Lokales

Förderer der ökumenischen Zusammenarbeit

KIRCHHEIM Mit Bestürzung und Trauer haben nicht nur die Gemeindeglieder der Thomaskirchengemeinde im Süden der Stadt Kirchheim, sondern auch aus anderen Kirchengemeinden die Nachricht vom

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HARTMUT ELLINGER

Tod von Pfarrer Wilfried Krause aufgenommen. Sein Tod kam plötzlich, aber nicht überraschend. Er hatte seine Gemeindeglieder selbst über seine Erkrankung unterrichtet, die ihn seit vergangenen Sommer immer mehr an der Wahrnehmung seiner gottesdienstlichen, gemeindlichen und seelsorgerlichen Aufgaben hinderte.

Im Herbst 1985 wurde Pfarrer Wilfried Krause als dritter Pfarrer der jungen, erst 1966 gebildeten Thomaskirchengemeinde berufen. 1947 geboren, selbst aus einem Pfarrhaus stammend, hatte er nach Abschluss seines Theologiestudiums 1975 erste praktische Erfahrungen für das Pfarramt im Vikariat im Kirchenbezirk Esslingen und ab 1981 als Gemeindepfarrer in Esslingen-Berkheim gesammelt, die er an die Thomaskirche mitbrachte. Er traf eine Siedlungsgemeinde an, die so seine eigene Beschreibung "stark dadurch geprägt ist, dass hier Menschen unterschiedlichster Herkunft und Prägung zusammenleben, zum Teil auf engstem Raum in Wohnblöcken, viele Deutsche aus der DDR und verschiedenen Ländern des Ostblocks, daneben auch Einheimische. Es ist in unserem Stadtteil eine Anonymität der Bewohner deutlich zu spüren".

Dieser von ihm als Herausforderung empfundenen Situation stellte sich Pfarrer Krause zusammen mit dem Kirchengemeinderat. Er entwickelte Strategien und Konzepte, um diese Anonymität in der Kirchengemeinde selbst aufzulösen und von der Gemeinde aus in das Gemeinwesen der Siedlung hineinzuwirken. Dabei war und blieb für ihn der Gottesdienst das Zentrum aller kirchengemeindlichen Arbeit, in dessen Gestaltung unter Einbeziehung von Gemeindegliedern er viel Energie steckte. Die Mitbeteiligung von Gemeindegliedern auf allen Ebenen kirchlicher Arbeit war ihm ein Anliegen und noch vom Krankenlager aus hielt er Kontakt zu den Mitarbeitern. Seine reiche, auch theologisch durchdachte und begründete Gottesdienstpraxis machte sich die Landeskirche durch seine Berufung in die Liturgiekommission zunutze, wo er an der Erarbeitung verschiedener Gottesdienstbücher beteiligt war.

Über viele Jahre übte er die Aufgabe des Stadtjugendpfarrers in der Gesamtkirchengemeinde Kirchheim aus, arbeitete im Ausschuss des CVJM mit und unterhielt Kontakte zu den Mitarbeitern des Evangelischen Jugendwerks in Kirchheim. Überall war er ein wegen seiner hohen theologischen Kompetenz wie auch seiner nicht nur verbindlichen, sondern auch Gegensätze verbindenden Persönlichkeit geschätzter Gesprächspartner. Bei aller Konzentration auf den Gemeindeaufbau in seiner Thomaskirchengemeinde, verlor er nie den Blick für die größere Weite der christlichen Gemeinde, zunächst in den anderen evangelischen Kirchen in Kirchheim und im Dekanatsbereich, aber darüber hinaus auch in den anderen christlichen Kirchen und Konfessionen. Er war ein wesentlicher Förderer der ökumenischen Zusammenarbeit im Bereich der Südstadt, zusammen mit der Kreuzkirchengemeinde und der katholischen Gemeinde Maria Königin viele gemeinsame ökumenische Gottesdienste, Bibelwochen, Kinder- und Altennachmittage, die er mit gestaltete und begleitete, zeugen davon aber auch in der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen und Gemeinden (ACK) in der Gesamtstadt. Über viele Jahre nahm er dort das Amt eines der beiden Vorsitzenden wahr. Der seit vielen Jahren am Kirchheimer Stadtfest stattfindende ökumenische Gottesdienst trägt mit seine Handschrift. Für die ACK beteiligte er sich auch am interreligiösen Gespräch, besonders mit den muslimischen Mitbürgern, und überbrachte zum Ende des Ramadan verschiedentlich die Grüße der christlichen Gemeinden.

Pfarrer Wilfried Krause hat in den Jahren, die er in Kirchheim tätig war, vieles in Bewegung gesetzt und angestoßen, das weiterwirken wird. Er wurde dabei von seiner Frau und seinen Söhnen wesentlich unterstützt. Er hat durch seine Predigten und Gottesdienste, aber auch durch viele Besuche und seelsorgerlichen Gespräche bei der Begleitung von Menschen in freudigen und traurigen Lebenssituationen immer wieder die Hoffnung geweckt und gestärkt, dass Menschen getragen sind von der Liebe Gottes.

Dankbare Erinnerung begleitet sein Wirken, das ihm durch seine Krankheit und seinen Tod aus der Hand genommen wurde, das aber Spuren hinterlassen hat. Seine Familie darf sich in diesem großen Verlust von der Mittrauer und Anteilnahme vieler getragen wissen.