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"Frauen müssen solidarisch sein"

Der Verein ist die kleinste Form der Demokratie zu dieser Erkenntnis war Marie-Luise Gräfin Leutrum zu Ertingen gekommen, als sie 1948 den Deutschen Landfrauenverband gründete. Die Demokratie zu entfalten, ist bis heute auch dem Kreis-Landfrauenverband Nürtingen ein Anliegen. 450 Frauen und Männer feierten in der Neckarhäuser Beutwanghalle das 40-jährige Bestehen des Kreisverbandes.

SYLVIA GIERLICHS

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NÜRTINGEN "Demokratie bedeutet, sich zu informieren, genau hinzuhören, mit zu entscheiden, sich einzumischen und Verantwortung zu übernehmen", griff denn auch die Kreisvorsitzende Doris Bopp das Thema auf, als sie die zahlreich erschienenen Ehrengäste und Landfrauen begrüßte.

"Im Schwäbischen zählt das 40er-Jubiläum mehr als jedes andere", begann Nürtingens Bürgermeister Rolf Siebert sein Grußwort. Dem Charme der Damen könne man sich kaum entziehen, wenn es darum ginge, Unterstützung für ihren Verband zu organisieren, zitierte er den Neckarhäuser Ortsvorsteher Willi Knapp und traf damit wohl voll ins Schwarze, denn zustimmendes Lachen aus dem Saal antwortete ihm. Siebert blickte auf die Gründungsjahre des Landfrauenverbandes zurück und streifte die Höhepunkte der Nürtinger Stadtgeschichte.

Mit der Ankündigung, 400 bis 500 Frauen kämen zur Jubiläumsveranstaltung, habe Doris Bopp ihn zum Kommen überredet, plauderte Landrat Heinz Eininger etwas aus dem Nähkästchen. "Das ist die größte Kundgebung zum Weltfrauentag, und das live hier in Nürtingen", meinte er. Kaum ein gesellschaftliches Thema, ob Alcopops, Brustkrebs oder Gentechnologie, ließen die Landfrauen unberührt. Neben dem kulturellen Engagement präge dies den Zusammenhalt in der Gemeinschaft. "Wir schätzen auch in den Kreisgremien den Rat der Landfrauen", wies Eininger auf das Engagement des Verbandes, beispielsweise in der Suchtprophylaxe, hin. Werde über die Vereinbarkeit von Familie und Beruf diskutiert, gehe es auch darum, wie man Frauen unterstützen kann. "Dies kommt viel zu kurz", meinte der Landrat. Frauen wollten nach Ausbildung oder Studium im Beruf bleiben, ohne dass die Familie zu kurz komme. "Aber es gilt auch, die zu unterstützen, die den anderen Weg gewählt haben und sich ganz der Familie widmen", gab der Kreischef zu bedenken.

"An diesem Tag gilt es, Dankbarkeit zu zeigen gegenüber den Frauen, die vor 40 Jahren so viel Weitblick bewiesen haben", erinnerte Friedlinde Gurr-Hirsch, Staatssekretärin im Landwirtschaftsministerium, an die 42 Frauen, die den Kreis-Landfrauenverein 1967 gegründet hatten. Die heute 18 Ortsvereine seien ein Bindeglied zwischen der landwirtschaftlichen und der nicht landwirtschaftlichen Bevölkerung. "Sie repräsentieren die Frau auf dem Land in ihrer ganzen Vielfalt und haben es geschafft, sich in einer sich schnell verändernden Welt zu positionieren." Zwischenapplaus erhielt Gurr-Hirsch für ihren Appell, Frauen sollten sich nicht gegeneinander ausspielen. "Ob Rabenmutter oder Hausmuttchen so viel sollte man Frauen zugestehen, dass sie sich alleine für ihren Weg entscheiden können", betonte sie. "Frauen müssen untereinander solidarisch sein." Im Hinblick auf den Weltfrauentag bezeichnete sie das Verhältnis zwischen den Geschlechtern zwar als entspannt, doch "wir sind noch lange nicht am Ziel, denn immer noch verdienen Frauen beispielsweise weniger als Männer".

Da die Präsidentin des Landfrauenverbandes Württemberg-Baden, Hannelore Wörz, kurzfristig absagen musste, verlas Renate Gölz vom Kreisverband deren Grußwort, in dem Wörz forderte, die Hauswirtschaft in den Lehrplänen der Schulen zu verankern. Die Zunahme beruflicher Möglichkeiten für Frauen habe Hauswirtschaft zu einem alten Zopf werden lassen, der aber heute in vielen Variationen neu geflochten werde.

25 Frauen, die bereits seit 40 Jahren Mitglieder im Kreisverband sind, bat Doris Bopp schließlich auf die Bühne, wo Friedlinde Gurr-Hirsch und Landrat Heinz Eininger in Arbeitsteilung die Ehrenurkunden überreichten.