Lokales

Freundschaft trägt reiche Früchte

Eine besondere Freundschaft verbindet die Menschen im Lenninger Tal seit mehr als zwei Jahrzehnten mit dem Städtchen Pouilly-en-Auxois. Zwischen Franzosen und Schwaben ist in dieser Zeit ein enges Verhältnis geknüpft worden. Wie stark die Bande sind, zeigte sich einmal mehr am vergangenen Wochenende, als die Lenninger zusammen mit den Freunden aus Burgund das 20-jährige Bestehen der Partnerschaft feierten.

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NICOLE MOHN

Lenningen. Freudig strahlte Bürgermeister Michael Schlecht in die Runde, als er am Samstagvormittag ans Rednerpult trat: So viele Gäste waren in die Turn- und Festhalle in Unterlenningen geströmt, um am offiziellen Festakt und der Erneuerung der Partnerschaftsurkunde anlässlich des Jubiläums teilzuhaben. Aus Burgund hatte sich sogar eine Gruppe des Radsportvereins per Rad auf den Weg gemacht. „Chapeau dafür“, zog Schlecht vor den Sportlern, die 550 Kilometer in den Beinen hatten, respektvoll den Hut.

Doch nicht nur per Rad waren die Freunde aus Frankreich angereist: Eine große Delegation mit Bürgermeisterin Monique Garnier und der Vorsitzenden des Partnerschaftsausschusses Pouilly-en-Auxois, Annick Debois, durften die Lenninger anlässlich des Jubiläums begrüßen. Mit dabei einige der burgundischen Künstler, die am Wochenende im „Schlössle“ ihre Werke zeigten.

Viele neue Gesichter also, wie auch die Vorsitzende des Lenninger Partnerschaftsausschusses, Inge Schuster, freudig feststellte. „Zeigt es doch, dass unsere Bemühungen, die Partnerschaft auf eine breitere Basis zu stellen, Früchte tragen“, erklärte sie zufrieden. Und auch Annick Debois zeigte sich zufrieden mit den neuen Impulsen, die man in etlichen Arbeitstreffen in den zurückliegenden zwei Jahren ausgearbeitet hatte.

1988 war es, als die Verbindungen zwischen Schwabenland und dem alten Herzen Europas offiziell geschlossen wurden. „Eigentlich feiern wir also heute 20 plus eins Jahre Partnerschaft“, gab Schlecht in seiner Festrede zu. Die Verbindungen zwischen den beiden Kommunen reicht aber bereits ein Vierteljahrhundert zurück. 1984 streckte die Lenninger Realschule ihre Fühler nach einem Partner für ein Schüleraustauschprogramm aus und wurde in Pouilly-en-Auxois fündig. Schnell entstanden aus den schulischen Kontakten Freundschaften zwischen den Familien. Und schon im Juni 1985 reiste eine Delegation aus Lenningen nach Burgund. „Wir waren sehr angetan von der Gastfreundschaft und der lieblichen Landschaft – und der Cuisine de Bourgogne“, erinnerte sich Lenningen Altbürgermeister Gerhard Schneider in seinem Rückblick.

Doch es gab anfangs durchaus Zweifel, ob es gut gehen würde mit der Freundschaft zwischen der Flächengemeinde und seinen rund 8 000 Einwohnern sowie 35 Vereinen und dem kleineren Städtchen auf französischer Seite. Nach drei Jahren Probezeit aber war klar: Hier wächst was heran, was tragen kann.

Die Geschichte hat den Vätern der Partnerschaft recht gegeben: „Aus dem zarten Pflänzchen ist ein stattlicher Baum geworden, der reiche Früchte trägt“, würdigte Schlecht in seiner Rede die erfreuliche Entwicklung, die die Freundschaft zwischen Lenningen und Pouilly-en-Auxois seit 1988 genommen hat. Er betonte die Bedeutung dieser menschlichen Verbindung für das Zusammenwachsen der Europäischen Union und für das gegenseitige Verständnis und Mitein­ander zwischen den Nationen. Sein besonderer Dank galt jenen, die diese Verbindung aufgebaut haben und mittragen. Er mahnte aber auch an, dass eine Partnerschaft der Pflege und der Arbeit bedürfe.

Auch seine französische Kollegin Monique Garnier stellte die Wichtigkeit der interkulturellen Begegnungen heraus, die Grundlage für Frieden und Freundschaft und für ein Netz der Solidarität zwischen den Völkern in Europa seien. Vor allem für die Jugend sei diese Erfahrung von großer Bedeutung: „Eine europäische Generation ist geboren“, erinnerte sie an Möglichkeiten zum Lernen, Studieren und Arbeiten im europäischen Ausland, die sich jungen Menschen heutzutage bieten. Und so ist heute wie schon 1988 die Schule eine wichtige Säule der Partnerschaft zwischen Pouilly und Lenningen. „Freundschaft zwischen den Völkern lebt nur durch die Freundschaft zwischen den Menschen“, so Klaus Erlenmaier von der Realschule Lenningen, „Wir sind froh, dass die Schule dazu einen Beitrag leisten kann.“

Würdigungen erfuhren am Samstag im Rahmen des Festakts vor allem die Väter und „Paten“ der kommunalen Partnerschaft, wie es Bürgermeister Schlecht ausdrückte. Besonders geehrt für sein Engagement um die Städtepartnerschaft wurde Bernard Laurent. Aus den Händen von Bürgermeister Schlecht erhielt er die bronzene Ehrennadel der Gemeinde Lenningen.

Der Festakt, musikalisch stimmungsvoll umrahmt von dem Querflötenquartett „Silbertöne“ der Musikschule Lenningen, war Auftakt zu vielen Begegnungen und Aktionen im Rahmen des Jubiläumswochenendes. Mit dem Fest auf deutscher Seite sind die Feierlichkeiten rund um das 20/21-jährige Bestehen allerdings noch nicht beendet: Im September wird eine große Lenninger Abordnung in Pouilly zu einem Festwochenende erwartet. „Die Vorbereitungen laufen schon“, verriet Annick Debois.