Lokales

Forderung "wenig sachlich"

Mit einem Brief an Esslingens Oberbürgermeister Dr. Jürgen Zieger hat Landrat Heinz Eininger auf die heftige Esslinger Kritik an der Einrichtung eines Linksherzkathetermessplatzes in Kirchheim reagiert.

ESSLINGEN Der Landrat weist die "Angriffe" im Schreiben von Esslingens Bürgermeister Schiebel an Mitglieder des kreisrätlichen Betriebsausschusses Krankenhaus vehement zurück und argumentiert. "Die teilweise falschen Angaben bedürfen der Richtigstellung."

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Der Anspruch des Klinikums Kirchheim-Nürtingen mit derzeit insgesamt 666 Planbetten, darunter 250 Betten in den Medizinischen Kliniken I und II, und die Qualität der erbrachten Leistungen stehen über dem bisherigen Leistungsniveau, betont der Kreischef. Durch die Festlegung von Schwerpunkten sei eine Spezialisierung sinnvoll und notwendig, weshalb der Krankenhausträger entschieden habe, innerhalb des Klinikums Kirchheim den Leistungsschwerpunkt Kardiologie anzubieten. Zum kompletten Leistunsangebot gehöre der Betrieb eines Linksherzkathetermessplatzes.

Der vom Kreistag neu gewählte Chefarzt Privatdozent Dr. Beyer habe als seitheriger Leiter des Herzkatheterlabors der Universität Tübingen seine hohe Fachkompetenz unter Beweis gestellt. "Er kann eine so hohe Zahl an diagnostischen und interventionellen Herzkatheterleistungen vorweisen, die jeden Zweifel an seiner persönlichen Qualität ausschließen", weist Landrat Heinz Eininger Angriffe Schiebels zurück. Dr. Beyer biete vielmehr die Gewähr, dass an einem Messplatz in Kirchheim höchste Qualität geboten werden könne.

Die von den Esslinger Vertretern bezweifelten Leistungszahlen für den Kirchheimer Raum seien keine Annahmen, sondern Leistungen, die von der Deutschen Kardiologischen Gesellschaft im Jahr 2003 für das Land ermittelt wurden. Weiter relativiert der Landrat im Gegenzug die Esslinger Leistungszahlen: Mit hoher Sicherheit müsse davon ausgegangen werden, dass auch bisher nicht alle Herzkatheterleistungen, die für die rund 200 000 Einwohner im Einzugsbereich des Klinikums anfielen, in Esslingen erbracht wurden.

Eininger nennt weiter konkrete Zahlen für die Häuser in Trägerschaft des Kreises: Im Jahr 2004 wurden insgesamt 648 Patienten aus den damaligen Kreiskrankenhäusern Kirchheim und Nürtingen zu diagnostischen und interventionellen Untersuchungen auf einen Messplatz verlegt. "Wären diese Leistungen im eigenen Hause erbracht worden, hätte hierfür ein zusätzlicher Erlös in Höhe von 964 000 Euro erzielt werden können." Das von den Gegnern angesprochene Kostenrisiko scheine also nach kurzer Zeit beherrschbar. Vielmehr reichten die für das Klinikum Kirchheim-Nürtingen im unmittelbaren Einzugsbereich anfallenden Herzkatheteruntersuchungen durchaus aus, um den Platz wirtschaftlich zu betreiben. Ohne diesen Platz hingegen wären finanzielle Ausfälle "in einem Umfang zu befürchten, die deutlich höher wären als die durch den Messplatz zusätzlich entstehenden Kosten", greift Eininger die mögliche Abwanderung von Patienten an andere Kliniken auf. Da auch ein Gutachter nicht auf anderes Zahlenmaterial zurückgreifen könne, erscheine die Forderung nach einem "neutralen" Gutachten "wenig sachgerecht.

Auch auf den Vorwurf, bei geringeren Fallzahlen nicht höchste Qualität anbieten zu können, geht der Landrat ein: "Es gibt keinen wissenschaftlich belegbaren signifikanten Zusammenhang zwischen dem Leistungsvolumen eines Zentrums und seiner Ergebnisqualität" verweist er auf aktuelle Studien und die in Kirchheim durchaus gegebenen empfohlenen Mindestmengen. Im Gegenteil: "Tatsache ist, dass bei einer frühzeitigen Intervention mehr Herzmuskelgewebe gerettet werden kann als nach einer längeren Warte- oder Anfahrtszeit." Gerade daher sei die Einrichtung eines Messplatzes im südlichen Landkreis auch angezeigt.

Was die Kooperation mit den Städtischen Kliniken anbelangt, spricht Eininger von hoffnungsvollen Ansätzen im Vorfeld und bekundet die Bereitschaft des Kreises zur Zusammenarbeit mit der in Esslingen geplanten Elektrophysiologie, in der Angiologie, beim Rufbereitschaftsdienst oder bei der gegenseitigen Nutzung der Messplätze sowie beim Einkauf von Material. "Es wäre schade, wenn wir diese Möglichkeiten der Zusammenarbeit ungenutzt ließen."

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