Lokales

Feurige Drachen schweben an der Angelrute

Trotz schlechter Flugbedingungen auf dem Segelfluggelände lockte das fünfte Dettinger Drachenfest zahlreiche Zuschauer an. Vor allem das nächtliche Feuerspektakel am Samstagabend wollte sich keiner entgehen lassen.

ANDREAS VOLZDETTINGEN Mythen und Geheimnisse umgeben sowohl die Drachen als auch das Feuer. Für entsprechend schauerlich-schöne Stimmung sorgten somit die fliegenden und flammenden Formationen des "Drachenfeuers" auf dem Aktionsfeld am Fuß der Teck etwa wenn sich riesige schwarze Fledermausdrachen gespenstisch durch den rötlichen Rauch bewegten, der von den bengalischen Feuern am Boden aufstieg. Die Leichtwinddrachen für die nächtliche Vorführung hingen an langen Angelruten, sodass der fehlende Wind kaum ins Gewicht fiel.

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Fackeln, Scheinwerfer und Taschenlampen setzen die Flugobjekte immer wieder ins rechte Licht. Weil die Drachen aber schneller und unberechenbarer sind als die Lichtkegel, die sie verfolgen, leuchten sie zwar hell, aber unbeständig durch die Nacht. Immer wieder tauchen sie in der Dunkelheit ab ein reizvolles Spiel, nicht nur für die Akteure, sondern auch für die Zuschauer, die sich dicht an dicht in mehreren Reihen um das große Feld drängen.

Nicht weniger reizvoll ist die Verbindung mit dem Feuerwerk. Rotierende Funkensprüher, die an den Schnüren der Drachen befestigt sind, verschleudern freigiebig ihr weißes Licht. Die dazugehörigen Flugobjekte leuchten engelsgleich in reinem Weiß oder auch als Nachempfindung des skelettierten Urvogels Archäopteryx beides gleichermaßen mystisch im Zusammenspiel mit dem vulkanisch anmutenden Funkenregen.

An weitere Mythen mahnen die Akrobaten der Gruppe "Feuerbrunft", die mit ihren flackernden Stäben die Trägheit des menschlichen Sehvermögens ausnutzen und die Augen der Zuschauer täuschen, indem sie lodernde Lichtbilder in die nächtliche Dunkelheit brennen. Besonders mit ihren blauen Flammenzungen in der Mitte erinnern die Feuerräder bald an balzende Pfauen, bald an feurige Augen.

"Feuer hat seine guten, aber auch seine schlechten Seiten", sagte die junge Frau, die sich träumend durch die Bühnenshow der Gruppe "Tanguda" bewegte. Albtraumhafte Sequenzen stellten dabei vor allem die dämonische Seite des Feuers dar, unterstützt durch kräftige, mitunter ohrenbetäubende Trommelrhythmen. Ebenso aufwühlende, dafür aber angenehmere Träume waren mit dem "Vollmond Afrikas" verbunden, der über der Showbühne leuchtete. Nachdem es der Protagonistin gelungen war, sich mit ihren Ängsten und Albträumen erfolgreich auseinanderzusetzen, konnte sie schließlich feststellen: "Es gibt kein Leben ohne Feuer."

Dass im Feuer selbst auch jede Menge Leben stecken kann, bewiesen die Pyrotechniker während der gesamten Abendvorstellung bis hin zum großen Finale. Da gab es Feuerwerkskörper, die sich nach der Explosion wie Würmer in alle möglichen, nie zu berechnenden Richtungen ausbreiteten, oder auch die sensationellen Raketen, die nach steilem Aufstieg plötzlich im rechten Winkel abbogen und in der Waagerechten weiterflogen.

Ganz so leicht hatten es die "Hauptfiguren" während des zweitägigen Festivals nicht mit ihren Flugvorführungen: Mangelnder Wind und durchwachsenes Wetter ließen die Drachen sowohl in der Vertikalen als auch in der Horizontalen nur schwer zur freien Entfaltung kommen. Die vielen Teilnehmer und Zuschauer ob groß oder klein, mit selbstgebastelten oder professionellen Flugobjekten vor Ort hatten aber trotzdem sichtlich ihren Spaß am herbstlichen Freizeitvergnügen.