Lokales

Freud und Leid in den Ortsteilen

Die vier Ortsvorsteher weisen in der Haushaltsdebatte auf Wünsche der Ortschaftsräte hin

Die Ortsvorsteher nutzen die Haushaltsdebatte traditionell dazu, die Sorgen und Wünsche ihrer Teilorte im Kirchheimer Gemeinderat darzustellen. Während die Vertreter der westlichen Teilorte Ötlingen und Lindorf diesmal vor allem mit Wunschlisten aufwarteten, zeigten sich ihre Kollegen aus den östlichen Teilorten Jesingen und Nabern zufrieden über die Großprojekte Ortskernsanierung und Gießnauhalle.

Irene Strifler / Andreas Volz

Kirchheim. Sehr zufrieden zeigte sich Jesingens Ortsvorsteher Johannes Züfle. Der vorliegende Haushaltsplanentwurf sei für die Ortschaft Jesingen „ein großer Wurf“, was vor allem an den Aufwendungen liege, die der Haushaltsplan für die Umgestaltung der Ortsmitte vorsieht. Für die Ortskernsanierung seien im kommenden Jahr fast 1,3 Millionen Euro eingeplant, für die weiteren Jahre noch einmal 1,5 Millionen. Für den Erwerb von Grundstücken im Sanierungsgebiet seien ebenso Haushaltsmittel bereitgestellt wie für die Zuschüsse an Privatpersonen zur Modernisierung ihrer Gebäude. Ein besonderes Gebäude in der Ortsmitte Jesingens ist das Rathaus, dessen Zukunft die Verwaltung gemeinsam mit einem Investor vorantreiben wolle.

Zur „Stadtentwicklungsplanung im weiteren Sinne“ erinnerte Johannes Züfle an die Schulentwicklungsplanung, bei der „das Jesinger Herz“ im laufenden Jahr schwer gelitten habe. Im Kindergartenwesen setze die Ortschaft darauf, dass ein Ganztagesangebot in Jesingen eingeführt wird, „sobald die Kinderzahlen dies zulassen“. Die Lärmaktionsplanung wiederum halte „die alte Forderung nach einer Umgehungsstraße“ weiter aktuell. Der Ortschaftsrat setze große Hoffnungen in eine Aktivierung des Autobahnanschlusses Holzmaden. Die Jesinger Ortsdurchfahrt werde dann nicht mehr so stark für den Durchgangsverkehr genutzt. Ortsvorsteher Züfle bat den Gemeinderat an dieser Stelle um Unterstützung – „damit die am stärksten belastete Straße in ganz Kirchheim endlich entlastet wird“.

Mehr als zufrieden – nämlich hoch erfreut – war Naberns Ortsvorsteher Clemens Moll, der in seiner Haushaltsrede gleich am Anfang verkündete: „Die Freude über den Haushaltsplanentwurf in Nabern war groß.“ Lange Jahre der Sparsamkeit und Zurückhaltung, der Unterordnung für ein Ziel hätten sich gelohnt. Aus Naberner Sicht stehe der Haushalt voll unter dem Motto „Neubau Gießnauhalle“. Während des gesamten Planungsprozesses mit dem Hallenausschuss und dem Ortschaftsrat sei das Ziel der Kostenobergrenze in Sichtweite geblieben: „Jede Position auf der Wunschliste wurde auf die absolute Notwendigkeit überprüft.“ Auch dabei habe sich Nabern im Verzicht bewiesen, „um das so wichtige und bedeutende Gesamtkonzept nicht zu gefährden“.

Clemens Moll ist also zuversichtlich, die Kostenobergrenze von 2,981 Millionen Euro einhalten zu können. Einstimmig beantrage der Ortschaftsrat nun den vorzeitigen Baubeginn. Sollte der Landeszuschuss erst einmal ausbleiben, lasse er sich nachträglich ein weiteres Mal beantragen. Weil der Neubau der Gießnauhalle für die Stadt Kirchheim mit einer großen finanziellen Anstrengung verbunden sei, wolle die Ortschaft auch für die Einnahmen der Stadt sorgen. Clemens Moll zählte die verschiedensten Grundstücke in Nabern auf, deren Verkaufserlöse die Einnahmenseite stärken und zur Refinanzierung des Neubauprojekts beitragen sollen.

Einen wichtigen Wunsch, der zwar nicht mit der Halle, dafür aber mit dem Sport zusammenhängt, hatte der Naberner Ortsvorsteher noch vorzubringen. Für die Sportanlage „Oberer Wasen“ sei ein Sanierungskonzept dringend erforderlich: „Seit Jahren schon müssen wir Spiel- und Trainingsausfälle hinnehmen.“

Als „unausgewogen“ bezeichnete Ötlingens Ortsvorsteher Hermann Kik den Haushaltsplan. Unausgewogen deshalb, weil Ötlingen in punkto Investitionen auch heuer zu kurz komme. An vorderster Stelle nannte der Ortsvorsteher die Eduard-Mörike-Halle. Diese bejahrte „Mehrzweckhalle“ biete entgegen ihrer Bezeichnung keinerlei Räume für kulturelle oder sonstige festliche Veranstaltungen. Der Gemeinderat sei, was die Entwicklung der Halle anbelange, über markige Sprüche nicht hinausgekommen. Kik skizzierte die Gefahr, dass das Ziel, eine vernünftige Mehrzweckhalle zu bekommen, ins Wasser falle. Gleiches befürchte er für die in Ötlingen angedachte Mensa samt Ganztagesschule.

Was die ersehnte Ortsumfahrung angeht, so habe er bereits als junger Bursche im Rahmen einer Bürgerversammlung in Ötlingen davon gehört, berichtete der versierte Kommunalpolitiker. Seither habe es nichts als Absichtserklärungen gegeben, ernsthafter Willen, eine Umfahrung anzugehen, sei nicht zu erkennen. Dafür wirkten die städtebaulichen Entwicklungen im Kernstadtbereich der gewünschten Verringerung des Verkehrs in Ötlingen diametral entgegen. Events wie verkaufsoffene Sonntage lassen den Stadtteil verschärft an Lärm und Gestank leiden.

Manches vermerkte der Ortsvorsteher auch positiv: Zum einen ist dies die Nachfolgeregelung für den ehemaligen Plus-Markt (Bericht dazu folgt), der Umbau am Bahnhof, die geplante Ausweisung eines Sanierungsgebietes und vor allem die Überarbeitung des Bebauungsplanes „Halde 1“, wodurch der Verkauf angekurbelt werden soll. Auch für den Bauplatz am Rathaus erhofft sich der Ortschaftsrat neue Rahmenbedingungen in Kubatur und Preis, um die Vermarktung der brachliegenden Fläche zu erleichtern.

Mit dem Thema Straßen und Verkehr hat auch Lindorf, der kleinste Stadtteil Kirchheims, Probleme. Ortsvorsteher Manfred Haack betonte die Dringlichkeit eines Umbaus des Kreu­zungsbereichs im Ortskern. Dieser sei viel zu groß, unübersichtlich und unfallträchtig. Der Ortschaftsrat setzt auf eine Neuplanung. Die Umbaumaßnahmen sollten im Finanzierungsplan 2011 festgehalten werden. Ein weiterer wichtiger Punkt in Sachen Verkehrssicherheit betreffe die Planung eines Fuß- und Radweges entlang der Reuderner Straße in Richtung Bürgerseen. Dies wäre eine Ergänzung zu den Radwegen Tiefenbach und entlang der B 297. Da die EnBW derzeit die Freileitung bei der Firma Waggershauser in den Boden legen wolle, sei der Zeitpunkt für den Radweg optimal.

Ein weiterer Wunsch des Ort­schaftsrates besteht darin, ein Bild des Kunstmalers Fritz Rommel im Rathaus aufzuhängen. Manfred Haack sprach die Hoffnung aus, ein Bild des Lindorfer Künstlers käuflich erwerben zu können.

Anzeige