Lokales

Folgen einer zerbrochenen Scheibe

Lebenslänglich für eine zerbrochene Fensterscheibe? Das hat der Musikverein einem Jesinger Mitbürger zu verdanken, dem Posaunist Manfred Loy vor 40 Jahren die Fensterscheibe mit einem Fußball zerdeppert hat. "Wenn du zom Musikverein gohst, musch die Scheib net zahla", hieß es. Er tat es, blieb dabei und konnte somit bei der Winterunterhaltung die Ehrennadel in Diamant für 40 Jahre aktive Musikertätigkeit aus den Händen seiner Frau, Kerstin Loy, in Empfang nehmen.

KIRCHHEIM In ihrer Eigenschaft als Abgeordnete des Kreisverbandes der Blasmusik Esslingen konnte Kerstin Loy noch einen weiteren Musiker für gar 50 Jahre aktives Musizieren mit der diamantenen Ehrennadel und dem Ehrenbrief auszeichnen. Hornist Kurt Baur kam damals jedoch aus freien Stücken zum Verein und zeichnete sich in all den Jahren als "stiller Schaffer" aus. Er packt seit jeher dort mit an, wo es fehlt und unterstützte den Verein bisher nicht nur als Musiker sondern auch als Ausschussmitglied und Wirtschaftsführer. Für 30 Jahre fördernde Mitgliedschaft wurde Anna Bauer in die Riege der Ehrenmitglieder aufgenommen und rundete das Ehren-Kleeblatt charmant ab.

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Der Musikverein kann auf eine gelungene Winterunterhaltung zurückblicken. Ein hoch motiviertes Anfängerorchester unter der Leitung von Ulrich Hayler eröffnete den musikalischen Teil. Jung-Moderatorin Moana Jehl führte durch den ersten öffentlichen Auftritt dieser erst seit knapp neun Monaten agierenden Truppe, deren Weg im neuen Jahr in die ebenfalls in Topform spielende Jugendkapelle führen wird. Dirigent Gerd Keller hat mit nicht einfachen Musikstücken wie "Die glorreichen Sieben", "Gonna Fly Now", der Hymne aus den Rocky-Filmen, oder dem Pop- und Rock-Medley "Let me entertain you" von Robbie Williams das Optimum aus seinen jungen Musikern herausgeholt und mit dem Moderatoren-Duo Jessika Stiglmaier und Steffen Sigmund das Publikum zu rhythmischem Applaus animiert.

Da wurde gut vorgelegt für die Stammkapelle unter der Leitung von Uli Allgaier, der sein Programm den Musicals von den Anfängen, mit dem Einzugsmarsch aus der Operette "Der Zigeunerbaron", bis heute widmete und seiner Mannschaft so einiges abverlangte. Wie schon in den Jahren zuvor recherchierte Moderatorin Birgit Hayler in den Musikarchiven und konnte mit allerlei Wissenswertem zu den Musikstücken den Abend unterhaltsam bereichern. Die aus dem Shakespeare-Drama "Romeo und Julia" übertragene Handlung ins New York der 50er-Jahre hatte außer den Ohrwürmern "Maria" oder "America" auch einen durchdringenden "Knall-Effekt", der das Publikum aus den Sitzen schrecken ließ.

Sehr anspruchsvoll war das Arrangement zum Singspiel "Im weißen Rössl", das von Tempo- und Rhythmuswechseln nur so strotzte. Diese Frühform des deutschen Musicals verbindet die revueartig arrangierte Kombination aus Wienerischer Sentimentalität, alpenländischem Kolorit mit entsprechender Hemdsärmeligkeit und Berliner Schwank. Mit dem "Tanz der Vampire" tauchte Mann und Maus ab in die schaurig-schöne Welt, die kein Tageslicht verträgt.

Dass Weihnachtslieder nicht immer mit "Stille Nacht, heilige Nacht" in Verbindung gebracht werden müssen, zeigte die Stammkapelle im zweiten Teil ihres Musikprogramms. Mit "Cantique de No‰l", einem Ukrainischen Glockenweihnachtslied und dem fröhlichen Medley "A Happy Winter Holiday" wurde das schwungvolle Musikprogramm beendet. Viel Beifall fand auch das Theaterstück "0190 Hier spricht dr Opa".

pm