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Feuriger Abend mit "Thank you for the music"

OWEN Unter der viel versprechenden Überschrift "Chili chor carne goes Broadway" hatte der Jugendchor des Owener Liederkranzes zu

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RAINER DÄSCHLER

seinem ersten großen Konzert in die Teckhalle eingeladen. Die zahlreichen Zuhörer erlebten einen spritzig-jugendlichen Konzertabend, dessen Akteure die Bezeichnung "Jugendchor" beileibe rechtfertigen, sehen doch sämtliche Sängerinnen und Sänger ihr 30. Wiegenfest noch in weiter Ferne.

Den Streifzug durch zahlreiche bekannte und beliebte Musicals eröffnete das gut 20-köpfige Vocalensemble mit dem bekannten Lied "America" aus der "West Side Story".

Mit intonationssicherem Auftreten und schauspielerischer Überzeugung gelang es insbesondere den Solisten Anja Sander, Joli Barner, Christiane Fischer und Markus Klein, die Vorzüge von Amerika im Gegensatz zum Leben in Puerto Rico zu vermitteln, übrigens auch durch die Wahl des passenden Dialekts.

Mit "Ich hätt' getanzt heut Nacht" aus "My fair Lady" folgte ein Sprung in das Berlin der 60er Jahre. Der wohltuend harmonische Chorklang junger Stimmen wurde dezent-souverän begleitet von Matthias Kurz (Drums) und Toby Schmid (Piano). Dass letzterer übrigens, als Chorleiter der feurigen Sänger, unauffällig am Klavier Platz nahm und auf ein Dirigat nahezu vollständig verzichtete, lässt die Leistung des in großem Halbkreis stehenden Chores umso höher bewerten.

Bei Elton Johns "Can you feel the love tonight" wurden die Zuhörer ins Reich des "Königs der Löwen" entführt. Schön, wie differenziert unterschiedliche Lautstärken herausgearbeitet und auch die finale Modulation sicher gemeistert wurden. Der anhaltende Zwischenapplaus bestätigte, dass der emotional dargebotene Song außerordentlich gut beim Publikum angekommen war.

Mit einem Streifzug durch die Rockoper "Jesus Christ Superstar" trat der Chor in neuem Outfit auf die Bühne. Herausragend hier die dargebotenen Soli von Anja Sander, Christina Molitor und Björn Schmidt, wenngleich die bekannt problematische Akustik in der Teckhalle vielleicht die Verwendung einer Verstärkeranlage gerechtfertigt und so die Verständlichkeit der Texte begünstigt hätte. Gerade die jugendlich-warmen Frauenstimmen konnten mit "I don't know, how to love him" glänzen, überzeugten jedoch auch bei der abschließenden "Superstar"-Reprise mit strahlender Überstimme nicht minder.

Die als "Special guests" angekündigten "Chilidales" übernahmen nun als achtköpfiger A-capella-Männerchor das Ruder und gaben einen Teil ihres Könnens zum Besten. Wohl wahr, dass dieses formidable Highlight des Abends teilweise inhaltlich an Unbedeutsamkeit kaum zu überbieten war. Den mutigen jungen Akteuren jedenfalls gelang ein perfekter musikalischer Auftritt, der überzeugender nicht hätte sein können. Hervorzuheben insbesondere die großvolumigen Bassstimmen von Florian Pietsch und Markus Huber sowie die rein und klar erstrahlenden Tenöre Björn Schmidt und Toby Schmid. Erstaunlich, mit welcher Intonationssicherheit und rhythmischer Präzision die gesamte Männerformation agierte. Für große Erheiterung sorgte Solist Joa Sander mit "Only you", der während seines ansonsten überzeugenden Solo-Vortrages, in der Erkenntnis seinen Text vergessen zu haben, kurz sein Manuskript suchte und so an der äußerst gelockerten Atmosphäre in der Teckhalle maßgebenden Anteil hatte, sowie das Publikum zu wahren Beifallsstürmen hinriss.

Nach der Pause führte die musikalische Reise ins Frankreich des 18. Jahrhunderts. Beim Revolutionslied "Do you hear the people sing" aus dem Musical "Les Miserables" traten die Sängerinnen und Sänger als Studenten im Stil der damaligen Zeit auf die Bühne. Gepaart mit der bei einsetzender Dunkelheit voll zur Geltung kommenden Bühnenkulisse, ergänzt durch aufwändige Lichteffekte, sah sich das Publikum vollkommen ins revolutionäre Frankreich versetzt.

Mit dem bekannten Song "Mister Sandman" gelang den Chilies eine ungemein humorvoll-spritzige Interpretation des nunmehr gut 50 Jahre alten Abräumers. Insbesondere Patricia Molitor, die mutig und souverän im Pyjama tanzend den Liedtext klasse untermalte, hatte hier maß-geblichen Anteil.

Einen Zeitsprung in die Musical-Landschaft heutiger Zeit vollführte der Chor anschließend mit einem Medley der schönsten Melodien aus "Miss Saigon". Beachtlich, wie frisch die Akteure auch den letzten Teil des Konzerts meisterten. Das abschließende "Thank you for the music" aus "Mamma Mia" kann getrost als passender Schlusspunkt eines an Höhepunkten reichen Konzertabends bezeichnet werden.

Es bleibt zu hoffen, dass es dem souveränen "Chef" des Abends, Toby Schmid, auch weiterhin gelingt, die schlagkräftige Truppe zusammenzuhalten und so auch in Zukunft für ähnlich feurige musikalische Highlights zu sorgen.