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Wenn ein neues Jahr beginnt, dann müssen sich auch die Autofahrer auf Neuerungen einstellen. In der Regel auf solche, die Geld kosen. So war es auch diesmal. Die Änderungen bei der Kraftfahrzeugsteuer betreffen vor allem Besitzer älterer Autos, aber auch Neuwagenkäufer und Fahrer großer Geländewagen.

KREIS ESSLINGEN Wer einen Benziner der Schadstoffklasse Euro 1 fährt, bezahlt seit Jahresbeginn statt 10,84 Euro pro 100 Kubikzentimeter 15,13 Euro Steuer. Für entsprechende Fahrzeuge mit Dieselmotoren müssen Halter künftig 27,35 statt bisher 23,06 Euro bezahlen. Für viele Autofahrer stellt sich da die Frage, ob sie ihren Katalysator nachrüsten lassen oder sich besser gleich von ihrem Auto trennen sollen. Pauschal will Dieter Munk, der eine Autowerkstatt in Mettingen betreibt, diese Frage nicht beantworten: "Das hängt weniger vom Alter als vom Zustand des Autos ab."

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Wenn ein Auto durch das Nachrüsten die Euro-2-Norm erfüllt, lässt sich die Steuerlast zwar mehr als halbieren, andererseits kostet der Einbau der Teile je nach Fahrzeugtyp eben auch 300 bis 500 Euro. "Da muss man schon eine Rechnung aufmachen", sagt Munk. Schließlich haben die meisten Autos in dieser Schadstoffklasse schon mehr als zehn Jahre auf dem Buckel. Helmut Heilberger, dem eine Werkstatt in der Pliensauvorstadt gehört, ist dennoch überzeugt: "Bei vielen Autos lohnt sich das Nachrüsten." Es gebe in diesem Alter noch Autos wie den Golf II, die tadellos laufen und vor allem bei Fahranfängern sehr beliebt seien. "Wenn man den Wagen noch eineinhalb Jahre fährt, hat sich das Nachrüsten meist schon gelohnt."

Bislang hält sich die Nachfrage der Kundschaft aber noch in Grenzen: "Die Leute merken das wohl erst, wenn sie ihren Steuerbescheid bekommen", vermutet Helmut Heilberger. Wer dennoch der Meinung ist, dass die Steuererhöhung der richtige Anlass ist, sich von seiner alten "Mühle" zu trennen, muss wohl nicht befürchten, auf seinen Auto sitzen zu bleiben. "Es gibt Autohändler, die gerade diese Autos suchen", weiß Günther Uhrig vom Autohaus Russ Brunold in Altbach. Verkauft werden sie nämlich dort, wo Abgaswerte niemanden interessieren zum Beispiel in Russland oder in Afrika.

Wer sich in diesem Jahr für einen Neuwagen entscheidet, muss feststellen, dass der Gesetzgeber auch hier nicht mehr so spendabel ist wie früher. Die Zeit, als besonders schadstoffarme Euro-4-Fahrzeuge in den ersten Jahren von der Steuer befreit waren, ist vorbei. Auch ein neues Auto ist nun vom ersten Tag an steuerpflichtig. Das gilt sogar für Dieselfahrzeuge mit Rußpartikelfilter. Eine Steuerprämie ist hier zwar im Gespräch, aber noch nicht beschlossen: "So gibt es im Moment leider keinen Anreiz, ein Auto mit Filter zu kaufen", sagt Autoverkäufer Thomas Frey vom Autohaus Staiger in Esslingen. Der wäre aber wohl nötig, denn ein solcher Filter ist bislang nur bei wenigen Fahrzeugen serienmäßig und kostet als Sonderausstattung rund 700 Euro.

Voraussichtlich ab Mai müssen auch die Fahrer großer Geländewagen tief in die Tasche greifen. Die so genannte "Auflastung" soll künftig nicht mehr möglich sein. Dabei wurde das zulässige Gesamtgewicht im Fahrzeugbrief auf über 2,8 Tonnen geändert. Das Auto wurde dann nicht mehr nach Hubraum, sondern nach Gewicht besteuert. Bei einem Dieselfahrzeug mit 2,5 Litern Hub-raum sank dadurch die Steuer zum Beispiel von 939,50 auf 168,88 Euro.

Fast alle Kunden, die bei Günther Uhrig einen Geländewagen kauften, haben bislang von dieser Möglichkeit auch Gebrauch gemacht. Wenn das Steuerschlupfloch erst mal geschlossen wird, schwant ihm allerdings schlimmes: "Diese großen Autos wird dann wahrscheinlich kaum noch jemand kaufen."

ez