe Schnarrensack live erleben will, hat dazu am kommenden Samstag bei einer mittelalterlichen Tafelei am Bürgersee die Gelegenheit dazu. Karten gibt es unter der Telefonnummer 0 70 21/5 23 10.