Lokales

Folgekosten belasten die klammen Kassen

Kalt war er, der Winter, schneereich dazu und er hat jetzt deutlich sichtbare Spuren hinterlassen: In diesem Frühjahr gibt es deutlich mehr Winterschäden, auch Frostaufbrüche genannt, auf den Straßen, und dies nicht nur im Landkreis Esslingen.

RUDOLF STÄBLER

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KREIS ESSLINGEN Inzwischen ist der Schnee weg, Flüsse, Bäche und Seen sind wieder aus der Winterstarre erwacht und zwischendurch konnten sich die Bürger schon einige Tage über die warmen Temperaturen erfreuen. Bei den Straßenbauern allerdings ist die Freude über den Lenz reichlich gedämpft. Immer mehr ist zu sehen, dass der lange Winter auf den Straßen im Kreis deutliche Spuren hinterlassen hat. Noch ist zwar das ganze Ausmaß der Winterschäden von Straßenbauamt und den einzelnen Kommunen nicht ermittelt, aber schon jetzt hat man viele der teuren Löcher registriert. Nach den hohen Ausgaben für den Winterdienst droht jetzt, und das nicht nur den ohnehin klammen Gemeindekassen, ein weiterer schwerer Brocken. Mühsam konnten die Haushalte in den Kommunen ausgeglichen werden wenn dann alle notwendigen Maßnahmen abgeschlossen sind, gibt es dann auch Löcher in den Haushalten. Die allerdings sind nicht mit ein paar Schaufeln Kaltmischgut zu beseitigen. Kämmerer und Gemeinderäte sind dann womöglich per Nachtragshaushalt gefordert, die Löcher per Umfinanzierung oder per Schuldenaufnahme zu stopfen.

Für die wachsende Zahl von Schäden gibt es verschiedene Gründe. Besonders sichtbar werden diese, wenn das Wasser, das im Winter in Risse und Hohlräume eingedrungen ist und sich dann beim Gefrieren ausgedehnt hat, im Frühjahr wieder abfließt. Dieser naturgemäße Vorgang wird zum einen dadurch gefördert, dass ein Großteil des Straßennetzes im Landkreis schon etliche Jahre auf dem Buckel hat und in einen schlechten Zustand gekommen ist. Der Erfahrungswert der Straßenbauer macht klar, dass eine normale Straße in einem Baugebiet wohl rund 30 bis 50 Jahre alt werden kann, wenn sie "in Ruhe" gelassen wird. Allerdings ist dies meist nicht der Fall. Es werden Versorgungsleitungen wie Gas und Wasser verlegt und auch die Telekommunikation hat auf den Straßen deutliche Spuren hinterlassen. So gibt es im Straßennetz viele erhebliche Verwundungen durch die so genannten Nahtstellen.

Jetzt rächt sich allerdings auch, dass in den vergangenen Jahren meist zu wenig Geld für die Instandhaltung des Straßennetzes ausgegeben wurde. So konnten meist nur "Flickarbeiten" durchgezogen werden und so war ein Substanzerhalt nicht möglich.

Klaus Ullrich, Sachgebietsleiter beim Straßenbauamt Kirchheim, hat nach einer reinen optischen Betrachtung mehr Schäden entdeckt als in den vergangenen Jahren. Allerdings sei eine Bezifferung in Euro oder Cent noch nicht möglich. Die Streckenkontrollen hätten zurzeit Kaltmischgut auf ihren Wagen und könnten so eine erste und, wie Ullrich betonte, nicht kostenintensive Sofortmaßnahme durchführen. Dass dieser Winter und jetzt auch der Frühling teurer werden, darüber gibt es beim Straßenbauamt keine Illusionen. "Mal sehen, ob das Budget ausreicht", trägt der Fachmann die Situation noch mit relativer Gelassenheit.

Auch eine Umfrage bei den einzelnen Kommunen der Teckregion brachte noch keine endgültigen Zahlen an den Tag. Die Tendenz ist allerdings eindeutig: In nahezu allen Gemeinden geht man in diesem Jahr von erheblich höheren Kosten aus. Eine Ausnahme ist da wohl die Gemeinde Notzingen. Bürgermeister Jochen Flogaus brachte zum Ausdruck, dass in der Gemeinde kaum mehr Schäden als in den vergangenen Jahren festzustellen sei. Er führt dies auf den hervorragenden Winterdienst seines Bauhofs zurück. "Alles wurde geräumt und gestreut, es gab kein Eis und auch keine Frostaufbrüche."

Auf kleiner Flamme kocht man auch in Schlierbach. Ein wenig mehr Schäden sind aufgetreten, aber im kleinen Rahmen. Martin Zimmert, Leiter des Geschäftskreises Hoch- und Tiefbauamt bei der Stadt Kirchheim, sah dagegen erheblich mehr Schäden als in den vergangenen Wintern. "Damit wird sich der Technische Ausschuss des Gemeinderats am Dienstag beschäftigen", weiß er zu berichten. Nicht nur mehr Frost-, sondern vor allem auch Wasserrohrbrüche hat Diplomingenieur Klaus Brunner bei der Stadt Weilheim festgestellt.

In Neidlingen hat der Bau- und Verkehrsausschuss bereits eine Ortsbegehung durchgeführt. Dort ging es allerdings nicht nur um Straßenschäden, sondern auch um die Uferbefestigung bei den Bachläufen. Sicher ist sich der Bürgermeister Kammerlander, das die Schäden "in normalen Jahren nicht so hoch waren". Sorgen hat auch Bissingens Bürgermeister Wolfgang Kümmerle in Anbetracht der Schäden. "Das sind mindestens 50 Prozent mehr als sonst. "