Lokales

Freundschaft und Frieden über die Gräber hinweg

Eine Delegation aus Holzmaden unter der Leitung von Bürgermeister Jürgen Riehle reiste in der vergangenen Woche in die Champagne, um dort an den jährlich stattfindenden Gedenkfeiern in der Partnergemeinde Connantre teilzunehmen.

RAINER STEPHAN

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CONNANTRE/HOLZMADEN Die Zeremonien auf dem deutschen Soldatenfriedhof, am Ehrenmal für die Toten vor der Kirche und auf dem Gemeindefriedhof erinnerten an die Opfer von Krieg und Gewalt. Dabei wurde auf die lang währende Freundschaft zwischen den beiden Gemeinden und Friedenszeit unter beiden Völkern hingewiesen.

Es wäre für die verstorbenen Partnerschaftsveteranen Theodor Kneile, Ernst Linsenmayer und Karlheinz Rehm eine Freude gewesen, zu sehen, was 33 Jahre nach Beginn der freundschaftlichen Beziehungen mit Connantre Realität ist: Deutsche und Franzosen freundschaftlich vereint im Wissen um eine gute Partnerschaft und ein friedliches Zusammenleben beider Völker. Die seinerzeit nicht einfachen Bemühungen um die Aufnahme von Beziehungen zwischen Holzmaden und Connantre wurden seitdem von Menschen und Vereinen mitgetragen. Heute können Bürgermeister Antoine Subtil, Roland Collard und Roger Andrieux auf Connantrer Seite sowie Altbürgermeister Otto Vogt, Adolf Maier und Erwin Münsinger aus der Urweltgemeinde die Früchte ihrer Pionierarbeit sehen.

Bürgermeister Subtil begrüßte am 11. November, dem Jahrestag des Waffenstillstands, der 1918 im Wald von Compiègne unterzeichnet worden war, eine Holzmadener Delegation auf dem deutschen Soldatenfriedhof in Connantre. Auf diesem haben 8 930 Soldaten des 1. Weltkriegs, die überwiegend während der Marne-Schlacht gefallen sind, ihre letzte Ruhestätte gefunden. Seit der feierlichen Besiegelung der Partnerschaft legen die Connantrees alljährlich ein Gebinde im Gedenken an die deutschen Soldaten nieder.

In seiner Rede am Ehrenmal für die Gefallenen in der Ortsmitte hob Bürgermeister Riehle darauf ab, dass die Partnerschaft in die gutnachbarlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich eingebunden sei. So habe mit Gerhard Schröder dieses Jahr zum ersten Male ein deutscher Bundeskanzler an den Feiern anlässlich der Landung der Alliierten in der Normandie teilgenommen. Unter dem Aspekt des Friedens, der guten Nachbarschaft und der Aussöhnung sei das Ziel der Partnerschaft erreicht. Während das Orchester die deutsche Nationalhymne intonierte, legten Adolf Maier, Albrecht Lempenau und Dieter Carstens einen Kranz für die Opfer von Krieg und Gewalt nieder.

Antoine Subtil ging auf die seinerzeitige Katastrophe der Schlachten des Krieges ein und erzählte von den gezeichneten "Zeugen von Eisen, Feuer und Blut". Im Anschluss las Altkommandant Roger Andrieux jeden Namen auf dem Ehrenmal einzeln vor. Nach einer Gedenkminute wurde die Marseillaise gespielt. Mit der Europahymne von Beethoven endete die Zeremonie.

Am Grab zweier abgestürzter kanadischer Flieger auf dem Gemeindefriedhof legten die Gemeinden ein Blumengebinde nieder. Die deutschen Gäste nutzten die Chance, um die Gräber von verstorbenen Partnerschaftsfreunden aufzusuchen. Die gesamte Bevölkerung und die Gäste waren dann zu einem so genannten "Glas auf die Freundschaft" ins Rathaus eingeladen. Dort trafen sie viele alte Freunde und hielten ein Schwätzchen im Rückblick auf das vielfältige Partnerschaftsgeschehen und die zukünftigen Aktivitäten.

Mit weiteren Programmpunkten bescherten die Franzosen ihren Gästen einen abwechslungsreichen Aufenthalt. Eine Führung in Europas größter Zuckerfabrik "Beghin Say", in der seit Ende September und noch bis Mitte Dezember die Produktionskampagne läuft, verdeutlichte einmal mehr den Stellenwert des Zuckerrübenanbaus in der Region.

Die Gästegruppe, der auch Ursel Bauer für das Partnerschaftskomitee und Rainer Stephan als Vertreter des Gemeinderats angehörten, verabschiedete sich am dritten Tage hochzufrieden und sprach noch die Einladung zum Holzmadener Bätscherfest aus, das am 2. Wochenende im Juli 2005 stattfindet.