Lokales

Frauen in Kommunen

Die SPD-Landtagsabgeordnete Carla Bregenzer teilt mit: "Nach 86 Jahren Wahlrecht für Frauen werden diese in den Gemeinderäten allmählich mehr. Wenngleich noch Minderheit, sind sie doch nicht mehr zu übersehen oder gar zu überhören."

KIRCHHEIM Angesichts der Internationalen Frauentages zieht die SPD-Landtagsabgeordnete Bilanz über die Frauenbeteiligung in den kommunalen Gremien, die vor einem knappen Jahr neu gewählt wurden. Von 836 Gemeinderatsmitgliedern in den 44 Kommunen im Landkreis sind jetzt 188 Frauen, 16 mehr als in der letzten Amtsperiode, so das Ergebnis der Recherche bei den Bürgermeister-ämtern. "Mit rund 22,4 Prozent Frauenanteil liegen wir leicht über dem Landesergebnis von 20,8 Prozent", freut sich Carla Bregenzer, wenngleich sie keinen Anlass sieht, sich mit diesem Ergebnis beruhigt zurückzulehnen. "Wenn wir uns jetzt neben der lange einzigen Bürgermeisterin in Lichtenwald nun auch über eine Oberbürgermeisterin in Kirchheim freuen dürfen, können wir nicht zufrieden sein. Es gibt weiter viel zu tun."

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Mit diesem Frauenanteil haben die Kommunen im Landkreis Esslingen gegenüber Land und Bund ein wenig aufgeholt. Im Bundestag sitzen rund 32 Prozent und im Landtag gerade mal magere 22,6 Prozent Frauen. Dies zu verbessern wird in einem ersten Schritt die Aufgabe der Parteien in den nächsten Monaten sein, wenn die Nominierungen der Kandidatinnen und Kandidaten für den kommenden Landtag und Bundestag anstehen, die 2006 gewählt werden sollen.

Im Landkreis Esslingen ist bei 21 Kommunen der Frauenanteil gegenüber der vorigen Wahl gleich geblieben, in acht Kommunen gibt es ein oder zwei Frauen weniger, in 15 Gemeinden sind ein bis vier Frauen mehr in den Rat eingezogen. Insgesamt klafft die Frauenbeteiligung in den Gremien zwischen den Kommunen sehr weit auseinander. Spitzenreiter im Frauenanteil sind Wendlingen mit knapp 41 Prozent, Ostfildern mit 38,5 und Bempflingen mit 35,7 Prozent sowie Altbach, Denkendorf und Köngen mit jeweils 33,3 Prozent. Trotz neu angetretener Frauenliste hat es der Kirchheimer Gemeinderat nicht in die Spitzengruppe geschafft. Nur magere 20 Prozent der Räte sind Frauen. Nicht anders sieht es in Nürtingen aus, dort sind knapp 22 Prozent Frauen, in Filderstadt 28 Prozent, in Esslingen 30 Prozent, Leinfelden-Echterdingen 30,7 Prozent. Am unteren Ende und auch deutlich unter dem Kreis- und Landesschnitt rangieren Altdorf und Ohmden mit zehn Prozent, Unterensingen mit 14, Lenningen mit 15 sowie Kohlberg und Lichtenwald mit rund 16 Prozent Frauenbeteiligung.

Im Kreistag hat allerdings der Anteil der Frauen leicht abgenommen, waren es im letzten noch 19 von 98, sind es in dieser Amtsperiode nur 18 von 100. "Das muss sich bei der nächsten Wahl dringend ändern, denn auch Kreispolitik ist Frauenpolitik, etwa bei der Krankenhausplanung, den beruflichen Schulen, der Jugendhilfe und der Altenplanung, beim Straßenbau, der Abfallentsorgung", appelliert die SPD-Landtagsabgeordnete an die Parteien und Wählervereinigungen, rechtzeitig Frauen anzusprechen und für Kreispolitik zu interessieren. Gleiches gilt für die Region. "Wenn wir so langsam weitermachen, werden wir noch mal 86 Jahre brauchen, bis die Zahl der Volksvertreterinnen ihrer Anzahl in der Gesellschaft entspricht", sagt Carla Bregenzer, die nicht resignieren, sondern weiter für selbstverständliche Frauengleichberechtigung kämpfen will.

pm