Lokales

Frauen tasten sich an Umgang mit Stechbeitel und Bohrer heran

WEILHEIM Wie einen aus dem Leim gegangenen Stuhl wieder zusammenzimmern, dem tropfenden Wasserhahn Einhalt gebieten oder

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ANKE KIRSAMMER

dem Apfelbaum im Garten den Frühjahrsschnitt verpassen? Arbeiten, die in vielen Fällen Männer erledigen. Was aber, wenn kein Mann im Haus ist? Unter dem Motto "Selbst ist die Frau" greift in Weilheim im Rahmen des Seniorenforum-Programms das vermeintlich "schwache Geschlecht" derzeit selbst zu Schraubzwinge, Rohrzange und Baumsäge. Angeleitet werden die acht Frauen von Experten, meist Handwerker aus der Limburgstadt.

An diesem Abend hat Karl Mohring die Türen seiner Schreinerwerkstatt im Industriegebiet Tobelwasen geöffnet. Nach einer kleinen Werkstoffkunde werden die Ärmel hochgekrempelt: Es gilt, mit Leim versehene Kunststoffkanten auf eine Spanplatte aufzubügeln. Was beim Fachmann so leicht aussieht, erweist sich für die Teilnehmerinnen als knifflig: "Um die überstehende Kante zu brechen, nehmen wir am besten das Stecheisen", erklärt der Schreinermeister. Stück für Stück werden dann die überstehenden "Mäusezähnchen" mit dem gleichen, möglichst flach am Holz angelegten Werkzeug abgeschnitten. Ein mit Schmirgelpapier überzogener Holzklotz verleiht der Arbeit den letzten Schliff. Stolz bestaunen die Frauen das Werk: "Einwandfrei."

Auch Fragen wie "welcher Dübel passt zu welcher Schraube?" und "was mache ich mit einem ausgebrochenen Scharnier?" brennen den Teilnehmerinnen auf den Nägeln. Karl Mohring führt ihnen vor, wie einfach sich mit Hilfe einer Wasserwaage Regalschienen etwa für Speisekammer oder Waschküche anbringen lassen. "Mit einem Sechser-Bohrer kommt man durch die Öffnung durch", erklärt er, weist darauf hin, dass die Schrauben einen flachen Kopf haben müssen und bei Gipskartonplatten mit Hohlwanddübeln geschafft werden muss.

Teamarbeit ist bei einem aus Spanplatten zusammengeschraubten Schränkchen gefragt. "Wenig Gas geben wie beim Auto", lautet Mohrings Tipp, als die Frauen nacheinander zum Bohrschrauber greifen, erst auf einer angerissenen Linie Löcher bohren und dann die Schrauben hineindrehen, bis das "Gesellenstück" ein ansehnlicher Kasten zusammengebaut ist. Noch flugs mit einer Schablone die Löcher für die Fachträger gesetzt und die Böden hineingelegt. Mohring geizt nicht mit Lob: "Gut habt ihr's gemacht."

Inzwischen wissen die Frauen nicht nur, wie man mit einer Bohrmaschine umgeht, sondern sie haben in den vergangenen Wochen unter anderem gelernt, wie man Schimmel in Innenräumen beseitigt und wie sich das Sieb eines Wasserhahns von Kalkablagerungen befreien lässt. Ein Baumschnittkurs steht noch aus, ebenso eine Unterweisung in der Pflege von Haushaltsgeräten.

Im Rahmen eines Infoabends vor dem Start des Kurses hatte Initiatorin Erika Jahke abgeklopft, wo es bei den Frauen am meisten hapert. "Unser Schulunterricht hat uns stark auf unsere Rolle als Frau fixiert", gibt die Mitt-Sechzigerin zu bedenken. In den Vierziger- oder Fünfziger- Jahren Frauen mit handwerklichen Berufen vertraut zu machen, wäre völlig undenkbar gewesen. Die jüngeren Gesichter in der Runde zeigen, dass vielfach auch die Frauen der nächsten Generation nicht das Anschließen von Lampen oder den Umgang mit der Bohrmaschine gelernt haben.

Weil umgekehrt viele ältere Männer in der Haushaltsführung oftmals völlig überfordert sind, wenn ihre Partnerin aus welchem Grund auch immer ausfällt, hatte das Seniorenforum im vergangenen Herbst unter dem Titel "Männerwirtschaft" Interessierten eine Schnellbleiche in Sachen Kochen, Nähen, Waschen und Bügeln verabreicht.

INFOAm Freitag, 3. März, treffen sich die Teilnehmerinnen von "Selbst ist die Frau", um sich von Karl Bölz das Schneiden von Bäumen zeigen zu lassen. Treffpunkt ist um 14 Uhr vor dem Weilheimer Bürgerhaus. Willkommen sind dazu auch neue Gesichter. Das Angebot richtet sich auch an jüngere Frauen. Bei schlechtem Wetter wird der Kurs auf den darauffolgenden Freitag verschoben. Nähere Infos erteilt Erika Jahke unter 0 70 23/23 44.