Lokales

„Freiwillig in die Pflicht nehmen lassen“

Die Kirchheimerin Waltraud Müller erhält für ihren Einsatz gegen Morbus Crohn das Bundesverdienstkreuz

Ministerpräsident Günther Oettinger hat 25 verdienten Baden-Württembergern im Neuen Schloss in Stuttgart das Bundesverdienstkreuz überreicht. Eine der Geehrten war Waltraud Müller aus Kirchheim. Sie engagiert sich für Betroffene, die an Morbus Crohn leiden.

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Kirchheim. „Sie alle haben auf Ihre ganz persönliche Weise und in unterschiedlichen Bereichen Bürgersinn und Gemeinschaftsgefühl gezeigt. Ohne Ihren Einsatz würde es dem Leben in unserem Land an Wärme und Herzlichkeit, an Schwung und Gestaltungskraft fehlen. Sie leisten täglich Ihren Beitrag dazu, dass es in unserer Gesellschaft nicht nur ein Nebeneinander, sondern ein Miteinander gibt“, sagte Ministerpräsident Oettinger. Es stehe außer Frage, dass der Zusammenhalt in der Gesellschaft und vor Ort ganz entscheidend von ehrenamtlich Engagierten erhalten und gefördert werde, unterstrich der Ministerpräsident. „Sie haben sich freiwillig in die Pflicht nehmen lassen. Nicht in Form eines nur flüchtigen Engagements, sondern über Jahre und Jahrzehnte hinweg. Was Sie in Ihrer freien Zeit an Initiative, Fantasie und Tatkraft investiert haben und noch investieren, kommt uns allen zugute“, erklärte Oettinger.

Waltraud Müller setzt sich seit über 25 Jahren für Patienten ein, die an Morbus Crohn, einer chronisch entzündlichen Darmkrankheit, leiden. 1982 gründete sie eine Selbsthilfegruppe, die Keimzelle der Deutschen Colitis-Crohn-Vereinigung (DCCV). Sie engagierte sich in hohem Maße, damit die DCCV heute als bundesweit und darüber hinaus agierende Selbsthilfe-Vereinigung wirken kann. Seit 1989 ist sie Vorsitzende des Landesverbands Baden-Württemberg der DCCV.

Waltraud Müller hat mittlerweile zahlreiche Forschungsprojekte angestoßen. Ein besonderes Anliegen war ihr die Gründung von Kinder- und Jugendgruppen, denn gerade Eltern stehen vor großen Problemen, wenn ihre Kinder erkrankt sind und ihnen vermittelt werden muss, dass die Krankheit nach dem derzeitigen Stand der Medizin nicht heilbar ist.

Sie hat sich für den Erfahrungsaustausch und tatkräftige praktische Hilfe eingesetzt, zumal der Einstieg ins Berufsleben für junge Erkrankte erschwert ist. Weitere Initiativen wie Arzt-Patienten-Gespräche, die Vereinszeitschrift „Bauchredner“ sowie die Gründung des Behindertenverbands für Darmkrankheiten waren wichtige Ecksteine, den Betroffenen Hilfe zur Selbsthilfe anzubieten und sie an die „Normalität des Lebens“ anzunähern. pm