Lokales

Frisch und mit eigenen Kräutern verfeinert

Erst seit dem Ende der Sommerferien am Markt, hat sich das Team der Mensa am Schlossgymnasium schon einen sehr guten Ruf erkocht. Drei prominente Mitesser mischten sich gestern unter die lärmende Schülerschar und überzeugten sich vor Ort davon, dass das ambitionierte Projekt sich vom beharrlich verfolgten Wunsch tatsächlich zum erhofften Erfolgsmodell wandeln konnte.

WOLF-DIETER TRUPPAT

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KIRCHHEIM Neben Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker konnte der stellvertretender Schulleiter, Siegfried Hepe, am Schlossgymnasium gestern um die Mittagszeit auch Hochbauamtsleiter Wolfgang Zimmer und den Leiter des Amtes für Bildung, Kultur und Sport, Steffen Waigel, in dem seit der Eröffnung nach den Sommerferien ungemein gut angenommenen Schul-Restaurant begrüßen.

Nur von einer "Mensa" zu sprechen, wird dem Engagement und den Qualitätsansprüchen der vielen freiwilligen Helfer eigentlich nicht gerecht. Schließlich werden hier die von örtlichen Geschäften angelieferten Lebensmittel täglich frisch verarbeitet und zubereitet. Dabei können die ambitionierten Mitglieder des eigens gegründeten Vereins "essbar" bei ihrer ehrenamtlichen Arbeit selbst auf den Luxus eines eigenen Kräutergartens zurückgreifen. Im Rahmen von Projektwochen angelegt und seither von Schülern betreut, zeigt sich schon am Beispiel dieses Kräutergartens überdeutlich, welch große Kooperationsleistung hinter einem solch ambitioniert angepackten Essensangebot steckt.

Dass alles auf Anhieb klappen muss, scheint den inzwischen rund 130 Köchinnen und Köchen keine allzu großen Probleme zu bereiten, denn ernste Schwierigkeiten gab es bislang noch nicht und das, obwohl die Punktlandung der Fertigstellung der Baumaßnahme überhaupt keine Möglichkeit für eine langsam in die Praxis übergehende Probephase erlaubte.

Praktisch aus dem Stand hatte die erste Mann- oder wohl eher "Frauschaft" gleich einen Rekordandrang zu bewältigen. Dass am ersten Tag schon rund 250 Essen nachgefragt würden, übertraf dabei die kühnsten Erwartungen und sorgte für eine entsprechende logistische Herausforderung. Seither hat sich die Nachfrage zwischen 200 bis 250 Essen eingependelt, die von einem gewöhnlich zwischen sechs und neun Personen zählenden Team zubereitet und ausgegeben werden.

Dass gestern beim offiziellen Besuch der Verwaltungsspitze ein neues Team natürlich erfolgreich Premiere feierte, ist ein klares Indiz für die Souveränität und Selbstsicherheit, mit der sich die Mitglieder des Vereins "essbar" der mutwillig selbst ins Leben gerufenen Aufgabe stellen, die sie seit Beginn auch bravourös gemeistert haben. Die einzelnen Aufgaben sind dabei klar geregelt, doch vor Überraschungen ist bei einem so großen Projekt aber wohl niemand sicher.

Der Schwerpunkt der Ersten Vorsitzenden des Vereins "essbar", Sabine Bur am Orde-Käß, verlagerte sich von der Verantwortung für die Baustelle inzwischen auf den technischen Ablauf der "Mensa im Schloss". Gerburg Schwenk, Vorsitzende des Elternbeirats, zeichnet für die hygienische Schulung verantwortlich, die für eine Mitarbeit im "essbar"-Team unerlässlich ist. Für den Einkauf sind Heidi Sigler und Annemarie Strugalla-Engert verantwortlich, Monika Prinz und Birgit Widmaier haben die Organisation der Kochgruppen unter sich und Gabriele Armingeon-Buchner kümmert sich um das Finanzwesen.

Die 140 zur Verfügung stehenden Sitzplätze reichen aus, da von 11.30 bis 13.30 Uhr praktisch in zwei Schichten gegessen wird, um zu langes Schlangestehen zu vermeiden. Den Auftakt bilden die Schülerinnen und Schüler der fünften und sechsten Klasse. Schüler, die nur eine Dreiviertelstunde Zeit haben, dürfen in der Schlange gegebenenfalls überholen, doch auch das hat sich längst mehr oder weniger eingespielt. Auf langfristige Vorankündigungen des jeweiligen Tagesessens wird bewusst verzichtet, denn egal, was auf dem Speiseplan steht, werden immer auch attraktive Alternativen geboten. Wer vom Hauptgang nicht absolut begeistert ist, kann sich für einen bunten Salat entscheiden und mit den ebenfalls täglich frisch zubereiteten Desserts oder auch den Angeboten der Kuchenecke einen alternativen Speiseplan zusammenstellen.

Nicht nur individuellem Hungerempfinden, auch dem Zusammengehörigkeitsgefühl aller mit demSchulleben am Schlossgymnasium verbundenen Personen ist das großartige Angebot zuträglich. Das vielbeschworene "Wir-Gefühl" hat jedenfalls deutlich zugenommen, seit das von vielen Skeptikern kritisch kommentierte Unternehmen geschultert und zum Erfolg geführt wurde.

Das von einer reinen Essensausgabe meilenweit entfernte Einrichten einer Großküche mit täglich neu zubereiteten Gerichten dient dabei nicht nur den zwischenmenschlichen Beziehungen zwischen Eltern, Lehrern und Schülern und dem Gemeinschaftsgefühl, sondern ist auch eine Grundvoraussetzung für den am Schlossgymnasium ebenfalls schon probeweise eingeführten Betrieb einer Ganztagesbetreuung. Außerdem ist es auch eine wesentliche Erleichterung für Schüler aus dem G-8-Zug, die mit bis zu 38 Wochenstunden nahezu jeden Nachmittag an der Schule verbringen.

Bei ihrem Besuch konnte sich Oberbürgermeisterin Matt-Heidecker auch hinter den Kulissen davon überzeugen, dass hier optimal gearbeitet wird. Dass die dafür erforderlichen Rahmenbedingungen geschaffen werden konnten, ist nicht zuletzt Mittel aus dem Investitionsprogramm des Bundes Zukunft, Bildung und Betreuung kurz: IZBB zu verdanken. Von den für die Um- und Anbaumaßnahme benötigten Mittel in Höhe von 587 000 Euro wurden der Stadt als Schulträger 90 Prozent als Zuschuss zur Verfügung gestellt. Dass dieses Geld nun weiter Früchte trägt, liegt allein in der Hand derer, die sich gemeinsam dafür engagieren, dass dieses Erfolgsprojekt weitergeschrieben und nach dem Abschied der Gründungsväter und -mütter an weitere Generationen engagierter Eltern weitergegeben werden kann.