Lokales

Freunde, Spielgefährten und Therapeuten

Ob Wolf, Hund, Katze oder Pferd Tiere spielen seit jeher eine zentrale Rolle im Leben der Menschen. Daran hat sich auch bis heute nichts geändert. Die besondere Beziehung zwischen Mensch und Tier möchte eine Serie des Teckboten beleuchten, die in lockerer Folge Herrchen und Frauchen aus der Region zusammen mit ihren tierischen Lieblingen vorstellt.

BIANCA LÜTZ

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KIRCHHEIM Statistiken zufolge gibt es in Deutschland rund 23 Millionen Haustiere. Auf der Beliebtheitsskala ganz oben stehen nach wie vor Katzen und Hunde, viele Menschen halten sich aber auch andere, teilweise außergewöhnliche Arten. Was aus ihrer eigenen Erfahrung das Geheimnis der Beziehung zwischen Mensch und Tier ist, warum Hund, Katze und Co. so stark in der Gesellschaft verankert sind und was die Tierhaltung alles mit sich bringt, dazu hat der Teckbote einige Mitarbeiter von Behörden und Ämtern der Umgebung befragt, die selber Tiere haben. Sie werden im Rahmen der Serie "Mensch & Tier" zusammen mit ihren tierischen Partnern in den kommenden Wochen in lockerer Folge vorgestellt.

Von Berufs wegen beobachtet Dr. Andrea Beetz die Beziehung zwichen Herrchen, Frauchen und ihren Lieblingen. Die Diplompsychologin doziert unter anderem an der Universität Erlangen und beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit der Interaktion von Mensch und Tier. "Tiere haben heute hauptsächlich eine emotionale Bedeutung im Gegensatz zu früher, als sie genutzt wurden", weiß Beetz. Das Bedürfnis, eine Beziehung zu Natur und Tieren aufzubauen, ist den Menschen offenbar angeboren.

Besonders positiv ist ihrer Ansicht nach die beruhigende Wirkung eines Haustiers auf seinen Halter. Ein Tier kann seinem Halter dabei helfen zu entspannen und Stress abzubauen. Aber auch die Rolle als Spielpartner, als Sportgefährte, als Begleiter oder Therapeut können Tiere ausfüllen. Es gibt sogar Studien, die belegen, dass Tierhalter allgemein gesünder sind als Menschen, die kein Haustier besitzen: "Tiere haben eine positive Wirkung auf Blutdruck, Herz und Kreislauf. Außerdem gibt es psychische Effekte, die für mehr emotionale Stabilität sorgen", weiß Andrea Beetz und fügt hinzu: "Tiere geben Menschen das Gefühl, dass sie gebraucht werden." Mit einem Tier im Haus ist meist auch die Einsamkeit passe. Dabei spielt es auch keine Rolle, ob Hund oder Katze, Wellensittich, Meerschweinchen oder Hamster zur Familie gehören.

Auch ganz junge und ganz alte Menschen können von Tieren profiteien. "Kinder und Tiere sind eine wunderbare Kombination", schwärmt Andrea Beetz. Wächst der Nachwuchs mit Tieren auf, lernt er Verantwortung zu übernehmen, verbal und nonverbal mit anderen zu kommunizieren und legt oftmals eine höhere emotionale Stabilität an den Tag als Gleichaltrige, die kein Haustier haben.

"Immer mehr sind Tiere auch in Altersheimen erlaubt oder es werden Tierbesuchsdienste eingerichtet", geht Andrea Beetz auf eine Entwicklung ein, die auch im Kirchheimer Raum zu beobachten ist. Wichtig ist ihrer Ansicht nach vor allem die Möglichkeit zu positivem Körperkontakt, den Senioren oft vermissen. "Vielen älteren Menschen fällt die Kommunikation mit anderen schwer. Tieren können sie einfach erzählen, wenn es ihnen schlecht geht, ohne dass ihr Leiden heruntergespielt wird."

Auch die Wahl des Tieres sagt der Diplompsychologin einiges über den Menschen. "Hundebesitzer sind oftmals eher traditionell orientiert. Menschen, die Katzen haben, sind eher künstlerisch veranlagt und freiheitsliebend." Reiter genießen es Studien zufolge, Einfluss auf ihr Tier zu nehmen, Liebhaber von Exoten sind oft machtorientiert, lieben das Außergewöhnliche und das Spiel mit der Gefahr.

Zwar suchen sich viele Menschen ihren tierischen Gefährten der Psychologin zufolge nach dem Prinzip "Gleich und Gleich gesellt sich gern" aus. Aber auch die "symbolische Selbstergänzung" kann eine große Rolle spielen, wie Studien zeigen. "Darum ziehen oft kleine Frauen mit riesigen Hunden rum", nennt Andrea Beetz ein Beispiel. "Das Tier ergänzt also, was der Mensch selbst nicht hat."