Lokales

Feuriges Spektakel zur Begrüßung des Sommers

Selten wird der Sommer so sehr wie dieses Jahr herbeigesehnt: Tausende, die die kühle Witterung der vergangenen Wochen restlos satt hatten, genossen die ersten heißen Tage und versammelten sich am Wochenende bei den zahlreichen Sonnwendfeiern um Kirchheim. Lodernde Feuer sorgten für beste Stimmung bis tief in die Nacht.

IRENE STRIFLER

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LENNINGEN Besonders eilig haben es traditionell die Oberlenninger mit der Begrüßung des Sommers. Auch heuer lud der Musikverein, der die Sonnwendfeier seit über drei Jahrzehnten ausrichtet, bereits am Freitag zum lauschigen Brandplatz "In der Au" an der Lauter. Mehrere hundert Gäste, vorwiegend aus dem Ort, ließen sich dort schon früh am Abend an den Bierbänken nahe dem imposanten Holzhaufen nieder, labten sich an Gegrilltem, lauschten den Klängen der Musiker und nutzten den lauen Abend für ein Schwätzle. Doch wehe dem, der sich vorwitzig einen Platz in der ersten Reihe gesichert hatte: Mit Einbruch der Dunkelheit ging der Holzstoß plangemäß in Flammen auf, und im Nu überdeckte Sauna-Atmosphäre die angenehme Abendkühle. Manch einer schnappte sich schnell sein Getränk und flüchtete ein paar Meter weiter, um das Spektakel umso besser von der kleinen Anhöhe am Festplatz betrachten zu können. Nach wenigen Minuten schienen die Flammen bis in den Himmel zu lodern, es knisterte heftig, und Millionen kleiner roter Funken rieselten herab.

Das kleine aber feine Sonnwendfest des Oberlenninger Musikvereins gehört zwar zu den traditionsreichen in der Umgebung, doch mittlerweile hat die Sitte, eine Art Freudenfeuer abzubrennen fast in jedem Ort Fuß gefasst. So wird der Sommerbeginn, der übrigens kalendarisch erst morgen erreicht wird, allerorten mit zünftigen Feiern begangen, und manch einer sitzt in den ohnehin kurzen Nächten bis zum Morgengrauen. An immer mehr markanten Plätzen in den Tälern oder am Albtrauf gehören Sonnwendfeiern fest zum Terminkalender. Emsige Vereine machen sich schon Tage oder gar Wochen vorher an die Arbeit und schichten kunstvoll Holzstöße auf. Wer am vergangenen Samstag oder am Freitag die Gelegenheit verpasst hat, ein derartiges nächtliches Spektakel zu besuchen, hat noch reichhaltig Gelegenheit dazu: Auch am kommenden Wochenende laden noch etliche Vereine zum Sonnwendfest, einzelne krönende Schlusslichter haben sich sogar das erste Juli-Wochenende als Termin für den großen Feuerzauber auserkoren. Bleibt zu hoffen, dass der Wettergott den Nachzüglern ebenso wohlgesonnen ist wie den Vorreitern.

Die Tradition der Sonnwendfeuer zum Sommerbeginn reicht weit zurück. Chroniken aus dem späten Mittelalter berichten davon, ebenso von "Johannisfeuern". Der Nacht vor dem 24. Juni schrieb der Volksglaube magische Bedeutung zu. Heute geht es maßgeblich ums Feiern, was den Veranstaltern sicher auch recht ist. Mit der Kamera dicht ans Feuer gewagt hat sich Teckboten-Fotograf Jean-Luc Jacques.