Lokales

Fotoreise ins chinesische Venedig

Ihr Bild von China konnten über 30 Besucher des Dettinger "Forums Altern" erweitern: Ulrike Uhrmann, die seit zwei Jahren in Shanghai lebt, ließ bei einem Vortrag über "Wasserstätten um Shanghai" hinter die Kulissen des Landes blicken.

DETTINGEN Die Lehrerin Ulrike Uhrmann lebt seit zwei Jahren in Shanghai. Ihr Mann leitet das dortige Repräsentanzbüro des Kirchheimer Unternehmens Keller Lufttechnik. Ulrike Uhrmanns Alltag ist zweigeteilt: Vormittags Büroarbeiten und nachmittags Unterricht an der deutschen Schule. Ihre knappe Freizeit verbringen die beiden "Langnasen" aus Deutschland mit dem Studium von Land und Leuten.

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Im Mittelpunkt des Bildreports in Dettingen standen die beiden altertümlichen Wasserstädte Jiading und Xitang im Jangtse-Delta. Dort war keine Spur von der erdrückenden Hektik des Molochs Shanghai zu spüren. Den Betrachtern tat sich ein "chinesisches Venedig" auf. Ein Gewirr von Kanälen mit regem Bootsverkehr, engster Häuserbebauung und malerischen Dachgärten faszinierte die Besucher. Wie sehr das Wasser den Lebensrhythmus bestimmt, zeigten Bildfolgen von Wäsche waschenden und Gemüse putzenden Frauen. Selbst der Tang, der aus den Kanälen geborgen wird, wird verzehrt. Luftgetrocknet soll er ein gutes Nahrungsergänzungsmittel sein.

Auf die Frage nach Hygiene kam die Antwort: "Die Menschen sind hier mit einer robusten Gesundheit ausgestattet." Auch einen Einblick ins Privatleben wurde der Referentin gewährt: Sie durfte ein Schlafzimmerinneres fotografieren. Was besonders auffiel, waren die vielen bunten Lampions an den Häusern. Hier verwies Ulrike Uhrmann auf deren Glücksbringerfunktion.

Malerisch auch die vielen kleinen Teestuben und Restaurants an den Kanälen. Selbst winzige Hausnischen nutzen die geschäftstüchtigen Einheimischen, um Waren anzubieten. Beeindruckt zeigten sich die Besucher der Vortragsveranstaltung von der chinesischen Gartenkultur. Tragendes Element sind hier Steine und Wasser. Keine der gezeigten Brücken verläuft gerade. Darauf angesprochen erklärte Ulrike Uhrmann: "Dies soll böse Geister vom Begehen abhalten." Die herrlichen Lotuspflanzen in den Teichen sind nicht nur für das Auge, sie dienen auch als Nahrungsmittel. Reiche Chinesen statten zudem ihre Gärten mit wunderschönen Pagoden aus. Eine weite Reise führte die Uhrmanns an die "wilde chinesische Mauer".

Sie befindet sich zirka 150 Kilometer von Peking entfernt und wird kaum von Touristen frequentiert. Sachkundige Führer aus den umliegenden Dörfern bieten dort ihre Dienste an. Sie ist nicht ganz gefahrlos zu begehen, reicht in schwindelnde Höhen, über gewagte Brückenkonstruktionen und verlangt eine gute Fitness ab. In die Realität zurückgeholt wurden die Besucher mit der Schattenseite von Shanghai. Ein Bild zeigte eine alte Frau vor der Shanghaier Skyline, die ihren Lebensunterhalt mit dem Sammeln von Müll fristet. Zum Abschluss entspann sich noch eine lebhafte Diskussion über das Schulsystem in China. Auch hier konnte Ulrike Uhrmann mit interessanten Details aufwarten. Sie wird in Kürze ihrem Mann nachfolgen, der bereits wieder in Shanghai ist.

pm