Lokales

Fluktuation ist zu groß

Im Jahr eins nach dem Hoyzer-Skandal sind keine Auswirkungen für die Schiedsrichterei im Amateurfußball spürbar so der Tenor bei der Hauptversammlung der Schiedsrichtergruppe Nürtingen in Frickenhausen, die sich nach eigenem Gusto alles in allem auf einem guten Weg befindet.

UWE BAUER

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FRICKENHAUSEN 174 aktive Unparteiische zählt die Gruppe Nürtingen derzeit. Sie leiteten in den zurückliegenden drei Jahren11 020 Begegnungen bis hinunter zu den D-Junioren. 109 Neulinge sind in dieser Zeit ausgebildet worden, 104 schieden allerdings auch wieder aus. "Die Fluktuation ist zu groß", erkannte Gastredner Rüdiger Bergmann vom Verbandsschiedsrichterausschuss die Problematik, "aber das ist in ganz Württemberg so." Dem Trend, dass immer mehr Schiedsrichter immer kürzer in einer der 41 Schiedsrichtergruppen des WFV bleiben, will man begegnen, deshalb werde die Schiedsrichtererhaltung und nicht die -gewinnung in den kommenden Jahren einen Schwerpunkt auf Verbandsebene darstellen.

In der Gruppe Nürtingen, deren Altersdurchschnitt 36,2 Jahre beträgt, wurde dies bereits so gehandhabt. Eine wichtige Rolle kommt in dieser Beziehung dem Vereinsschiedsrichterbeauftragten zu. Aber diese Position, vor Jahren geschwind aus dem Boden gestampft, existiert in vielen Klubs nur auf dem Papier. "Stillstand ist überall Rückschritt, nicht aber bei den Schiedsrichtern", stellte Bergmann klar, "es kommt nur auf die Zahl derer an, auf die man sich verlassen kann."

Die Stärkung des Ansehens des Schiedsrichters als Persönlichkeit und das Herausstellen des Unparteiischen als Mitstreiter in Sachen Fußball ist dem wiedergewählten Obmann Klaus Bühler ein wichtiges Anliegen. "Es wäre schon viel erreicht, wenn ein Umdenkungsprozess etwas vorankommen würde", sagte Bühler und spielte damit auf Funktionäre, Trainer, Betreuer und Eltern an, die den Anstoß dazu geben müssten. "Wie soll ein junger Spieler den Begriff Fair play gegenüber dem Schiedsrichter aufnehmen, wenn er die Schimpfkanonaden, Beleidigungen oder gar tätlichen Übergriffe hört und sieht", fragte Bühler. Dazu gehöre aber auch ein ehrlicher Referee, der zu einem Fehler stehe.

Die zunehmende Gewalt gegen Schiedsrichter hat auch den WFV auf den Plan gerufen. "Es war wichtig, dass ein Zeichen gesetzt wurde", sagte Rüdiger Bergmann, warnte aber gleichzeitig auch davor, Themen wie Wettskandal oder Gewalt als Ausreden bei der Gewinnung von Neulingen heranzuziehen. Ein wichtiges Feld für den Ausschuss der Gruppe Nürtingen ist die ständige Steigerung der Qualität der Leistungsschiedsrichter. Durch ständige Förderung und Coaching der Jugend hat man hier eine Blutauffrischung erreicht. Johannes Steck (Oberliga) und Steffen Müller (Landesliga) sind hier die Aushängeschilder, weitere junge Talente an der Pfeife stehen in der Bezirksliga und in der Kreisliga A unter Beobachtung. Zur positiven Entwicklung beigetragen hat hier die Einführung der Jungschiedsrichtergruppe, die Holger Böhm leitet. Neben ihm stehen auch noch Frieder Thiehoff, Harald Kuhn und Sezgin Coskun als Ansprechpersonen zur Verfügung. Dieses Quartett kann sich ganz gezielt um die Belange der Jungschiedsrichter kümmern. Außer Bühler und diesen Vieren gehören dem unveränderten Ausschuss der Gruppe Nürtingen noch Daniel Geywitz und Bernd Schraitle an.

Ein Dorn im Auge des Obmanns ist die fehlende Bereitschaft, an der Leistungsprüfung teilzunehmen, und der mäßige Besuch von Pflichtschulungen. Nur zwei Drittel aller Schiedsrichter nehmen regelmäßig daran teil. "Ein guter Schiedsrichter kann nur der sein, der sich regelmäßig weiterbildet", lautet Bühlers Credo. Längst nicht alle Referees, die aktiv pfeifen, sind daher für ihre Vereine anrechenbar. Unter Umständen werden sogar Bußgelder fällig. Konsequenzen gab es auch in Sachen fehlender Leistungsprüfung, diese Pfeifenmänner durften keine Spiele mehr von ersten Mannschaften leiten. Den über 11 000 geleiteten Partien stehen außerdem fast 1500 zurückgegebene Spielaufträge entgegen. "Diese nicht unerhebliche Zahl bereitet mir Sorgen", gestand Klaus Bühler. Besonders für die Einteiler Bernd Schraitle (Aktive) und Frieder Thiehoff (Jugend) bedeutet dies einen großen zusätzlichen Aufwand.