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Frische Gedanken zur Belebung des Stadtzentrums

In der Städtischen Galerie im Kirchheimer Kornhaus wurde gestern die städtebauliche Ausstellung "Mitten drin statt nur am Rand" eröffnet. Sie zeigt studentische Beiträge des Städtebau-Instituts der Universität Stuttgart, die sich mit neuen Konzeptionen und Impulsen für die Zentren Aalen und Schwäbisch Gmünd auseinandersetzen.

RENATE SCHATTEL

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KIRCHHEIM Der Kunstbeirat der Stadt Kirchheim initiierte die Kontakte zum Städtebau-Institut in Zusammenarbeit mit dem vhs-Kulturring unter Federführung von Berthold Luippold. Der Kirchheimer Architekt entwarf für den Ausstellungsraum ein apartes Raumkonzept, das sowohl die Enge des Innenstadtbereiches widerspiegelt als auch durch die komplette Auskleidung mit Kunstrasen Ruhe und Besinnung vermittelt.

In zwei Handlungssträngen lassen sich Strategien der Studenten zur zukünftigen Entwicklung des Innenstadtbereiches von Schwäbisch Gmünd und des Unionsareals von Aalen nachvollziehen. "Das Besondere an den Arbeiten von Studenten sind die frischen Gedanken zu alten Baubereichen und gelegentlich auch provokante Vorschläge", erklärte Architekt Luippold. Bürgermeister Günter Riemer griff in seiner Begrüßung das Thema "Mitten drin statt nur am Rand" auf und machte deutlich, dass sich die Verwaltung mit der Zentralisierung und Dezentralisierung, dem Ausfransen der Stadt beschäftigt. "Gewachsene Städte, europäische Innenstädte sind Thema der gesellschaftlichen und politischen Auseinandersetzung", ist er sich sicher. Die demografische Entwicklung des Landes, die finanzielle Situation der öffentlichen Haushalte und die spürbar stärker werdende Suche der Menschen nach Identität würden dies erforderlich machen.

Bürgermeister Riemer ist davon überzeugt, dass die europäische Stadt es wert ist, gezielt erhalten zu werden in ihrer Kultur, Tradition und Identität. Deutlich mahnte er an, dass Stadtverwaltung und Gemeinderat nicht alleine dafür verantwortlich seien: "Ich fordere zum Umdenken auf, alle Bürgerinnen und Bürger müssen sich beteiligen, denn es ist eine Aufgabe aller."

Der Direktor des Städtebau-Instituts der Universität Stuttgart, Professor Franz Pesch, erarbeitete mit seinen Studenten in verschiedenen europäischen Städten wie Basel oder Stockholm neue Strategien für zukünftige Entwicklungen von Stadtzentren und will mit seiner Arbeitsgruppe auch in Kirchheim flexible städtebauliche Strukturen, die Impulse geben, entwickeln. In seinem Einführungsvortrag erklärte er, dass die Menschen sich heute zwar alle mit ihrem historisch gewachsenen Innenstadtbereich identifizieren, dass die Zentren aber mit dem Alltag nichts mehr zu tun haben. "Die Menschen leben heute anders." Die Kernstadt verkrafte den heutigen Lebensstil nur schwer. Viele städtische Funktionen, die jahrhundertelang ihren festen Platz in den Innenstädten hatten, finden sich heute auch im suburbanen Umfeld, die Innenstadt schrumpft. "Der Handel kann die Innenstädte nicht mehr retten", resümierte Professor Franz Pesch.

An den Beispielen Schwäbisch Gmünd und Aalen zeigen die Studierenden vier Strategien auf, die Innenstädte zu beleben. Zum einen solle die Identität des Ortes gestärkt werden und zum zweiten müssten innerstädtische Flächen konvertiert werden. Der öffentliche Raum sollte 24 Stunden attraktiv sein und als Ausdrucksraum der differenzierten Gesellschaft erhalten werden. Im Austausch mit den Studierenden wurde direkt darüber nachgedacht, was historische Stadtkerne jungen Menschen tatsächlich bieten könnten. Fragen nach der speziellen Profilierung der Zentren, Wohnen in der Innenstadt und soziale Konzeptionen seien in die Arbeiten mit eingeflossen und die Städte Schwäbisch Gmünd und Aalen arbeiten schon mit ihnen.

Am Dienstag, 27. September, nimmt der Erste Bürgermeister von Schwäbisch Gmünd, Hans Frieser, zu den Vorschlägen Stellung, am Mittwoch, 12. Oktober, die Leiterin des Stadtplanungsamtes Aalen. Am Mittwoch, 26. Oktober, schließlich präsentiert der Leiter des Planungsamtes Kirchheim, Dr. Hermann-Lambert Oediger, Gedanken zur Stadtentwicklung Kirchheims. Die Vorträge, die im Kirchheimer Kornhaus stattfinden, beginnen jeweils um 19 Uhr.