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"Folgekosten holen uns ein"

Wer investiert, um Energie zu sparen, legt das Geld gut an, betont die Kreistagsfraktion der Grünen mit Blick auf steigende Energiepreise. Diesen Grundsatz soll auch der Landkreis beim geplanten Erweiterungsbau fürs Landratsamt beachten. Falls nicht, befürchtet die Fraktionsvorsitzende Marianne Erdrich-Sommer: "Wir glauben, dass uns die Folgekosten gewaltig einholen."

KLAUS HARTER

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ESSLINGEN Die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen geht davon aus, dass sich der Kreistag beim Erweiterungsbau für eine Public Private Partnership entscheidet: Ein privater Investor errichtet das Gebäude, der Landkreis mietet es und übernimmt es nach 30 Jahren. "Angesichts einer solch langen Laufzeit kommt den Folgekosten eine zentrale Bedeutung zu", meint Erdrich-Sommer. Sie befürchtet, dass ein Investor, der die Betriebskosten nicht selbst tragen muss, in erster Linie an niedrigen Baukosten interessiert ist, aber nicht an ökologischen Standards. Das besondere Ausschreibungsverfahren erfordere beim PPP-Modell, die Anforderungen für eine energiesparende Bauweise schon detailliert im Ausschreibungstext zu formulieren, erklärte Kreisrat Andreas Schwarz. Spätere Korrekturen oder Nachverhandlungen seien nicht möglich.

Die Fraktionsvorsitzende hält es wegen des Klimawandels für dringend erforderlich, den Energieverbrauch zu senken. Den Grünen geht es aber nicht darum, in den Pulverwiesen in Esslingen ein ökologisches Prestigeobjekt zu erstellen. Entscheidend ist für sie, dass die Investitionen wirtschaftlich sind. Es gehe darum, mit intelligenten technischen Lösungen Energie zu sparen, erläuterte Kreisrat Jürgen Menzel. Er berichtete, dass sich die Stromkosten in ausgewählten Gebäuden des Landkreises 2006 um 70 000 Euro erhöhen, die Kosten für Wärme voraussichtlich um eine sechsstellige Summe.

Fachliche Unterstützung holten sich die Grünen beim Ingenieurbüro für Energieberatung, Haustechnik und ökologische Konzepte (Ebök) aus Tübingen. Ebök erarbeitete einen Anforderungskatalog für die Energiekonzeption. Dabei stützte sich das Büro auf Erfahrungswerte mit den Landratsämtern Reutlingen und Ludwigsburg sowie einem Bürogebäude in Ulm. Um die Wirtschaftlichkeit eines Gebäudes zu berechnen, müssen, so Ebök, neben den Investitions- auch die Betriebskosten, also der Energieverbrauch, herangezogen werden. Die Erfahrung zeige jedoch, dass das Augenmerk häufig auf die Minimierung der Investitionskosten gelegt werde. Bei nicht zum Wohnen genutzten Gebäuden seien die gesetzlichen Anforderungen relativ gering.

Eine Ebök-Studie zeige jedoch, dass besonders größere Bauwerke wirtschaftlicher seien, wenn der Energiestandard höher liege als die Anforderungen der Energieeinsparverordnung. Sogar Passivhausstandard ist bei großen Gebäuden oft wirtschaftlich erreichbar. Die Mehrkosten für höhere energetische Standards ist laut Ebök vernachlässigbar im Vergleich zu den gesamten Baukosten. Schon für 13 Euro pro Quadratmeter zusätzlich, weniger als ein Prozent der Baukosten, lasse sich der gesetzlich vorgeschriebene Wärmeschutz um 30 Prozent unterschreiten. Für ein beispielhaftes Verwaltungsgebäude hat das Fachbüro errechnet, dass sich bei 100 000 Euro Mehrkosten fürs Energiesparen über 30 Jahre 200 000 Euro an Energiekosten einsparen ließen. Die Einsparung erhöhe sich mit stark steigenden Energiekosten.