Lokales

Finanzspritzen für private Investoren

Sanierungsbedürftig ist der Ortskern von Jesingen schon seit langem. Eine marode Bausubstanz privater und öffentlicher Gebäude sowie die Verkehrsprobleme der Vorderen Straße geben Anlass zum planerischen Nachdenken. Fördermittel sollen nun dabei helfen, die baulichen Missstände zu beseitigen, und dazu beitragen, dass der Ortskernbereich zukünftig auch als Wirtschafts- und Wohnstandort gestärkt wird.

BRIGITTE GERSTENBERGER

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KIRCHHEIM Mit sichtlicher Freude konnte Ortsvorsteher Johannes Züfle den zahlreich erschienenen Bürgern verkünden, dass Jesingen nun in das Sanierungs-Förderprogramm des Landes aufgenommen worden ist. Motivierend forderte er die Anwesenden auf, an den "Fördertöpfen zu partizipieren".

Zunächst erläuterten Bürgermeister Riemer und Planungsamtsleiter Oediger die vorbereitenden Untersuchungen für die Erneuerungsmaßnahmen in der Ortsmitte Jesingen. Dabei standen verschiedene Schwerpunktbereiche im Mittelpunkt. Zum einen der Kreuzungsbereich Vordere Straße/Naberner Straße, mit der Möglichkeit, die derzeit zu breite Straße zu verengen, wobei der an dieser Stelle früher schon mal angedachte Kreisverkehr bei der Zuhörerschaft auf kein großes Interesse stieß.

Die Hoffnung stirbt bekanntlich ja zuletzt, auch wenn die herbeigesehnte Umgehungsstraße in weite Ferne gerückt ist. Und so war die Meinung einiger Zuhörer, dass man das Geld für einen Kreisverkehr vorsorglich schon mal einsparen könne. Einzelne Baumbepflanzungen und eventuelle Stellplätze im südlichen Bereich der Vorderen Straße waren weitere planerische Überlegungen, allerdings fand die vorgesehene Baumbepflanzung in der Bürgerschaft eher wenig Gegenliebe. Gestaltungsspielräume sah die Verwaltung auch innerhalb der "Jesinger Urzelle" Rathaus, Kelter und Farrenstall. Frühere Überlegungen, einen großflächigen Supermarkt zwischen Hinterer Straße und Mittlerer Straße anzusiedeln, waren aus Sicht der Verwaltung im Ortskern nicht möglich, eher sah sie dort "das Potenzial zu einem betreuten Wohnen".

Die Rahmenbedingungen zur privaten Sanierungs-Förderung erläuterte Wolfgang Mielitz von der Landesentwicklungsgesellschaft LEG. Die nachhaltige Verbesserung des bestehenden Wohnraumes, von der Haustechnik und verschiedenen Maßnahmen zur Substanzerhaltung bis zu energietechnischen Verbesserungen, sind Gegenstand der Förderung. Dabei darf nach der Sanierung kein wesentlicher Mangel mehr vorhanden sein. "Die Nachhaltigkeit hat mindestens 20 bis 30 Jahre Bestand. Die Schaffung zusätzlichen Wohnraums, zum Beispiel durch An- oder Umbaumaßnahmen, fällt ebenfalls unter die Förderung. Der Förderungszeitraum beläuft sich auf acht bis zehn Jahre". Den privaten Investoren bleibt also genügend Zeit für Überlegungen zur Durchführung von Verbesserungen. Nach der Beschlussfassung der Satzung durch den Gemeinderat werden die Sanierungswilligen vonseiten der Verwaltung beraten. Außerdem wird festgelegt, welches Objekt als förderungswürdig einzustufen ist.

Eine Chance bietet Sanierung in vielerlei Hinsicht, zum Beispiel können Existenzbedingungen von Handel, Gewerbe und Landwirtschaft an alten Standorten verbessert werden. Sinnvoll sei es auch, darüber nachzudenken, die zersplitteten Handwerksbetriebe in Jesingen eventuell an einem Standort zu konzentrieren, so Bürgermeister Riemer. Ihm ging es an diesem Info-Abend in erster Linie darum, "Ideen zu transportieren" und gemeinsam mit den Anwohnern über mögliche Veränderungen in der Ortsmitte Jesingen nachzudenken.