Lokales

Frieda Keppler – Erste Frau im Gemeinderat

Aus der Arbeit der Kirchheimer Frauengeschichtswerkstatt

Kirchheim. Es war eher ein Zufall, dass Frieda Keppler 1947 als erste Frau für die CDU in den Gemeinderat der Stadt Kirchheim kam. Es wird

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h. Brösamlen / r. schattel

erzählt, dass der damalige Fraktionsvorsitzende der CDU, Erwin Wiedenmann, bei einem Besuch bei den Kepplers in der Rosegger­­­straße fragte, ob nicht der Sohn von Gewerbeschulrat Johannes Keppler, Gerhard, Gemeinderat werden wollte. Dieser lehnte ab. Da sagte Ehefrau Frieda: „No machs halt i“. Es waren keine politischen Gründe, die sie trieben, sondern ihre große Popularität und die allgemeine Aufgeschlossenheit für das Gemeinwohl im Hause Keppler. Sie kannte die Probleme der Kirchheimer Bürger, auch die der Neubürger.

Es gelang ihr allerdings erst bei der zweiten Wahl, am 7. Dezember 1947, als erste und damals einzige Frau in den Gemeinderat einzuziehen, dem sie dann sechs Jahre lang angehörte. Dies hatte sie ihrer großen Popularität zu verdanken. Einmal war sie durch ihre Arbeit als Hebamme vielen Kirchheimern persönlich bekannt. Zum anderen partizipierte sie von dem Bekanntheitsgrad ihres Mannes, Johannes Keppler, der neben seinem Beruf als Gewerbeschulrat Mitbegründer der Volkshochschule und der Bezirksbaugenossenschaft und der Volksbank in Kirchheim unter Teck war.

Spät haben sich in Kirchheim die Frauen ihren Durchbruch in politische Ämter erkämpft, dabei hatte die Frauenbewegung in Deutschland schon 1919 ein wichtiges Etappenziel erreicht. Die Frauen durften wählen und ein politisches Mandat übernehmen. Zudem bekamen sie Zugang zu Wissen und Ausbildung.

Erst für die erste offizielle Gemeinderatswahl nach dem Krieg, am 27. Januar 1946, geprägt von akuter Wohnungs- und Versorgungsnot sowie dem täglichen Kampf ums Überleben, ließen sich sechs Frauen auf die Bewerberliste setzen, darunter auch Frieda Keppler. Keine der Frauen konnte eine Stimmenmehrheit für sich verbuchen. In der zweiten Wahl nach Kriegsende, am 7. Dezember 1947 endlich, wurde Frieda Keppler, geborene Doster, mit 3 454 Stimmen als erste und einzige Frau in den Gemeinderat gewählt.

Geboren wurde Frieda Keppler am 4. Oktober 1901 in Kirchheim unter Teck als Schwester von Baumeister Doster, der für die Unabhängige Wählervereinigung im Gemeinderat saß. Geheiratet hat sie mit 43 Jahren den Witwer Johannes Keppler. Vor und während ihrer Ehe war sie als Hebamme in Kirchheim, vertretungsweise auch in Dettingen und Schlierbach tätig und sehr beliebt. Eine Entbindungsstation im Kirchheimer Krankenhaus gab es damals noch nicht, nur im Wächterheim, und eine private am Schlossplatz. Die Kinder reicher Eltern wurden in Stuttgart geboren, damit auf der Geburtsurkunde unter Geburtsort „Stuttgart“ stand. Die meisten Geburten jedoch fanden zu Hause statt und Frieda Keppler war dabei.

Ihr Bekanntheitsgrad und ihre Beliebtheit haben Frieda Keppler dann auch zu ihrem Sitz im Gemeinderat verholfen. Bei ihrer Einsetzung am 9. Januar 1948 gab es in Kirchheim 18 970 Einwohner, davon waren 1 749 ausgebombt und evakuiert und 4 963 waren Neubürger. Frieda Keppler wurde auch gleich in den Fürsorgeausschuss gewählt, dem allerdings keine Entscheidungsbefugnis, sondern nur eine beratende und überwachende Tätigkeit zustand.

So schlug der Fürsorgeausschuss dem Gemeinderat im Januar 1948 die monatliche Unterstützung für bedürftige Bürger, Übernahme von Krankenhaus-, Arzt- oder Apothekerkosten oder auch Beerdigungskosten, ja sogar Sargkosten vor. Stellvertretend wurde Frieda Keppler auch in den Wirtschaftsausschuss gewählt.

Die Arbeit des Gemeinderats nach dem Kriege sah so ganz anders aus als heute. Es galt, einen Nothaushalt zu verabschieden, Probleme durch die Währungsreform und ihre Auswirkungen zu meistern, Nachlässe zur Schulgeldverordnung „nur für begabte Kinder minderbemittelter Kreise“ wurden ebenso diskutiert wie die „Förderung des Wohnbaus als oberste Sorge der Verwaltung“. Und immer wieder war es die Schulraumnot, die jahrelang Hauptthema im Gremium war. Außerdem oblagen dem Gemeinderat alle Personalentscheidungen, auch für die Schulen. Weniger brisante Aufgaben wie Zuwendungen für die jährlichen Kinderfeste, Beihilfe für die heimgekehrten Kriegsgefangenen, Holzgeldbeihilfe, Fahrplanverbesserung zur „geradezu gefährlichen Überfüllung der Morgenzüge“ und Bekämpfung der Kartoffelkäfer mithilfe eines Kartoffelkäfersuchtrupps, gab es zu lösen.

Frieda Keppler setzte sich während ihrer Amtszeit ein für die Abhilfe „der unhaltbaren Zustände in der Kinderkrippe“, für Kinderspielplätze, für die Not der Neubürger und – so banal sich das heute auch anhört – immer wieder für die Vorhänge in den Schulen. Ansonsten war sie in den Gemeinderatssitzungen eher zurückhaltend und überließ ihren männlichen Kollegen das Feld.

Am 9. Februar 1951 wurde die beliebte und um die Not der Menschen wissende Hebamme mit großer Mehrheit in den Sozialausschuss gewählt, wo sie auch noch nach ihrem Ausscheiden vier Jahre lang mitwirkte. Im Wohnungsausschuss hatte sie einen stellvertretenden Sitz.

Als Frieda Keppler bei der Gemeinderatswahl am 17. Dezember 1953 nicht mehr kandidierte, hatte das keine politischen Gründe. Ihr Mann, Johannes Keppler, war inzwischen 74 Jahre alt und brauchte vermehrt Betreuung. In der Sitzung vom 26. November 1953 wurde sie von Bürgermeister Kröning verabschiedet. Es sei ihr, so der Oberbürgermeister, ihr Wissen um die Nöte und Sorgen der sozial Schwachen sehr zustattengekommen“.

Erst drei Jahre später sollte es wieder eine Frau im Gemeinderat geben.