Lokales

Flieger: "Mit Kanonen auf Spatzen geschossen"

Mit einem Brief an die Gemeinde haben einige Anwohner des Guckenrains auf das Vorhaben der Dettinger Fliegergruppe reagiert, die Genehmigung für einen Motorsegler umzuschreiben. Sie fühlen sich übergangen und fürchten eine stärkere Lärmbelastung. Die ganze Aufregung kann der Vorsitzende der Fliegergruppe jedoch nicht verstehen. Er hält die Bedenken für unbegründet.

BIANCA LÜTZ

Anzeige

DETTINGEN Eigentlich haben Fliegergruppe, Anwohner und Gemeindeverwaltung ein offenes Verhältnis: Sie kommen regelmäßig am Runden Tisch zusammen, um Wünsche und Bedenken auszutauschen und einen tragfähigen Kompromiss zwischen Sport und Lärmbelastung zu finden. Das ist aus Sicht von Fliegern und Gemeinde bislang auch immer gut gelungen. Vor einer Woche jedoch haben sich einige Anwohner der Dettinger Reußensteinstraße mit einem Brief an die Gemeindeverwaltung gewandt, in dem sie sich missbilligend über das Verhalten der Fliegergruppe äußern. Dieses Schreiben kommentierte Bürgermeister Rainer Haußmann nun im Gemeinderat.

Von vorne: Die Dettinger Fliegergruppe unterhält ein selbstständig startendes Segelflugzeug mit einer offenen Genehmigung, die unbegrenzt viele Starts am Tag ermöglicht. Diese möchte der Verein nun beim Regierungspräsidium in beschränkte Genehmigungen für mehrere Flugzeuge umwandeln lassen. Bei einem Treffen am Runden Tisch im November vereinbarten Fliegergruppe, Anwohner und Kommune, im Frühjahr bei besserem Wetter einen Demonstrationsflug zu veranstalten, um zu sehen, "ob die Resultate vom Lärm her in Ordnung sind", wie Dettingens Bürgermeister Rainer Haußmann im Gemeinderat sagte. Bis dahin sollte der Antrag der Segelflieger zunächst einmal ruhen.

Nun jedoch ist zu den Anwohnern durchgedrungen, dass die Segelflieger die Umschreibung einer Genehmigung planen. Sie fürchten deshalb, dass die Fliegergruppe vorprescht, ohne das gemeinsame Treffen abzuwarten: "Mit großem Erstaunen haben wir vernommen, dass die Fliegergruppe beim Regierungspräsidium beantragt hat, einen durch den Rückzug einer auswärtigen Fliegergruppe freiwerdenden Motorsegler zu einem selbststartenden Segelflugzeug umzuwidmen", heißt es in einem Schreiben einiger Anwohner der Reußensteinstraße an Bürgermeister und Gemeinderäte.

Die Anwohner werten dies als Alleingang der Fliegergruppe: "Da dies der getroffenen Vereinbarung klar widerspricht, empfinden wir dies als Brüskierung der Anwohner und auch des Bürgermeisters und appellieren an die Gemeindevertreter, bei der in diesem Jahr anstehenden Entscheidung über die Ausweitung des Flugbetriebs, diesen Sachverhalt angemessen zu berücksichtigen." Auch Rainer Haußmann bedauerte in öffentlicher Gemeinderatssitzung das Vorgehen des Vereins: "Ich finde es schade, dass die Fliegergruppe mit ihrem Antrag den ich in der Sache für undramatisch halte den Weg nicht in die Verhandlungsgruppe gefunden hat."

Gegen die Vorwürfe wehrt sich der Erste Vorsitzende der Fliegergruppe, Horst Habermann: "Wir haben noch gar keinen Antrag gestellt", sagte er auf Nachfrage des Teckboten. Zudem habe die Umschreibung der Genehmigung mit dem Antrag, der im November Thema am Runden Tisch war, rein gar nichts zu tun. "Er ist völlig unabhängig davon", betonte Habermann. Das Vorhaben, die Lizenz für den Motorsegler in eine Genehmigung für ein selbststartendes Segelflugzeug umwandeln zu lassen, hält er außerdem für unproblematisch: "Beide haben den gleichen Lärmgrenzwert. Das ist sozusagen ein Austausch eins zu eins, nur dass das eine Flugzeug den Motor vorne hat, das andere im Rumpf."

Seiner Einschätzung nach wird auch die Lärmbelastung dadurch nicht steigen im Gegenteil: "Das selbststartende Segelflugzeug wird unter Umständen sogar seltener starten als der Motorsegler." Vorhanden sei das Flugzeug ohnehin schon, eine Neuanschaffung sei also nicht geplant. Die ganze Aufregung um die Genehmigung kann Horst Habermann nicht nachvollziehen: "Da wird mit Kanonen auf Spatzen geschossen."