Lokales

Flora, Fauna, Geschichte und Nutzungsformen der Natur

Bei strömendem Regen wurde gestern der Natur- und Kulturlehrpfad rund um die Limburg offiziell seiner Bestimmung übergeben. In einer guten Stunde können Spaziergänger, Wanderer und Naturfreunde vom Parkplatz "Friedhof Weinsteige" aus Landes- und Stadtgeschichte, Nutzungs- und Kulturformen, Flora und Fauna und die Vogelwelt im international bedeutsamen Vogelbrutgebiet nachlesen und erleben.

RENATE SCHATTEL

Anzeige

WEILHEIM Weilheims Bürgermeister Hermann Bauer hatte schon 1998 die Idee des Regierungspräsidiums Stuttgart aufgegriffen, einen Natur- und Kulturlehrpfad am Albtrauf zu errichten und die Limburg vorgeschlagen. Der ökologisch wie geschichtlich einzigartige Hausberg 1990 zum Naturschutzgebiet erklärt wurde dann auch einstimmig vom Gemeinderat zur Anlegung eines Naturlehrpfades auserwählt. Wichtig war es dem Gremium, die Besucherströme zu lenken, um die übrigen schützenswerten Landschaftsflächen freizuhalten, machte Bürgermeister Bauer gleich in seiner Begrüßung deutlich.

Im Rahmen einer Hausarbeit hatten Katrin Scholderer und Olaf Kaiser zusammen mit Professor Küpfer von der Fachhochschule Nürtingen, Fachbereich Landespflege, den drei Kilometer langen Lehrpfad entworfen. Nun konnte die Planungsgruppe Ökologie und Information aus Unterensingen den Lehrpfad bezeichnen und mit hochwertigen Emaille-Tafeln ausstatten. Finanziell und fachlich unterstützt wurde die Gruppe durch die Bezirksstelle für Naturschutz und Landschaftspflege Stuttgart und die Stadt Weilheim. "Die Gesamtkosten blieben mit 40 000 Euro im Planungsrahmen", versicherte Hermann Bauer.

Auch seien für den Bau keine unmittelbaren Steuergelder geflossen, sondern Gelder, die im Zuge der Ausweisung neuer Baugebiete für Ausgleichsmaßnahmen angesammelt wurden. "Der Stadt Weilheim ist es ein Anliegen, dass Naturschutz, Eigentümer und Besucher keine Gegensätze sind, sondern in Einklang und Verständnis miteinander die einzigartige Landschaft nutzen und genießen können", bezeichnet Bürgermeister Bauer die Aufgabe des neuen Naturlehrpfades.

Professor C. Küpfer machte in seiner Einführung deutlich, dass die Kultur- und Naturlandschaft des Albgebietes einer aktiven Pflege und des Schutzes bedarf. Streuobstwiesen, Land- und Waldflächen seien bedroht. Wichtig sei, Konzepte zu entwickeln und die richtigen Leute zur Umsetzung zu finden. In Weilheim seien Konzept und Umsetzung nun vorbildlich praktiziert.

Auf einem gemeinsamen Rundgang konnten sich die Besucher von der Vielfalt der verschiedenen Informationsgruppen überzeugen und die Natur, nicht nur wegen des nicht nachlassenden Regens, bis unter die Haut erleben. Der Weg führt über den Lägerleweg auf der Ostseite der Limburg über die Mönchsteige durch die Weinberge und zurück zum Brünnele am Ende der Weinsteige. Zwölf hochwertige, lichtechte, ansprechend gestaltete Emaille-Tafeln informieren die Besucher über die Geologie des Albvorlandes und die Limburg als Vulkanpfropfen, über die Geschichte der Stadt Weilheim sowie die Geschichte der mittelalterlichen Zähringerburg. Mit insgesamt vier Tafeln wird auf den Streuobstbau am Albtrauf als Lebensraum vieler Tiere und Pflanzen eingegangen. Die besondere Nutzungsart des Obstanbaus im Streuobstbau ist für die Landschaft prägend und einmalig, jedoch sehr arbeitsintensiv.

Der Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins, Karl Bölz, machte unmissverständlich deutlich, dass der Streuobstbau viel Arbeit bereite, aber unwirtschaftlich sei. Die Stadt Weilheim ihrerseits unterstützt die Bewirtschaftung der Streuobstwiesen mit 2 Euro pro Liter Saft und kauft brach liegende Wiesen auf, um die Landschaft zu erhalten. Bis zu 3000 Tiere beleben das Biotop rund um die Limburg.

Das Streuobstgebiet wurde 1991 als "International bedeutendes Vogelschutzgebiet" ausgezeichnet und ist in seiner Einzigartigkeit über die Region hinaus von großer Wichtigkeit. Auf dem Naturlehrpfad werden die unterschiedlichen Stufen des Aufbaus der Schwäbischen Alb vom unteren Jura bis zum Albtrauf erklärt. Eine Tafel widmet sich dem Weinbau. Werner Kauderer vom Verein der Weinbergbesitzer konnte deutlich machen, wie sich die Landschaft durch den Rückgang des Weinbaus an der Limburg verändert hat. Waren es im Jahr 1618 noch 90 Hektar Fläche, auf der rund um den Weilheimer Hausberg Wein angebaut wurde, sind es heute gerade noch 2,7 Hektar. Der Ertrag wird in der Weingärtnergenossenschaft Hohenneuffen-Teck gekeltert.

Die letzte Tafel auf dem Rundgang ist ein Appell an alle Besucher und Nutzer: "Streuobstwiesen brauchen Pflege". Nicht nur durch Mähen, Bäume Schneiden oder Schafzucht rund um die Limburg, sondern auch durch den gezielten Kauf von Produkten aus dem Obstbau können die Streuobstwiesen erhalten werden. In seinem Schlusswort machte Regierungspräsidiumsmitglied Dr. Schädler dies nochmals deutlich: "Der Naturlehrpfad ist auch ein Wirtschaftsfaktor. Auf dem Pfad fragt sich der Besucher, wie denn der Wein schmeckt, der hier angebaut wird, möchte Most und Lammfleisch kosten, die Produkte aus der Landwirtschaft erwerben und die Stadt mit ihren historischen Gebäuden besichtigen."

Wissen in jeder Richtung aus dem Bereich der Heimatkunde werde durch den Pfad vermittelt und gleichzeitig durch die Besucherlenkung die Landschaft geschont. Der Lehrpfad sei ein Beispiel vorbildlicher Kooperation, versicherte er.