Lokales

"Flugfähiges Material" soll in die Halle

"Wo gehobelt wird, fallen Späne." Diese Redewendung hat auch im Industriezeitalter noch ihre sprichwörtliche Berechtigung, wie sich an einem Dauerkonflikt am Dettinger Ortsrand zeigt: Die Firma Schrott Bosch möchte weiter "hobeln" also shreddern , während die Anwohner die "Späne" also Lärm und Schmutz fürchten.

ANDREAS VOLZ

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DETTINGEN Zur besseren Beurteilung von Bauanträgen gibt es oft Ortstermine. Dennoch bezeichnete Dettingens Bürgermeister Rainer Haußmann ein Treffen bei der Firma Schrott Bosch als "außergewöhnlich in dieser Form": Zusammengefunden hatten sich außer dem Gemeinderat und Vertretern der Genehmigungsbehörden sowie des Industriebetriebs auch Anwohner der unmittelbaren Nachbarschaft, um sich über die geplante Erneuerung der Shredderanlage zu informieren.

"Was ist Gegenstand des Antrags, was sagen die Behörden zum jetzigen Zeitpunkt?" Diese Fragen galt es Bürgermeister Haußmann zufolge auf dem Gelände der Firma Schrott Bosch vordringlich zu klären und zu erklären. Es gehe darum, betonte Rainer Haußmann zu Beginn der Veranstaltung, offen zu sagen, was durch den Antrag und dessen mögliche Genehmigung fixiert wird und was nicht fixiert wird. Die Probleme der Anwohner sprach er offen an: "Es stehen Befürchtungen im Raum, dass später nicht alles so sein wird wie im Antrag formuliert."

Aus der Sicht des Geschäftsführers Ralf Bosch sind diese Befürchtungen unbegründet: "Ich versuche anhand der heutigen Maschine zu erklären, was wir tun", sagte der Enkel des Firmengründers und versicherte den Anwesenden: "Die neue Maschine wird dasselbe machen." Der beantragte neue Shredder werde also wie sein bisheriger Vorgänger den vorgeschnittenen Schrott weiter zerkleinern, säubern, sortieren und somit Höherwertiges daraus machen. Der Ausstoß der Anlage bestehe zu 90 Prozent aus Eisen, zu fünf Prozent aus Nichteisenmetallen, Gummi und Kunststoff sowie zu weiteren fünf Prozent aus der so genannten "Shredderleichtfraktion".

Shredderanlage, Generatoren, Mobilbagger, Lastwagen und der Verladevorgang verursachen Lärm. Für den Schmutz dagegen sorgt bei entsprechendem Wind vor allem die Shredderleichtfraktion. Diesen nicht verwertbaren Teil des geshredderten Schrotts beschrieb Ralf Bosch als "flugfähiges Material, das staubt". Es staube beim Umsetzen und beim Verladen. Zu diesem Punkt konstatierte der Geschäftsführer: "Die Firma Schrott Bosch verbessert die Situation für die Anwohner. Wir bauen eine große Halle für die Shredderleichtfraktion. Die Halle kostet rund 300 000 Euro und bringt uns eigentlich nichts. Wir machen das für die Anwohner."

Der Lärm dürfte sich durch den geplanten Hallenbau nicht spürbar reduzieren, weil auch der neue Shredder sein Material im Freien zermalmen würde. "Aus technischen Gründen ist es nicht möglich, alles einzuhausen", erklärte Ralf Bosch. Das Abfallprodukt jedoch, die Shredderleichtfraktion, würde sofort abgesaugt und über rundum eingehauste Förderbänder direkt in die Halle transportiert werden. Die Halle wiederum sei nur an zwei Stellen zu öffnen, an den beiden Toren zur Ein- und Ausfahrt der Lastwagen. Zu möglichen Befürchtungen der Anwohner, die Tore könnten ständig offen stehen, sagte Bosch: "Es ist in unserem eigenen Interesse, dass die Halle beim Beladen zu bleibt und nur geöffnet wird, wenn Bagger oder Lastzüge rein- und rausfahren."

Bei der Frage, warum die Firma Schrott Bosch ihren 15 Jahre alten Shredder nun durch eine wesentlich leistungsfähigere Anlage austauschen wolle, verwies der Technikleiter des Betriebs, Holger Burkhardt, auf den aktuellen Stand der Technik. Bei dem angestrebten Modell handle es sich um die "kleinstmögliche Anlage auf dem Markt". Durch die stärkere Antriebsleistung lasse sich zwar die Produktionsmenge pro Stunde steigern, aber das reduziere dann die Laufzeiten des Shredders, weil der Jahresausstoß gleich bleiben soll.

Bezüglich der Laufzeiten erwähnte Bürgermeister Haußmann die wichtigsten Inhalte des öffentlich-rechtlichen Vertrags zwischen dem Landratsamt Esslingen und der Firma Schrott Bosch. Darin sei eine Laufzeit des Shredders von maximal sieben Stunden täglich festgesetzt, an maximal sechs Arbeitstagen in der Woche. Hinzu kommen maximal 100 tägliche An- und Abfahrten von Lastkraftwagen, die Beschränkung der jährlichen Outputmenge auf 40 000 Tonnen und ein akustischer Immissionsrichtwert von 60 Dezibel. An diesen Zahlen würde auch eine neue Shredderanlage nichts ändern. Im Gegenteil, die Firma Schrott Bosch ist bereit, auf 5,5 Arbeitstage in der Woche zurückzufahren. Und auch beim Grenzwert für den Reststaubgehalt in der Abluft, der vor 15 Jahren nach der alten TA Luft (Technische Anleitung zur Reinhaltung der Luft) noch bei 50 Milligramm pro Normkubikmeter gelegen hatte und nach der aktuellen TA Luft bei 20 liegt, könne die neue Anlage einen Wert von 15 einhalten.

Rainer Haußmann betonte, dass die Festlegung von Grenzwerten für die Baugenehmigung und das Einhalten der Grenzwerte zwei verschiedene Dinge seien. Zunächst gehe es um die Genehmigung, und später müsse es möglich sein, "dass man objektiv ermittelt, ob ein Richtwert eingehalten wird oder nicht".

Zu prüfen, ob die Grenzwerte überhaupt eingehalten werden können, ist Sache der Gutachter, führte Siegfried Heilemann, der stellvertretende Leiter des Umweltamts am Esslinger Landratsamt, aus und fügte hinzu: "Wenn die Gutachten sagen, dass die Werte eingehalten werden können, dann müssen wir genehmigen." Die Behörde verlange die Gutachten, den Auftrag an einen genehmigten Gutachter müsse allerdings der Betrieb selbst erteilen. Noch einen weiteren Punkt stellte Heilemann vor Ort unmissverständlich klar: "Es geht nicht um die Frage, ob ein Shredder hier zulässig ist. Er ist zulässig, und die alten Genehmigungen sind für alle Beteiligten bindend."

Noch stehen die Ergebnisse der Gutachten zu Lärm und Staub aus. Anhand dieser Gutachten entscheiden die zuständigen Fachbehörden über den Bauantrag der Firma Schrott Bosch zum Austausch der Shredderanlage. Der Dettinger Gemeinderat kann dabei lediglich das kommunale Einvernehmen erteilen oder versagen, nicht aber die eigentliche Genehmigung. Auch eine Bebauungsplanänderung ist nicht möglich, weil es einen solchen Plan für dieses Gebiet gar nicht gibt, in dem Industrie und Wohnen in unmittelbarer Nachbarschaft aufeinandertreffen.