Lokales

Fledermaus und Grasdackel

Unterhaltsamer Gemeindefilmabend mit dem Film Club Teck

Angesichts des Sturms hatten der Film Club Teck und die Gemeinde Dettingen Bedenken, ob sich mögliche Besucher des Gemeindefilmabends aus dem Haus wagen würden. Doch dann mussten in der Schlossberghalle Stühle hinzugestellt werden. Elf Kurzfilme von fünf bis 20 Minuten boten eine große Vielfalt.

PETER DIETRICH

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Dettingen. Für Bürgermeister Rainer Haußmann ist der jährliche Gemeindefilmabend ein Symbol, dass nach den Feiertagen das öffentliche Leben wieder startet. Damit es optisch beeindruckend starten konnte, hat die Gemeinde investiert, oben an der Hallendecke hängt nun ein hochwertiger Projektor. Unten gibt es keinen Tisch und keine Kabel mehr, der Blick auf die große und ebenfalls neue Leinwand ist von überall frei.

Film Club Teck ist erfolgreichster Filmklub im ganzen Land

Was es auf dieser zu sehen gab, kündigte Lutz Schulze, stellvertretender Klubleiter des Film Clubs Teck, jeweils in Gedichtform an. In den insgesamt zwei Stunden waren lauter Beiträge zu sehen, mit denen der Film Club Teck in letzter Zeit auf Wettbewerben erfolgreich war. Davon gibt es viele, Haußmann nannte den Film Club Teck den „erfolgreichsten Filmklub im ganzen Land“.

Karl-Heinz-Kosmalla, der als einziger mit zwei Beiträgen vertreten war, machte mit seiner Dokumentation „Die Schlacht um Brettheim“ den Auftakt. Er hat das historische Spektakel, bei dem die Ereignisse des Jahres 1504 mit Kostümen und Requisiten nachgespielt wurden, sehr gut eingefangen. Nach dem Kampf Mann gegen Mann, die ferngesteuerte Drohne gab es damals noch nicht, wurden die belagernden Württemberger vernichtend geschlagen.

Gunter Barners Produktion über die Venezianische Messe in Ludwigsburg hat ihre Wurzeln in der Dia-AV. Zwar werden im digitalen Zeitalter keine Filmstreifen in Plastikrähmchen mehr projiziert, aber Barner hat dennoch mit Standbildern gearbeitet. Durch die Digitaltechnik kamen simulierte Kamerafahrten hinzu, außerdem hatte Barner alle Bildhintergründe stark weich gezeichnet und nur die Maskenträger in der Schärfe belassen.

Auch Rolf Horsts Produktion „Ist das Kitsch…“ war eine AV-Schau mit überblendeten Standbildern, völlig ohne digitalen Schnickschnack. Diesen hatten seine winterlichen Naturaufnahmen von der Schwäbischen Alb, gezeigt im wunderschönsten Licht, auch nicht nötig. Am Schluss komplettierte Horst seinen Titel zur Frage: „… oder einfach nur schön?“ Die Antwort durfte sich jeder Zuschauer selbst geben.

Das zehnjährige Bestehen des Dettinger „Forums Altern“ gab den Anlass zur 20-minütigen Produktion „Da geht noch was“ von Lothar Bogsch. Wie viel im Forum geht, zeigte Bogsch umfassend, vom Sitztanz über das Kochen für Senioren bis zum Kleinreparaturdienst.

Einen ähnlich hohen Aufwand, mit Dreharbeiten über einen langen Zeitraum, hatte Eberhard Halder für seine sehr lehrreiche Dokumentation „In die Röhre geschaut“ getrieben. Er zeigte die Bauarbeiten für den neuen Kaiser-Wilhelm-Tunnel an der Moselstrecke der Bahn: nicht nur das Andrehen und den Durchstich mit den dazugehörigen Menschenmassen, sondern auch die Arbeiten innen im Tunnel, vom Verlegen der Tübbinge bis zu Reparaturen. Seine Dreharbeiten unter erschwerten Bedingungen haben sich gelohnt.

Sehr persönlich war der Film „Erste Annäherung“ von Barbara und Hartmut Ibsch. Er beschrieb eine erste Reise nach Polen, eine Suche nach den eigenen Wurzeln. Wurzeln, über die in der Familie zu wenig gesprochen wurde. „Ich bin wütend, nicht nachgefragt zu haben“, schloss Barbara Ibsch. Sie sprach auch den Kommentar zu Werner Rothenöders ebenfalls sehr persönlicher Reise, die ihn „Nordwärts“, so der Titel, zum Polarlicht führte.

Bernhard Grzimek ließ grüßen, als Peter Markotschi seine Biologiestunde präsentierte. Seine humorvolle Einführung in die Dackelogie machte den Zuschauer mit dem Halbdackel, dem Saudackel und dem Grasdackel bekannt. Letzterer bringt zwar auf seinem Rücken ein Stück Rasen bis in die kleinste Wohnung, dennoch muss die Haltung sehr gut überlegt sein. Muss der Grasdackel doch regelmäßig gegossen, gemäht und gedüngt werden.

Biologisch ernsthafter kam Josef Pettingers aufschlussreiche Dokumentation „Mit Drohnenmaden und Welpenmilch“ daher. Er hat die Geislingerin Christine Köpf bei der Aufzucht von Fledermäusen beobachtet. Am Anfang sind diese nicht größer als ein Gummibärchen, weshalb Köpf beim Füttern froh über die große Lupe ist. „Freud und Leid im Kleid“, Kosmallas zweite Dokumentation, zeigte eine historische Modenschau im Freilichtmuseum Beuren. Der Blick aufs historische Darunter sorgte für einiges an Gelächter.

Schließlich durfte der Moderator auch einen eigenen Beitrag ankündigen, Schulze hat Goethes „Zauberlehrling“ verfilmt. Nach fünf Minuten wusste jeder, wie schlimm es sein kann, wenn man die Geister, die man rief, nicht mehr loswird.

Loswerden durften die zahlreichen Besucherinnen und Besucher am Ende ein wenig Geld, als Spende in die nachgebildete Filmkamera. Der Filmabend war es wert, bot er doch mindestens so viel Spaß und noch viel mehr Abwechslung als ein Abend im Kino.